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WIEN / Gloria Theater: HOTEL CHAOS

09.01.2012 | Theater

 

WIEN / Gloria Theater: 
HOTEL  CHAOS   von Pierre Chesnot
Premiere:  11. Jänner 2012, besucht wurde eine Voraufführung

Das ewige Boulevard-Thema: der Seitensprung. Der ist bekanntlich international. Wer weiß, wo das „Hotel Chaos“ von Pierre Chesnot im französischen Original stehen mag. Egal – für Österreich ergab sich die Möglichkeit, das Hotel nach Tirol zu transferieren. Und Gerald Pichowetz hat in seiner „Wiener Fassung“ des Stücks noch mehr getan: Er hat einen köstlichen Bundesländer-Mix geschaffen, mit all den Ressentiments, die man hierzulande gegeneinander empfindet und die ein bisschen boshaft, aber im großen und ganzen freundlich ausgetragen werden.

Nur so viel kurz: Das angebliche Hotel ist ein schnuckeliges Ferienhaus (folkloristische Bühne: Dietmar Matejcek), das ein Kärntner Ehepaar in Tirol besitzt. Der Gatte fährt Schiffchen am Wolfgangsee im Kreis, die Gattin betrügt ihn in Tirol mit einem Fernsehregisseur aus Wien. Als dessen Ehefrau so überraschend wie unerwünscht ankommt, muss das angebliche „Hotel“ aus dem Boden gestampft werden. Wie gut, dass die Gäste so flink eintrudeln – ein dümmliches Pärchen aus dem Burgenland, ein potentieller Selbstmörder aus der Steiermark, und wenn man auch nicht weiß, woher die Zirkusdame kommt, ihr Liebhaber ist jedenfalls Italiener… Eine kleine, vermutlich hier in Kufstein ortseigene Nutte spielt auch mit, obwohl sie nicht tirolert… aber alle anderen pflegen gekonnt ihren jeweiligen Bundesland-Zungenschlag.

Vielleicht ist aufgebotene Figurenfülle ein bisschen zu viel an Chaos und solcherart eine kleine Schwäche des Stücks. Die andere besteht darin, dass der Mann, um den sich in Floridsdorf – sprich: im Gloria Theater – alles dreht, hier einmal nicht die so zentrale, alles beherrschende Rolle bekommt, in der man ihn zu sehen gewohnt ist. Und nicht nur das: Gerald Pichowetz ist zwar sofort auf der Bühne, wenn der Vorhang aufgeht, aber man muss zweimal hinsehen, bevor man ihn erkennt. Er ist zwar noch immer kein „Schlanker“ nach landläufiger Beschreibung, aber nur die Hälfte von früher. Mit diesem Diätprogramm könnte er viel Geld machen – mit sich selbst als Beispiel. Natürlich hat er nichts an darstellerischer Überzeugungskraft eingebüßt, aber das in so viele Einzelszenen zerflatternde Stück gibt ihm nicht die üblichen Möglichkeiten, am laufenden Band zu brillieren.

Der Regisseur Pichowetz hält die Handlung am Laufen und hat sehr gut besetzt: Er tätigt seinen Seitensprung mit der hübschen Anna Sophie Krenn und stöhnt unter seiner lästigen Gattin Elisabeth Osterberger. Wenn Robert Notsch als der andere Ehemann auftaucht und man ihm weismacht, die Leute, die sich in seiner Villa tummeln, gehörten zu einer Fernsehserie, wird das sehr witzig. Unter den anderen Mitwirkenden hat Dagmar Truxa nicht die geschmackvollste, aber wirkungsvollste Rolle: Sie darf sich dauernd lautstark beschweren, dass es mit ihrem „Seitensprung“ nicht klappt (Fazit, zu brüllendem Gelächter des Publikums: „Da hätte ich gleich bei meinem Mann bleiben können!“), während Christian Rovny als der in seinem Stolz gekränkte Italiener immer wieder um eine neue Chance betteln muss… Witze unter der Gürtellinie funktionieren eben immer.

Schon die Voraufführungen sind überfüllt. Das Publikum hat die hundertprozentige Pichowetz-Garantie: Bei ihm kann man immer schallend lachen.

Renate Wagner

Bis 11.März 2012 am Spielplan

 

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