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WIEN / Hermesvilla: BURG STARS

29.03.2012 | Ausstellungen

 

WIEN / Wien Museum in der Hermesvilla:
BURG STARS – 200 JAHRE THEATERKULT
Vom 30. März 2012 bis zum 4. November 2012

So ändern sich die Zeiten
Einst waren die Ausstellungen, die das Wien Museum (als es noch die umständliche Bezeichnung „Historisches Museum der Stadt Wien“ trug) in der Hermesvilla ausrichtete, oft Höhepunkte des Hauses und vor allem dann „Renner“, wenn man sich der Habsburger annahm. In den letzten Jahren hat man die attraktive Villa im Lainzer Tiergarten, die Kaiser Franz Joseph seiner geliebten „Sisi“ bauen ließ (die Dauerausstellung im Oberstock nennt sich „Sisis Schloß der Träume“ und ist der Geschichte des Hauses gewidmet), als Ausstellungsraum vernachlässigt. Wenn man sich nun allerdings den „Burg Stars“ zuwendet, könnte man thematisch wieder einen Publikumshit gefunden haben.
Von Heiner Wesemann

 

Der Wiener Schauspielerkult    Die Besessenheit der Wiener von ihren Schauspielern ist nicht neu – er geht bis in die Frühzeit des Theaters in dieser Stadt zurück. Als Kaiser Joseph II. das alte Ballhaus nächst der Burg 1776 zum „Teutschen Nationaltheater“ erhob und dem breiten Publikum öffnete, kam auch der Starkult auf. Die Ausstellung geht bis in die Anfänge des Hauses zurück und stützt sich dabei auf die burgtheatereigene Porträtgalerie der Stars. So ändern sich die Zeiten – hat Hans Makart einst die Wolter in prachtvollem Faltenwurf präsentiert, so bietet die Fotografin Lucy McKenzie von Birgit Minichmayr die komplett nackte Rückseite…

Von Kainz zu Voss     Nimmt man die Wolter, den Kainz oder die Schratt aus (die wohl eher als Kaiser-Freundin populär geblieben ist denn als Schauspielerin), so sind die opulent konterfeiten Damen und Herren der Frühzeit wohl nur den Theaterhistorikern interessant. Bedauerlich dennoch, dass sich das Museum diesmal zu keinem Katalog aufgeschwungen hat, denn optisch haben die ersten Räume eine Menge zu bieten. Da das Wiener Gedächtnis für Schauspieler hervorragend funktioniert, ist wohl jene Epoche, die Paula Wessely und Attila Hörbiger, Josef Meinrad oder Ernst Deutsch zeigt, dem älteren Publikum noch höchst lebendig – und auch jene, in der der Begriff „Burg Star“ noch am reinsten existierte.

                Fotos Wesemann

Die Bilder der Gegenwart    Die Zeiten ändern sich, auch unter Porträt versteht man heute etwas anderes: 2006 hat man begonnen, nach sehr langer Pause wieder Porträts von Burgschauspielern in Auftrag zu geben. So wie Gert Voss oder Kirsten Dene (letztere von Elke Krystufek konterfeit) dem Publikum entgegenblicken, wird mehr dem Zeitgeist als dem Star-Charakter gehuldigt. Immerhin zählen Dene und Voss (Relikte der Ära Peymann) noch zu jenen Schauspielern, die die Wiener voll akzeptiert haben. Ob sie ihr liebevolles Interesse, das sie einst für Heltau oder Pluhar oder andere Interpreten dieser Größenordnung gehegt haben, auch auf die heutigen Darsteller des Hauses wenden, kann bezweifelt werden (so sie nicht Maertens oder Melles sind…).

Büsten, Totenmasken, Devotionalien…   Das Wien Museum ergänzt die Bildergalerie mit den reichen Beständen aus dem eigenen Haus. Das umfasst zahlreiche Büsten von Stars des 19. Jahrhunderts oder einen Autogrammfächer, Totenmasken oder seltsam-skurrile Details (etwa jenen Hut, mit dem Josef Meinrad den Pater Brown spielte – allerdings nicht im Burgtheater). Dazu kommen noch schöne altmodische „Künstlerfotos“, die einst so populär waren.

Hermesvilla, 1130 Wien, Lainzer Tiergarten
Von Dienstag bis Sonntag, täglich 10 bis 18 Uhr

 

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