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WIEN/ Haus Hofmannsthal: ENDE DES HERBSTES. Liederzyklen nach Gedichten von Georg Trakl, Carl Dallago und Rainer Maria Rilke Rilke – Apostol Milenkov und Ruzha Semova

09.04.2022 | Konzert/Liederabende

7.4.2022 – „Ende des Herbstes“- Unter  diesem Titel wurden an diesem Abend im Haus Hofmannsthal neue Liederzyklen nach Gedichten von Georg Trakl, Carl Dallago und Rainer Maria Rilke in den Vertonungen von Alexander Blechinger, François-Pierre Descamps und Akos Banlaky zur Aufführung gebracht, gesungen von dem bulgarischen Bass Apostol Milenkov und sehr einfühlsam am Klavier begleitet von der bulgarischen Pianistin Ruzha Semova.

Frau Dr. Trixi Günczer führte als Moderatorin durch diesen ungewöhnlichen und sehr interessanten Liederabend. Ungewöhnlich und interessant schon deshalb, da er nicht einem der üblichen Repertoire-Liederabende entsprach.

Der geneigte Zuhörer war im ersten Liederzyklus mit den Gedichten von Trakl in der Vertonung von Alexander Blechinger vielleicht noch ein wenig an Franz Schuberts Lieder erinnert. Vielleicht würde Schubert heute solche Lieder schreiben…?!

Der zweite Zyklus mit der „Epistel an mich selbst“ von Carl Dallago in der Vertonung von François-Pierre Descamps war musikalisch auch recht anspruchsvoll und verlangte nicht nur von den Interpreten sondern auch vom Publikum höchste Konzentration, da weder die Texte noch die musikalische Linie „einfach“ sind. Das ist schon jenseits des gemeinen Liedrepertoires einzuordnen.

Auch der dritte Liederzyklus mit den Texten von Rainer Maria Rilke in der Vertonung von Akos Banlaky entsprach dem Anspruch den dieser Liederabend an die Künstler wie auch die Zuhörer stellt. Hier kam die Schwermut der Rilketexte auch durch die grandiose Interpretation von Apostol Milenkov wunderschön zum  Tragen. Er wurde den musikalischen Herausforderungen sehr gerecht, verlangten doch die Lieder von dem Bassisten baritonale Höhen, wie auch tiefeste Töne die ein Bass zu singen vermag, ab. Dabei dann auch so wortdeutlich zu singen, verlangt dem Interpreten schon einiges am. Ich glaube so einige große Kollegen der Vergangenheit hätten sich an diesem Abend sehr erfreut gezeigt.

Man kennt Herrn Milenkov in Wien ja eher als Opernsänger und als großartigen Solisten der orthodoxen Kirchengesänge und würde ihn eher in der Welt eines Tschaikowski oder Rachmaninow verorten. Er hat an diesem Abend aber sehr schön bewiesen, dass er nicht nur die kirchenslawische Sprache beherrscht, er hat auch gezeigt, dass er sehr wohl anspruchsvolle deutsprachige Texte mit feinem Gespür interpretieren kann.

Für diejenigen Besucher die neugierig auf Neues abseits des gängigen Repertoires sind, ergibt sich die nächste Gelegenheit diese Liederzyklen live zu hören am Mittwoch dem 11. Mai 2022 um 19.00 Uhr  im Festsaal des Bezirksmuseum Josefstadt Schmidgasse 18, 1080 Wien. Das Konzert ist aber auch im Livestream auf YouTube zu erleben, sodass auch Interessierte außerhalb Wiens in den Genuss kommen können.

Dieses Konzert sowie das folgende sind ein Projekt des Vereins LILA SCHWAN.

Victoria Popov

 

 

Victoria Popov

 

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