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WIEN/ Festssaal Gatterburggasse/ Merker-Kunstsalon: HEITERES BELCANTO

22.02.2017 | Konzert/Liederabende

WIEN / Festsaal Gatterburggasse: „Heiteres Belcanto“ im MERKER-Kunstsalon am 21.02.2017

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Apostol Milenkov, Manfred Schiebel, Neivi Martinez, Michael Fischer und Erich Binder. Foto: Herta Haider

Wieder einmal hatte die Prinzipalin im Vorfeld nichts zu lachen. Die Witterung und der Probenplan der Wiener Staatsoper sorgten für Turbulenzen bei der Besetzung. Pablo Cameselle wurde Opfer eines bakteriellen Angriffs, der seine Stimmlage zum Satchmo-Bariton verschob; Jinxu Xiahou war in der Staatsoper unabkömmlich – also erlebten wir ein tenorloses Konzert, das in letzter Minute vom jungen Bariton Michael Fischer gerettet wurde.

Besonders eindrucksvoll präsentierte sich diesmal Manfred Schiebel am Klavier. Nicht nur als gewohnt einfühlsamer Sängerbegleiter, sondern auch im kammermusikalischen Duo – gemeinsam mit dem Vollblutmusiker Erich Binder mit der Violine – zauberte er eine Fantasie nach Motiven des „Barbiere di Siviglia“ in einem Arrangement von Jean Baptiste Singelee.

Apostol Milenkov erwies sich wieder einmal als Fels in der Brandung des Umbesetzungssturmes und erfreute uns mit seinem mächtigen, schön klingenden Bass. Er eröffnete mit der Arie des Basilio aus dem „Barbiere“ und war in der Folge als Bartolo (Le nozze di Figaro) und als Mustafa (L’Italiana in Algeri) zu hören. Gemeinsam mit der „Debutantin“ Neivi Martinez gestaltete er eine „halbszenische“ Version des Duettes Figaro – Susanna aus  Le nozze und beide stellten ihre Spielfreude und ihr komödiantisches Talent sehr unterhaltsam unter Beweis. Darüber hinaus war die junge, mexikanische Sopranistin für Bellini zuständig und sang die Arie der Giulietta (I Capuletti e i Montecci), Come per me sereno der Amina (La sonnambula) und Qui la voce sua soave der Elvira (I Puritani). Ihre technisch gut geführte Stimme klang auch unter den schwierigen Bedingungen des Festsaales angenehm und nie unangenehm schrill. Wir würden sie gerne wieder hören!

Michael Fischer – der Retter des Abends – überzeugte mit einem anspruchsvollen Programm. Die Arie des Malatesta aus Don Pasquale, Rivolgete a lui lo sguardo des Guglielmo aus Cosi fan tutte, Come Paride vezzoso des Belcore aus L’elisir d’amore und die Arie des Valentin aus Gounods Faust waren die für einen Einspringer – der allerdings den Einspringerbonus nicht benötigte – eine beeindruckende Auswahl. Dass der junge Bariton nebst einer klaren, technisch guten Stimme noch blendend aussieht, kam ihm besonders bei der Zugabe, bei der er die bildhübsche Sopranistin „auf sein Schloss führte“ sehr zugute. Nicht nur ein Ohren-, sondern auch ein Augenschmaus!

Wieder einmal müssen wir die Nerven und das Organisationstalent von Elena Habermann bewundern – es ist trotz aller Widrigkeiten eine sehr unterhaltsame Veranstaltung geworden.

Maria und Johann Jahnas

 

 

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