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WIEN / Freie Bühne Wieden: 5 MÄNNER

23.04.2019 | KRITIKEN, Theater

 
Foto: Freie Bühne Wieden

WIEN / Freie Bühne Wieden:
5 MÄNNER von Gabriel Barylli
Uraufführung
Premiere: 23. April 2019,
besucht wurde die Generalprobe

Mit drei Männern („Butterbrot“) haben die Theatertriumphe von Gabriel Barylli einst begonnen. Das war 1988, der Autor war damals gerade über 30 Jahre alt. 31 Jahre später braucht er fünf Männer, um sein altes Thema abzuhandeln: Wie geht man mit den Frauen um?

In seinem luxuriösen orientalischen Salon (den Bühnenbildner Martin Gesslbauer am Uraufführungsort, der Freien Bühne Wieden, aufgebaut hat) begegnet man zuerst Manuel, einem Regisseur mittleren Alters, von dem man später erfährt, dass seine Frau ihn mit einem Jüngeren verlassen hat. Seither hat er sich als Alternative in die Arbeit gestürzt, und wer – eben erst – „Romeo und Julia“ inszeniert hat oder nun „Faust“ vorbereitet, landet leicht und locker bei den tiefen Sinnfragen des Menschen: Das ist mindestens so anstrengend wie Beziehungsprobleme, und Darsteller Marcus Strahl spielt lustvoll vor, wie sehr einen das Existenzielle beuteln kann…

Dann erscheint sein väterlicher Freund Friedrich (Rudi Larsen in der darstellerisch überzeugendsten Leistung des Abends), der so souverän in sich ruht wie nur ein Mann, der auf ein erfolgreiches Leben zurückblickt und weiß, dass man alles nicht so ernst nehmen darf.

Zur Sache geht es mit dem Auftritt von Robert, dessen Beruf nicht weiter definiert wird. Dafür darf Leopold Dallinger jetzt endlich das wahre Thema ansprechen. Barylli ist alt genug geworden, um das Thema Mann-Frau jetzt in Richtung Familie zu verschieben. Was geschieht, wenn die Frau – die Damen haben schließlich ihre Freiheit heutzutage – den Kinderwunsch einfach nicht zu erfüllen gewillt ist?

Und was kann passieren, wenn man sich tagtäglich für Frau und drei Kinder abstrampelt und dann vor die Tür gesetzt wird? Man versteht schon, dass der vierte Mann des Abends, Martin (Markus Schramm), da ziemlich tobsüchtig wird. Kurz gesagt, man hat’s nicht leicht.

Der fünfte Mann aber vergleichsweise schon. Denn der sympathische Suleiman (Tavakoli Suleinman), der das orientalische Abendessen serviert, hat an den demütigen Frauen seiner Gesellschaftsordnung offenbar nichts auszusetzen. Und die westlichen Herren, die eigentlich die allgemeine Freiheit verteidigen sollten, fänden es schon kräfteschonender, wenn die Frauen hierzulande nicht dermaßen ihren eigenen Willen haben dürften… Aber nein, ganz so ist es natürlich auch nicht.

Dass bei einer solchen Diskussion, wo die allgemeinen Argumente hin- und herjongliert werden (da gibt es Fakten, da gibt es Erkenntnisse, und da gibt es auch viel heiße Luft), nichts wirklich herauskommen kann, ist klar. Gabriel Barylli inszeniert seinen Boulevard stimmig mit vielen amüsanten Schlaglichtern, ob die Herren sentimental „Falling in Love with you“ singen oder ob sie versuchen, ob eine gute Havanna nicht eine Alternative zu Beziehungskümmernissen darstellen könnte…

Am Ende verdrückt sich einer nach dem anderen, und der Regisseur bleibt allein zurück, der nach Goethe so klug ist als wie zuvor und in ein Alkmene’sches „Ach“ ausbricht. Und wie immer lässt man, zumal als Frau, die Barylli-Männer mit ihren wehleidigen Kümmernissen lächelnd zurück.

Renate Wagner

Vorstellungen 23/24/25/26/27/ 30. April und 1/2/3/4 7/8/9/10/11. Mai, 19.30

 

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