Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN / Freie Bühne Wieden: AFFINITÄTEN

17.10.2018 | KRITIKEN, Theater

 
Fotos: Freie Bühne Wieden

WIEN / Freie Bühne Wieden:
AFFINITÄTEN – ROMY SCHNEIDER UND HELMUT BERGER von René Rumpold
Uraufführung: 16. Oktober 2018,
besucht wurde die zweite Vorstellung am 17. Oktober 2018

Multitalent René Rumpold, sattelfest als Sänger wie als Schauspieler, spürt als Autor gerne den großen Schicksalen nach. Die Piaf, die Dietrich, die Mercouri hat er schon auf die Bühne gebracht. Nun ist es Romy Schneider (1938-1982), aber nicht Romy allein, sondern dazu noch ihr Landsmann Helmut Berger (*1944).

1972 standen sie gemeinsam in der Regie von Luchino Visconti für dessen opulentes Epos „Ludwig II.“ vor der Kamera. Rumpold nützt das, um die beiden gemeinsam in einer Garderobe zu zeigen (nicht sehr wahrscheinlich, aber es macht nichts), wo sie ihre Seelenschmerzen abarbeiten können. Sie hatten tatsächlich einiges gemeinsam, waren Menschen, die „auf der Leinwand alles“ und im Leben nichts konnten. Beide haben persönliche Beziehungen immer in den Sand gesetzt, von beiden weiß man genug Biographisches, um die Zerrissenheit ihrer Seelen nachzuvollziehen…

Und außerdem waren sie natürlich zickige Stars, die auf einander losgehen. Romy, die Schauspielertochter mit der Karriere seit ihren frühen Teenager-Tagen, mit ihrem ewigen Gejammere über ihr „Sissi“-Image – und jetzt wieder die Kaiserin Elisabeth spielend. Berger, der Ischler Hotelierssohn, für den die Stunde schlug, als Visconti den 20jährigen zum Gefährten (auf Zeit) nahm, ihn mit „Die Verdammten“ berühmt machte und ihn nun, als König Ludwig II., in die Filmgeschichte einschrieb. Und dennoch hat die Welt in diesem damals so schönen Helmut Berger oft nur den Strichjungen gesehen…

Drollig übrigens, dass beide Stars, doch ziemlich erwachsen, noch fast demütig mit ihren Müttern telefonieren, Romy das Hascherl, das Magdas Fuchtel nie wirklich entgangen war, Helmut der Ärgerliche, der kein Hotelier in Ischl werden wollte und sich deshalb die Vorwürfe der Mama anhören muss…

Der eineinhalbstündige Abend, der einige Kenntnisse der Biographien voraussetzt (Romy hat auch noch Szenen mit Orson Welles und ihrem Gatten Harry Meyen), ist inhaltlich nicht allzu reichhaltig. Die beiden schreien sich an und offenbaren ihre waidwunden Seelen. Beide trinken zu viel und nehmen Medikamente. Die Handlung springt, mal ist Romy schon tot und Helmut erinnert sich an sie, dann ist man wieder in der Garderobe. Aber Theater ist eben kein Doku-Medium, und so richtig unter die Haut geht die Sache nicht.

Ausreichend interessant für das Publikum ist sie doch – Romy, die heuer 80 wäre (daran will man nicht denken, jung gestorben, immer jung und schön in der Erinnerung), kennt noch jeder. Berger, der sich selbst weitgehend zugrunde gerichtet hat, ist 74 und schafft es noch gelegentlich in die Schlagzeilen – neulich sogar, aber das spricht das Stück nicht an, mit seinem Auftreten in der Berliner Volksbühne…

Viele haben Romy Schneider gespielt, auf der Bühne, zuletzt im Fernsehen (Jessica Schwarz) und im Film (glänzend Marie Bäumer). Michaela Ehrenstein versucht gar keine Ähnlichkeiten zu finden und auszuspielen, sie ist einfach das hektische, permanent unglückliche und unzufriedene  Seelchen. René Rumpold hat dem Helmut Berger mehr Suff-Action und Ausbrüche gegeben und genießt sie (manchmal wie das Original klingend), nicht ohne die inneren Schwankungen tragisch zu schattieren. Regisseur Reinhard Hauser hat die beiden in einen typischen Garderoberaum gestellt und im übrigen ganz auf die Darsteller gesetzt.

Das Publikum war an diesen  „larger than life“-Persönlichkeiten sehr interessiert.

Renate Wagner

Weitere Vorstellungen: 18/19/20. Oktober, 23/24/25/26/27. Oktober, 30/31. Oktober und 5. und 6. November2018

 

Diese Seite drucken