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WIEN/ Gesellschaft für Musiktheater: MARISA ALTMANN-ALTHAUSEN/Stephan Möller. „Geheimnis-hehr ertönt dein Lied….“

17.06.2015 | Konzert/Liederabende

Geheimnis-hehr ertönt dein Lied…

Gesellschaft für Musiktheater (9. Bez. Türkenstraße 19):

Marisa Altmann-Althausen (Mezzosopran) und Stephan Möller (Klavier) mit rarem Wagner-Brahms-Programm

Unbenannt
Stephan Möller, Marisa Altmann-Althausen. Foto: Herta Haider

Was bescheiden als „Liederabend“ angekündigt war, nahm schnell kosmische Dimensionen an. In einem kurzen Vorwort zu Richard Wagners „Klaviersonate für das Album von Frau M.W., AS-Dur, WWV 85“ kündigte der Pianist Stephan Möllerbereits an, dass es sich bei dieser Komposition aus dem Jahre 1853 um Vorstudien zu „Tristan und Isolde“ gehandelt haben könnte, denn es sei sehr viel Dramatik in diesem kurzen Stück.  Es beinhaltet quasi ein „Weißt du, wie das wird?“ mit geheimnisvollem Beginn, einer gewaltigen Steigerung in der Mitte und einem leisen Ausklang, dazu immer wieder melodiöse Ansätze und chromatische Crescendi. So spielte der hervorragende Künstler es auch.

Marisa Altmann-Althausen versuchte keineswegs, ihre Erda- und Fricka- Erfahrung zu verleugnen, führte ihre gewaltige Wagner-Stimme aber nicht als Selbstzweck spazieren, sondern schlug daraus kräftiges Interpretations-Kapital. Die 5 Wesendonck-Lieder  habe ich kaum je so aufregend gehört. Aus der dunklen Alt-Tiefe steigt geheimnisvoll das Engel-Bild im 1. Lied mit plastischer Text-Ton-Gestaltung auf. „Dass, wo brünstig mein Gebet einzig um Erlösung fleht…“ lässt Untiefen an Emotion ahnen.Das bewegte „Sausende, brausende Rad der Zeit“ straft zunächst den Titel „Stehe still“ Lügen, wenn dann die Sängerin almählich ihr ganzes breites Vokalspektrum öffnet, bis hinauf in die glänzend-metallischen Brünnhilden-Höhen, und die besungenen Gefühle mit Leidenschaft erfüllt, wenn Seele zu Seele gefunden hat, „erkennt der Mensch des Ewigen Spur“. Das ist vokal nur möglich, wenn der Stimme keine Grenzen gesetzt sind.Mathilde Wesendonckhat mit ihren Texten so hoch gegriffen wie Wagner mit seiner Musik. Das kommt beim Publikum nur dann entsprechend an, wenn man den Text durchgehend versteht und wenn er nicht nur durchdacht, sondern auch durchfühlt wird. Das gilt für die erregten Passagen ebenso wie ein sozusagen hörbares „Schweigens Dunkel“  oder der Träume leises „Sinken in die Gruft“, wofür eine schöne, substanzreiche  Alt- und Mezzostimme natürlich prädestiniert ist.

Marisa Altmann-Althausens Riesenstimme sprengte keineswegs den Rahmen des kleinen Konzertsaals, sondern sie füllte ihn, und der Applaus wollte nach diesen Wagner-Liedern kein Ende nehmen. Er gebührte ebenso dem Pianisten, dem die verinnerlichte „Tristan“-Dramatik offenbar genauso vertraut ist.

Der 2. Teil des Konzerts gehörte Johannes Brahms. Immer leiser wird mein Schlummer“ kam der hier aufgehellten Stimme ebenfalls entgegen. Die von Stephan Möller prächtig gespieltenDrei Intermezzi“ aus den Klavierstücken op.119waren die erfrischende Überleitung zu den 8 Zigeunerliedern“, bei denen die Sängerin von „He, Zigeuner, greife in die Saiten“ über die „Hochgetürmte Rimaflut“ und das bezaubernde, liebevolle „Wisst ihr, wann mein Kindchen ams schönsten ist“ bis zu den „Roten Abendwolken…am Horizont“ sich in der Darstellung der kontrastreichen Inhalte so richtig ausleben und alle stimmlichen Facetten einsetzen konnte.

Das begeisterte Publikum erklatschte sich neben zwei wiederholten Brahms-Liedern als Zugabe noch des Prinzen Orlofsky sehr glaubwürdige Aufforderung „Ich lade gern mir Gäste ein“, die sicher auch in sehr viel größerem Rahmen Erfolg hätte. Denn diese Sängerin, die in den letzten Jahren fast nur in Konzerten aufgetreten ist, gehört auf die Bühne!

Sieglinde Pfabigan

 

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