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WIEN / Freie Bühne Wieden: METTERNICH

17.01.2018 | KRITIKEN, Theater

Metternich Hauser~1

WIEN / Freie Bühne Wieden:
METTERNICH von
Reinhard Hauser
Uraufführung
Premiere: 17. Jänner 2018

Wenn es um die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts geht, dann ist Klemens Wenzel Fürst Metternich eine der wichtigsten Persönlichkeiten des Zeitalters, „Statthalter“ Habsburgs, Antagonist Napoleons, keinesfalls erfolglos, einem zerrissenen Europa beim Wiener Kongress eine neue Struktur zu geben. Doch Metternich ist auch eine der umstrittensten Figuren der Zeit, der schon zu Lebzeiten wenig Sympathie genoß (es sei denn bei der holden Weiblichkeit) und in der Nachwelt vor allem als Schöpfer eines restriktiven Systems, von dem sich bis zur Stasi alle Geheimdienste etwas abkupfern konnten, einen äußerst schlechten Ruf genießt.

Wenn sich ein Schauspieler / Dramatiker / Regisseur wie Reinhard Hauser  nun Metternich für einen seiner One-Man-Abende vornimmt, darf er natürlich versuchen, einen positiven Blick auf den in allen Farben schillernden Mann zu werfen. Freilich geht er dabei ziemlich weit – da wird Metternich zum Vordenker der EU und zu einem engagierten Feministen, was trotz einschlägiger eigener Aussagen zweifellos übertrieben ist und wohl zu direkt-zeitgeistig in der Bemühung, ihn „heutig“ zu machen. Hingegen wird kein einziges Wort darüber verloren, wie er – mit seinem Spitzelsystem – Habsburgs Ruhe und Ordnung mit Gewalt erzwang, bis die Revolution von 1848 auch ihn wegfegte. Und das ist ja dann doch eine eher schiefe Optik.

Das Stück zeigt den alten Metternich in einem undefinierbaren Raum, den er ausräumt – alte Bücher, alte Bilder, ein guter Vorwand, sich an manches zu erinnern. Wo er sich gerade befindet, ob im englischen Exil oder wo immer, wird dabei nicht klar gemacht. Und im übrigen setzt der Monolog sehr viele Kenntnisse von Metternichs Leben voraus, da Hauser als Autor in seinen Angaben über Privates und auch Politisches eher vage bleibt. Da sprudelt allerlei durcheinander, originale Metternich-Zitate plus Zurechtgebogenes, aber weder Leistung und Bedeutung noch die Fragwürdigkeit des Mannes werden völlig plastisch.

Mit dem Heine-Gedicht über die Hinrichtung Marie Antoinettes soll zu Beginn Metternichs lebenslanger Widerstand gegen jegliche Revolution erklärt werden – ein etwas schwieriger Einstieg ist es doch. Und das Ende hängt überhaupt in der Luft – Abgang mit der Hoffnung auf ein Vereintes Europa? Über ein maximal friedliches Europa konnte man damals, als alle Nationalstaaten noch blühten, nicht hinaus denken.

Reinhard Hauser hat sich in der Freien Bühne Wieden schon in manche historische Figur verwandelt (am überzeugendsten in Ludwig Wittgenstein), nun ist er der Staatskanzler in Ruhe, eher plaudernd als dozierend, manchmal sprachlich zu „locker“, Darsteller und Stück können etwas Präzision vertragen.

Das Publikum zeigte sich von dem pausenlosen Eineinhalbstunden-Monolog (allemale eine Leistung) beeindruckt, obwohl man nicht so viel von Metternich erfahren hat, wie es zu hoffen gewesen wäre.

Renate Wagner

 

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