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WIEN / Hofmobiliendepot: MAXIMILIAN VON MEXIKO

06.03.2013 | Ausstellungen

    
Fotos: Wesemann

WIEN / Hofmobiliendepot: 
MAXIMILIAN VON MEXIKO
DER TRAUM VOM HERRSCHEN
Vom 6. März 2013 bis zum 18. August 2013  

Der Traum von der Krone

Schon als Kind wollte er sein eigenes Reich haben, ließ sich eine Holzvilla bauen, erfand sich ein Fürstentum rundum und nannte es „Maxing“ (und wir haben noch die Maxingstraße als Erinnerung). Schon als er „nur“ Erzherzog war, baute er in seinem Schloß in Triest einen Thronsaal. Und schließlich trieben ihn sein Ego und sein Ehrgeiz in das „mexikanische Abenteuer“: Kaiser Max von Mexiko ist eine tragische Erscheinung in der österreichischen Geschichte, aber man wusste immer, dass der jüngere Bruder von Kaiser Franz Joseph ein hoch interessanter Habsburger war: Eine Ausstellung im Hofmobiliendepot beweist das nun in faszinierender Fülle von Objekten und Gedankengängen.

Von Heiner Wesemann

Söhne in Wartestellung     Es war nicht nur bei den Habsburgern, sondern bei den meisten Herrscherfamilien üblich, möglichst viele Söhne haben zu wollen. Zwar konzentrierte sich alles auf den ersten, den Thronfolger, aber die anderen waren nötige „Reserve“. Mehr als einmal hat das Haus Habsburg seine Macht nur halten können, weil es nach einem kinderlosen Kaiser einen Bruder, einen Neffen gegeben hat, die das „Haus“ weiterführten. Ein zweiter Sohn befand sich in permanenter „Wartestellung“, falls dem ersten etwas zustoßen würde, und das hat auch schon zu Familienfehden geführt (Grillparzer schrieb einen ganzen „Bruderzwist“ darüber). Kamen die nachfolgenden Söhne aber nicht zum Zug, waren sie einfach Mitglied der „Kaiserfamilie“, angenehm dotiert, nur so weit zu Aufgaben gezwungen, wie sie es selbst wollten. Man kennt Mitglieder des Hauses Habsburg, die sich mit ihren Apanagen bloß vergnügten…

 

„Der Zweite“     Was aber, wenn ein zweiter Sohn begabt, intelligent und vor allem ambitioniert war? Ferdinand Maximilian von Habsburg, Erzherzog, geboren 1832, zwei Jahre jünger als sein Bruder Franz Joseph, sah sechzehnjährig mit an, wie dieser mit 18 Jahren Kaiser wurde. Franz Joseph heiratete 1854 seine bayerische Cousine Elisabeth, 1858 kam der Sohn Rudolf zur Welt. Damit war jeder „Traum vom Herrschen“, den Max (so wurde Ferdinand Maximilian genannt) je geträumt haben mag, im Hinblick auf die eigene Donaumonarchie zu Ende. Dazu kam, dass Max 1857 mit Charlotte von Belgien die Tochter eines regierenden Königs heiratete, eine Frau, die es in brennendem Ehrgeiz nicht aushielt, im Schatten zu stehen. All dies kam zusammen, ihn in das „mexikanische Abenteuer“ zu treiben, das für ihn letal ausging. Gerade drei Jahre hat der eigene Kaisertraum gedauert – und es war absolut kein Traum, sondern grausame Wirklichkeit.

Interessen seit der Kindheit     Erzherzogin Sophie, die Kaiserinmutter, berichtete einmal, dass der Maxi, ihr zweiter Sohn, schon als Kind mit Sesseln „gebaut“ hätte, während sein Bruder Franz Joseph seine Zinnsoldaten ordnete. Signifikanter kann eine Aussage  gar nicht sein. Max war ein leidenschaftlicher Erbauer, „Einrichter“, ein Sammler, und er konnte diesen Leidenschaften durchaus frönen – dem Sammeln dann auch bei einer weiteren seiner Ambitionen, dem Reisen. Hätte er erkannt, dass ihm im Gegensatz zum kaiserlichen Bruder, der von früh bis spät an seinem Schreibtisch Knochenarbeit leistet, die Freiheit gegeben war, seinen Interessen zu frönen, er wäre nicht so willige Beute gewesen, als Kaiser Napoleon III. von Frankreich einen Marionettenkönig suchte, der seine (ökonomischen, imperalistischen) Interessen in Mexiko vertreten sollte. Aber Max war notorisch ehrgeizig, notorisch unzufrieden mit dem Zufall der Geburt, der ihn „nur“ zum Flottenkommandant, nur zum Generalgouverneur machte. Immerhin – seinen Leidenschaften hat er gefrönt.

Wohnen mit Maximilian    Wie immer im Hofmobiliendepot findet sich die Ausstellung auf zwei Stockwerken, wobei man oben beginnt. Dort, unter grünen Tapeten, findet sich ein biographischer Rundgang, von der Kindheit bis zu jenem Tag, als er nach Mexiko aufbrach. Die Stationen sind da zuerst Wien, wo er sich schon als Junge das eigene Haus baute und nach sich selbst benannte. Hierher gehört auch das Attentat auf den Bruder Franz Joseph, das Maximilian ermöglichte, als Dank für dessen Errettung die Votivkirche erbauen zu lassen. In Triest, wohin es ihn früh zog, mietete er erst die Villa Lazarovich und ließ sie üppig ausgestalten, und dann frönte er seiner Baulust mit der Errichtung von Schloß Miramare bei Triest. Schließlich hat Gattin Charlotte ihm noch das Anwesen LaCroma gekauft, wo gleichfalls große Bauarbeiten beabsichtigt waren (aber nicht zur Fertigstellung gediehen).
Die Ausstellung hat nun eine hervorragende Methode gefunden, das Gefühl der Innenräume zu vermitteln, die natürlich im opulentesten Historismus schwelgten, indem sie nämlich als Raum in Riesenfotografien aufgebaut sind: Da sich im Museum selbst sehr viele Möbel aus Maximilians Besitz befinden, kann man oft exakt jene Stücke, die auf den Fotos zu sehen sind, davor im Original finden.

  

Unterwegs mit Maximilian    Schon 18jährig hat Maximilian seine erste große Reise unternommen, er liebte das Meer und fremde Länder, und man findet in der Ausstellung auch ein ausführliches handgeschriebenes Reisetagebuch, in das er auch sehr begabt eigene Zeichnungen eingefügt hat. An Kleingeld hat es ihm offenbar nie gemangelt – eine Ecke gilt seiner „ägyptischen Sammlung“, er brachte u.a. einen ganzen Holzsarkophag und vier prachtvolle Kanopenkrüge nach Hause. Auch aus Nordafrika hat er Kostbarkeiten mitgebracht, später ist er – von Mexiko abgesehen – auch in Südamerika, etwa in Brasilien gereist. Mag er als Sammler auch gelegentlich wahllos gewesen sein: leidenschaftlich hat er es jedenfalls betrieben. Und schon als Junge hat es ihn offenbar begeistert, eine Mappe mit originalen Unterschriften amerikanischer Präsidenten zu sammeln – auch diese ist in der erstaunlich reichhaltigen Ausstellung zu sehen.

Nach Mexiko      Die Novara, die als Modell zu sehen ist, brachte Maximilian nach Mexiko und als Leiche wieder zurück. Obwohl Maximilian als Kaiser von Mexiko mehr Probleme hatte, als er bewältigen konnte, kümmerte er sich doch um seine Hofhaltung und um all die Dinge, die er offenbar „spielerisch“ erledigte: Die Ausstellung hat zu dem berühmten Bild, das ihn in mexikanischer Hose mit Sombrero zeigt, die originalen Kleidungsstücke – und ein Pferd hat man auch gleich daneben gestellt. Natürlich kein echtes…

  

Das Ende    Der Tod Maximilians – Manet Gemälde seiner Erschießung ist natürlich nur in Kopie da, hinter Glas beleuchtet – ist von Mythen umgeben. Man hat nicht nur zahlreiche Dokumente über die Hinrichtung, die Überführung nach Wien, das Begräbnis gefunden und ausgestellt, man sieht auch das Gilet, das er trug und das von Kugeln durchlöchert ist, ein Foto seines einbalsamierten Leichnams, den Sarg, mit dem er zurück nach Triest kam, von Vizeadmiral Wilhelm von Tegetthoff persönlich geleitet, die Totenmaske. Zu Beginn der Ausstellung konnte man Maximilian gewissermaßen von Jahr zu Jahr in allen Altersstufen verfolgen – die Ausstellung leistet dasselbe, und es geschieht mit gut 300 sorglich ausgewählten Objekten außerordentlich gelungen.

Bis 18. August 2013, täglich außer Montag 10 bis 18 Uhr.
1070 Wien, Andreasgasse 7 (eine Seitenstraße der Mariahilferstraße)

 

 

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