Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN/ Gesellschaft für Musiktheater: „ICH HAB‘ DEN WEIN SO GERN…Liederabend mit Werken von GERHARD JUSSENHOVEN

26.05.2016 | Konzert/Liederabende

Wien, 25. Mai 2016, Gesellschaft für Musiktheater

ICH HAB‘ DEN WEIN SO GERN ….  –  Liederabend mit Werken von GERHARD JUSSENHOVEN

Es ist immer wieder erfreulich, wenn Veranstalter nicht nur das sattsam bekannte Standard-Musikprogramm bieten, sondern auch Unbekanntes und zu Unrecht Vergessenes präsentieren. Umso höher ist es zu bewerten, wenn sich die international bestens reputierte Gesellschaft für Musiktheater, also ein seit Jahrzehnten fest im Wiener Kulturleben verankerter „Klassik-Tempel“, einen ganzen Abend lang dem hierzulande kaum bekannten Kölner Komponisten GERHARD JUSSENHOVEN (1911 – 2006) widmet. Mit seinem breitgefächerten Ouevre prägte Jussenhoven das Genre der gehobenen Unterhaltungsmusik in deren letzter Blütephase in der zweiten Hälfte des 2o. Jahrhunderts. Er schrieb mit der gleichen kompositorischen Selbstverständlichkeit Ohrwürmer wie den „Badewannen-Tango“ ebenso wie am romantischen Kunstlied orientierte Weinlieder und zündende Walzermelodien nach Wiener Vorbildern (E. Eysler, R. Stolz) sowie geschickt gearbeitete, heitere Instrumentalmusik. Leben und Werk des rheinischen Allrounders sind in CD-Editionen und in einer reich bebilderten Biografie von H.H. Fischer bestens erschlossen. Doch für das Wiener Publikum waren die meisten Melodien, die am Mittwoch, dem 25. Mai 2006, im Konzertsaal der Gesellschaft für Musiktheater erklangen, neu.

Unter dem Ehrenschutz und in Anwesenheit der Tochter des Komponisten, Frau Dr. Krista Jussenhoven, die aus Köln angereist war, boten THOMAS SCHMIDT (Tenor), LEE YOUNG KIM (Violine) und HANGIL KIM (Klavier) einen breiten Querschnitt durch das Schaffen des Rheinländers und erwiesen sich dabei als Musiker von beeindruckendem handwerklichen Können und außergewöhnlichem interpretatorischen Format. Egal ob bei den liedhaft – innigen Vortragsnummern (wie dem berührend – unsentimental gesungenen „Man müsste noch mal zwanzig sein“), den in weiten Bögen zu tenoralen Höhen ausschwingenden Walzerliedern, den frechen Swing-Schlagern (umwerfend komisch dargeboten etwa das Lied „Ich schlaf‘ bei jeder Oper ein“) oder den virtuosen, absolute sprachliche Perfektion verlangenden Auszügen aus Jussenhovens musikalischen Lustspielen „Cyprienne“ und „Eau de Cologne“ – der Sänger war überall gleichermaßen zuhause. Mit völlig selbstverständlich wirkender Gesangstechnik, müheloser Stimmführung und beispielhafter Bühnenartikulation führte THOMAS SCHMIDT durch die häufigen musikalischen Stilwechsel und vermittelte daneben in nonchalanten, pointierten Moderationen Wissenswertes über den Komponisten und sein musik- und sozialgeschichtliches Umfeld.

Mit HANGIL KIM stand ihm ein Pianist von außerordentlichem technischen Können und und tiefer Ausdruckskraft zur Seite, der die „klassische“ Anschlagkultur ebenso beherrschte wie den flinken Fingersatz der Swing-Nummern. Als Solist begeisterte der Koreaner mit Jussenhovens wohl reifstem Werk, dem harmonisch erstaunlich kühnen Konzertwalzer „Memoiren“. Bestes läßt sich auch von der Violinsolistin LEE YOUNG KIM berichten, die mit perfektem Bogenstrich (und ebensolchem Pizzicato), gepaart mit Spielfreude und Charme, die kammermusikalischen Kabinettstücke „Verliebtes Ständchen“ und „Konzert der Pfennigabsätze“ zu Gehör brachte.

Höhe- und Schlußpunkt des offiziellen Programms war die von allen drei Interpreten schwungvoll servierte Melodienfolge „Wein vom Rhein“, der sich heftig erklatschte Zugaben anschlossen. Es stellte sich der heutzutage seltene Fall ein, daß ein Konzertpublikum einhellig begeistert, beglückt und erfüllt von (rheinischer) Musik und Lebensfreude den Saal verläßt. Verständlich, daß von allen Seiten der Wunsch geäußert wurde, die drei sympathischen Künstlerpersönlichkeiten bald wieder auf dem Podium erleben zu können.

Manuela Miebach

 

 

 

 

 

Diese Seite drucken