Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

Wien/ Festssaal Gatterburggasse/ Merker-Kunstsalon: PUCCINI versus LEHÁR

21.03.2019 | Konzert/Liederabende


Anna Ryan, Stefan Reichmmann. Foto: Herta Haider

Der Neue MERKER –KUNSTSALON 19.3.2019 :  PUCCINI versus LEHÁR

Elena Habermann betreibt das Geschäft einer Impressaria – quasi als Steckenpferd! Ihr Merker Kunstsalon im Döblinger Cottage im Amtshaus in der Gatterburggasse 14 floriert beim Publikum. Weil, es bekommt Unbekanntes und Unerhörtes vorgesetzt, wie eben diesmal, bei der Koppelung eines Verismo-Genie – wie Giacomo Puccini – mit Franz Lehár, dem unangefochtenem Operetten-Fürsten der Silbernen Ära!

Die wenigsten Musikfreunde sind überrascht, wenn sie Puccinis „Chrisantemi“ hören, sie kennen das Thema ja aus der „Manon Lescaut“. Doch liegt es bereits viel länger zurück in des Komponisten Vorzeit, als er sich noch als Kirchenkomponist erprobte. In seinem „Intermezzo“, vom ehemaligen Konzertmeister der Wiener Philharmoniker, Prof. Erich Binder gespielt, jubilierte dessen Geige in den höchsten Tönen. Auch der einleitende „Piccolo Valzer“ für Klavier, in dem sich Manfred Schiebel präsentierte, war lange zuvor komponiert worden, ehe Puccini ihn seiner Musetta in „La Boheme“ auf den Leib schrieb. In die „Niederungen“ der damaligen Tanzmusik begab sich der Komponist beim „Piccolo Tango für Klavier“. Sein weiteres kleines „Albumblatt“ für Klavier war zu hören als „Foglio d‘ Album“.


Erich Binder, Manfred Schiebel, Anna Ryan, Stefan Reichmann. Foto: Herta Haider

Dem Operetten-Komponisten Franz Lehár, wurden oft und gerne „Puccinismen“ vorgeworfen (siehe am Ende) – in seiner Operette „Land des Lächelns“ durfte er sich wohlig mit solchen ausbreiten. Sein „Paganini“ dagegen war schon zu Lebzeiten ein echter Teufels-Geiger. Und Erich Binder, gab mit der „Melodie für Violine“, ein virtuoses Dolcissimi zum Besten und machte Staunen, wie hoch er die Töne auf Lerchen-Art himmelwärts emporschrauben konnte.

Kaum zu glauben, Lehár hat außerdem eine Fantasie für Tenor mit dem Titel „Fieber“ geschrieben – eine echte Kuriosität! Stefan Reichmann befaßte sich mit dieser Vision eines Sterbenden, der sogar halluzinierend den Radetzkymarsch hört und an ihm als Geist vorüberzieht.

Die menschliche Stimme kam zu ihrem vollen Recht, als Anna Ryan sich mit einigen Puccini- Arien päsentierte. Fast unglaublich: dieser leuchtende, irisierende Sopran mit seinen vielen Farben und Nuancen wurde weder am Ring noch am Gürtel von den Herrn Direktoren je zur Kenntnis genommen. (Dabei reicht Ryans dramatische Spannweite bis zur Aida, Turandot oder Marschallin, in der Neuen Oper Bratislava z.B. konnte sie mit ersterer, in Stralsund mit allen dreien überzeugen!) Ryan war eine innige Mimi, eine beseelte Suor Angelica, ergreifend mit ihrem „senza Mamma“. Sie kann die Lebensgier der Manon „In quelle trine morbide“ und ihr trauriges Sterben bei „Sola perduta“ ausdrücken, ohne zu histrionischen Effekten zu greifen. Anna Ryan KANN auch Operette, „und in dem Wie, da liegt der ganze Unterschied!“

Sie würde an der Volksoper, wo es heutzutage gerne für das leichte Schwere heißt – „manca la Diva“ jede einzelne der derzeitig ansässigen Operetten-Königinnen spielend in die Tasche stecken…Beim den Abend abschließenden „Lippen schweigen“-Duett sekundierte ihr galant der Tenor Reichmann. Eine derartige Hanna Glawari müßte sogar im Rund der Seefestspiele Mörbisch reüssieren, durch noble elegante Erscheinung, berückendes Timbre und Aplomb.

 

  1. Noch einmal zurück zu „Puccinismen“ bei Lehár. Spielend wäre es sich ausgegangen, das Finale der Turandot mithilfe von Meister Lehars Künsten zu vervollständigen. Puccini starb 1924, Lehár lebte noch 24 Jahre länger. Man darf gar nicht daran denken, wie respektvoll aber hymnisch rauschhaft es Lehár gemacht haben könnte. (Das Ergebnis wäre gewiß nicht so schülerhaft ausgefallen, wie es der Trau-mich-nicht Franco Alfano schlußendlich dann doch verbockt hatte!)

    Norbert A.Weinberger

 

Diese Seite drucken