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WIEN/ Festwochen im Museumsquartier: EINSTEIN…sanft schlummernd on the Beach

11.06.2022 | Oper in Österreich

Wiener Festwochen: EINSTEIN …  sanft schlummernd on the Beach (10.6.2022)

höhn
Foto: Ingo Höhn

„EINSTEIN on the Beach“: Eine Produktion des Theaters Basel als aufwendiges Gastspiel an zwei Abenden bei den Wiener Festwochen im Museumsquartier zu sehen. Ein Kultstück damals nach der Uraufführung 1976 in Avignon. Von Robert Wilson erdacht, von Philip Glass mit seinem endlosen Monotonsound pausenlos viereinhalb Stunden untermalt. Jetzt vom Basler Team (Regie: Susanne Kennedy) neu interpretiert und auf dreieinhalb Stunden zurecht gestutzt. Dieser Avantgarde-Bestseller vor beinahe einem halben Jahrhundert wirkt durch seine Nonsens-Chuzpe nach wie vor irgendwie frisch – wohl eher für ein lockeres Publikum: freie Platzwahl in einer begehbaren Installation; und dazu so eine gewisse Neugierde, was hier auf einen zukommen könnte. Auch auf der Drehbühne mitten unter den gleichförmig singenden sowie stoisch herum stehenden wie wandelnden oder zuckenden und als undefinierbare Avatare verkleideten Mitwirkenden darf Platz genommen werden. Flucht aus dem Saal wegen anhaltender Langeweile ist jederzeit unbefangen möglich.

Rasch aufgekommene Fadesse? Wer sich in dieses immens in die Länge gezogene, meist flatterig klingende wie handlungslose Spektakel mit sich wiederholenden fließenden Videoprojektionen in bunt aufgetragenen, eher kitschigen Farbe zu versenken vermag, könnte durchaus zu seinem individuellen Erlebnis kommen. Sonst, für viele vorzeitig flüchtende Enttäuschte: Der Abend wird sich wohl als ‚Einstein sanft schlummernd on the Beach‘ in der Erinnerung einprägen. Denn das kleine singende und musizierende Ensemble, von Synthesizern mit Riesenkraft versehen, kommt aus seinem unermüdlichen gleichförmigen Gedudel, Getöse, Gesums, Geklingel, Gesurre nicht heraus. In einigen Momenten der stereotypen Passagen lassen aparte Harmonien doch aufhorchen.

Handlung? Rituale und feierlich demonstrierte Miniaktionen; sich gewichtig gebende doch bloß flapsige Rezitation; ein Ziegenbock wird sinnlos herumgeführt; gegen Ende wird auch um eine Tote getrauert. Ist eine Beziehung zu Physiker Einstein gegeben? Keine – allerdings, er ist auch Violinist gewesen. Somit spaziert ein aufspielender Geiger mehrmals durch das bereits voll mit sitzenden, hockenden Besuchern gefüllte und sich drehende Beach- wie Kultraum–Ambiente. Eine offensichtliche Aussage in den vier endlosen Akten mit all den unendlichen Repetitionen? Nichts zu merken, nichts dahinter. Doch als ein extravagantes Phantasiespiel aus früheren Avantgarde-Jahren ist dieses Spektakel immerhin zu akzeptieren.

Meinhard Rüdenauer

 

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