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WIEN: Johanniskapelle Weihburggasse: HÄNDEL IN WIENS UNTERGRUNG mit der „Farinelli Company“

14.12.2017 | Konzert/Liederabende

13.12.2017: Händel in Wiens Untergrund

Die vormalige Georg Friedrich Händel Gesellschaft hat sich umgetauft in „Farinelli Company“, damals wie heute unter der Leitung von Arno Argos Raunig ein Publikumsrenner mit ihren viel zu seltenen Konzerten auf unterschiedlichsten Schau- bzw. Hörplätzen. Diesmal war es betitelt: „Weihnachtskonzert in den Katakomben“ und ermöglichte den Besuchern, die wohl größtenteils (wie auch ich) von den Räumlichkeiten in der Johanniskapelle (1010 Wien, Weihburggase 14, um 2 Ecken vom „Steffl“) nichts gewusst hatten, einen erhellenden Einblick in Wiens historischen Untergrund. – Dort wurden Sessel hineingepfercht, die sich letztlich als viel zu wenige erwiesen, sodass beinah um die vorweg für angemeldete Besucher brav reservierten Plätze gerauft werden musste. Für ein Cembalo, einen Geiger, den Moderator und den „Sopranisten“ blieb gerade noch ein Eckchen übrig und in einem anderen Eckchen 2 Tische für das abschließende kleine Buffet. Aber da diese Veranstaltungen geradezu ein Familienfest geworden sind, beeinträchtige die Finsternis und Enge kaum den Hör- und Singgenuss. Ja, letzteren gab es auch fürs Publikum, denn dieses durfte allbekannte Weihnachtslieder aus vollem Halse mitsingen, angeregt durch den „Counter“, der natürlich alle übertönte.

Arno Argos Raunig ist bekanntlich nicht nur Sopranist, sondern zugleich Altus und Contra-Altus, denn in allen Lagen ist seine Stimme schön und weich fließend, mit wohltuender Wärme in den unteren Lagen, und wenn er bei Koloraturanforderungen so richtige Höhen-Attacken produziert, dann stellen sich gewisse Assoziationen zu Cecilia Bartoli ein. Für ruhig strömende Kantaten ist dieser „Counter“ hiemit genauso geeignet wie für hochdramatische Händel-Arien. Als er inmitten des flexibel konzipierten Abendprogramms einmal das Publikum fragte, was als nächstes folgen solle, eine Weihnachtsgeschiche, ein gemeinsames Lied, eine Händel-Arie..?Da plädierte das Publikum nahezu einstimmig für „die Händel-Arie“.Es war die effektvolle Rache-Arie des Sesto für die Tötung seines Vaters aus „Giulio Cesare in Egitto“: „L‘angueoffesomairiposa“ . Fest eingeplant waren die beiden  Arien aus dem „Messiah“:  „Rejoice oh daughterof Zion“ und „Howbeautifularethefeetofthem“, mit Kraft und Hingabe gesungen. Saisongemäß auch die Auswahl von Vivaldis „Cum dederitdilectissuissomnum“ aus „Nisidominus“ und „Vergin tuttoamor“ von Francesco Durante.  Am Cembalo begleitete meisterhaft  Matthias Krampe, mehrmals auch gemeinsam mit dem Geiger Franz Markus Siegert das vokale Programm. Siegert ergänzte solistisch mit 3 Sätzen (Adagio, Largo, Fuga), verteilt auf den Abend, aus J.S. Bachs Solosonate Nr.3. Und der Sprecher Theo Hawlitschka las, wie immer wunderbar ausgewählt, kurze Weihnachtsgeschichten in Versen und Prosa, die ganz auf Friedenserwartung und Harmonie unter den Menschen ausgereichtet waren, aber auch den Humor nicht aussparten.

Und zuletzt ging es in die Abgründe. Zwei Stockwerke tiefer, auf festen Steinstufen, gelangten wir in erstaunlich große Räume (man habe noch Steine aus der Römerzeit gefunden, belehrte man uns), die einst in sakralen Kreisen als Büßerinnenhaus gedient hatten, d.h. wohin sich etwa schwangere Nonnen zurückziehen konnten oder mussten. Die weitere Geschichte dieses Hauses, gegenüber der Franziskanerkirche gelegen, ist einer eigenen Führung wert.

Wir verabschiedeten uns vom künstlerischen Teil der Abendveranstaltung mit einem gemeinsam gesungenen „Stille Nacht, heilige Nacht“. Die von Touristen aus aller Welt nächtlich belebten Gassen im Umkreis schienen eine neue Farbe gewonnen zu haben.

Sieglinde Pfabigan

 

 

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