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WIEN/ Instituto Italiano di Cultura: „EIN ABEND FÜR JACOPO FORONI“

WIEN: INSTITUTO ILALIANO DI CULTURA – 4. 7. 2014 –  „EIN ABEND FÜR  JACOPO FORONI

 Ein Komponist in der Zwischenzeit von Donizetti und Verdi.

Jacopo Foroni wurde am 26. 7. 1824 in Valeggio sul Mincio /Verona geboren. Sie wissen, dieser Fluß Mincio fließt durch Manova (und dort will Rigoletto sein Opfer für immer verschwinden lassen). Seine erste Ausbildung erteilte sein Vater, sehr bald war er erster Kapellmeister am Teatro Filarmonico. Aber seine politische Einstellung gegen die österreichische Herrschaft Oberitaliens zwang ihm, das Land zu verlassen. So kam er über Hamburg mit einem ungewollt längeren Aufenthalt nach Dänemark und dann nach Schweden, wo er sich fix ansiedelte. Vereinzelt unternahm er doch noch Reisen nach Italien . Seine erste Oper „Margherita“  wurde noch in Mailand veröffentlicht, aber dann kamen die Wirren des „Märzaufstandes 1848“ und er verließ das Land. In Schweden, der neuen Heimat,  schrieb er „Cristina, Regina di Svezia“, ein Werk, das aufhorchen lässt und Teile des Schicksals einer sehr „starken Frau“ erzählt, einer historischen Figur,die sich nie etwas befehlen ließ. Die Oper wurde 1849 aufgeführt. Für Mailand, wohin die Kontakte nie abrissen, schrieb er noch „I gladiatori“, diese Oper sollte eigentlich Spartacus heißen, warum der Titel geändert wurde, ist unbekannt. In Stockholm bemühte er sich die italienische Oper und deren Stil einzuführen. Wie Donizetti und Verdi, so veranlasste er die Erstaufführung in Schweden von „Macbeth“, in der Erstfassung, er bemühte sich auch um Rossinis „Tell“, natürlich ungestrichen. Ebenso machte er auch Bekanntschaft mit den deutschen Komponisten, somit wurde Webers „Oberon“ und vieles von Beethoven und Schumann aufgeführt. Foroni wurde leider nur 34 Jahre alt er starb in Stockholm 1858 am 8. September, angeblich an Cholera.

Die Königin Christina von Schweden 1626 – 1689, ist eine sehr interessante und spannende Person ihrer Zeit, die eigentlich für die Zeit, in der sein lebte, zu ungewöhnlich war, ähnlich der Elisabeth I. in England oder der Theophanu von Byzanz. Und es gäbe noch viele dieser Damen der Geschichte, sie werden auch immer wieder sehr gerne in Belcantoopern verewigt, auch mit den Legenden um ihre Person. Die Oper behandelt ziemlich nüchtern die „Mädchenjahre einer Königin“ , der Film geht allerdings auf Viktoria von England, aber eine Ähnlichkeit ist unverkennbar. Als man Christina achtzehnjährig zur Königin krönen wollte, lehnte sie in einer Rede vor dem schwedischen Parlament in einer Rede ab, mit der Begründung, sie ließe sich erst krönen wenn dieser Krieg (der 3ojährige) zu Ende ist, sie will keine Herrscherin des Krieges sein. Man gewährte diese Bitte und vier Jahre später war es dann soweit. Allerdings dankte sie bereits 1654 ab, damit endet auch die Oper, und eigentlich begann damit das Leben dieser so universell gebildeten Frau wirklich. Sie war es, die den großen Bernini ermutigte, sich gegen die Vormacht gewisser Lieblingskünstler zu stellen und so verdanken wir dieser Dame den herrlichen Petersplatz in Rom. Als sie in Innsbruck 3. 11. 1655 in Innsbruck zum katholischen Glauben übertritt reiste sie direkt nach Rom wo sie eine große Förderin der Künste wurde.

 Das Konzert brachte ein sehr schönes  Wiederhören mit Stefania Bonfadelli, viel Zeit verging, seit die so einfach von der Bildfläche der Staatsoper verschwand.  Viel wurde getuschelt, gemunkelt, besser gewusst und niemand wusste wirklich etwas. Heute ist sie wieder da. Sehr gereift, inzwischen Dott.essa  für Musik und Mutter einer fünfjährigen Tochter, auch so kann man Krisen überstehen! Mit viel mehr Tiefe und Breite in der Stimme, die leichten Koloraturen kommen sicher nicht mehr so locker, aber dennoch gut geführt und sicher zum Ausdruck. Man hörte sie in der Arie der Margherita, aus den „Gladiatori“ die Romanze der Virginia und natürlich als Christina, Arie und Duett mit Gustavo., dieser wurde wundervoll von Roberto Frontali umgesetzt, der auch mit der Arie des Gustavo punkten konnte.

Am Flügel wurden sie vom Pianisten Andreas Teufel begleitet, der teuflisch toll spielte, sowohl als einfühlsamer Begleiter, aber auch solistisch mit einer Ouvertüre des Meisters Foroni. Das Bläserquintett „Operaprima Bläserquintett„, bestehen aus Ventislav Kandev, Daniela Steininger, Bernhard Pfaffelmaier, Michael Wächter und Matthew Smith auf Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott spielte überzeugend einen Triuphmarsch von Foroni und  von Donizetti ein Arragment für die Sinfonia zu „Don Pasquale“ und Ballabili aus Verdis Macbeth.

 Durch den Abend führte Michael Tanzler im Gespräch mit dem Hauptorganisator des Abends, Tiziano Duca, mit dem schwedischen Musikwissenschafter Anders Wiklund und Gloria Kaiser, einer Autorin aus der Steiermark, die  zum Teil in Brasilien lebt und sich um starke Frauen historisch und literarisch bemüht.   

Der ohne Pause an die 2 Stunden dauernde Abend war so ohne Längen, dass man noch lange Weiteres hätte  lernen können.  

Elena Habermann

 

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