Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN/ Festsaal Gatterburggasse: MACBETH – beglückender Verdi-Gesang im „Merker-Kunstsalon“

11.11.2014 | Allgemein, Oper

Wiener Konzerte:  10.11.2014, Merker-Kunstsalon: „MACBETH“ – Beglückender Verdi-Gesang


Alik Abdukayumov, Anna Ryan. Foto: Peter Skorepa

„Macbeth“ ist eine grausame Geschichte von Machtgier und Massenmord, von Hexenglauben und den Halluzinationen einer Verbrecherin. Aber nicht das ist es, was uns das Shakespeare-Drama und die Verdi-Vertonung so lieb und wert macht, sondern das, was Dichter und Komponist zusätzlich zur puren „Story“ erfunden haben: das Dichterwort und die Töne, die auch das Unmenschliche begreifbar und menschlich ergreifend machen. Dazu bedarf es freilich bedeutender nachschöpferischer Künstler. Dass solche im kleinen Festsaal des Döblinger Bezirksamtes auftreten (und nicht immer in der Staats- und Volksoper), mag Außenstehende überraschen, ist aber Tatsache. Die Schöpferin des Merker-Kunstsalons, Elena Habermann, findet sie immer wieder, und sie kommen gerne. Ebenso ein Publikum, bestehend aus geeichten Opernfans, die sich nach dem Konzert vielleicht auch gerne einmal mit den Künstlern an einen Tisch setzen.

Sagt Ihnen, liebe Opernfreunde, der Name Alik Abdukayumov etwas?  Im „Merker“ gab es anlässlich seiner Volksopernauftritte schon einmal ein Interview mit dem erst 32 Jahre jungen  Bariton aus Usbekistan (s. Heft Mai 2014), dessen Hauptstationen in den letzten Jahren Graz und Linz, Budapest und Weimar waren, mit einem Repertoire von Vater Germont bis Sharpless, von Valentin bis Leporello und Figaro, von Ford bis Conte di Luna, Marcello, Escamillo, Kothner und Heerrufer…Wer ihn jetzt als Macbeth gehört, nein, erlebt hat, dem haben sich Name, Gesicht und Stimme für immer eingeprägt. (Dass der promovierte Germanist perfekt und völlig akzentfrei Deutsch spricht, sei nur nebenbei erwähnt.) Nicht Grauen packt einen vor diesem Macbeth, sondern Mitgefühl. Sein kraftvoller Bariton ist so schön, so edel, so klar und profund, seine Verdi-Phrasierung und perfekte italienische Diktion purer Genuss und seine Gabe, sich mit dem Gesungenen zu identifizieren, unübersehbar. Jeder Ton, jedes Wort prägt sich ein – und wir erleben ein Menschenschicksal. „Pietà, rispetto, amore“ – ja, so muss ein Macbeth klingen, damit man ihm das gönnt, trotz der begangenen Untaten. Die werden freilich leichter verständlich, wenn die Lady so verführerisch aussieht und so raffiniert singt wie Anna Ryan. Es gibt kaum etwas, was die armenische Sopranistin mit österreichischer Staatsbürgerschaft nicht singen kann – ihre Rollenidentifikation und die schlanke, helle, perfekt geführte Stimme mit topsicherer Höhe beeindruckt immer wieder. Die beiden wurden für jede Gesangsnummer mit einem Bravo-/-v a- und -vi-Chor bedankt!

Ein richtig dunkler, sonorer Bass, dessen Timbre allein schon das dunkle Schicksal des Banquo glauben macht bzw. ahnen lässt, stand mit Apostol Milenkov ebenfalls zur Verfügung. Ebenso wie sich die Lady am Hexen-Trio beteiligte, trat der Bassist auch als Arzt und „Erscheinung“ auf. Hanna Mitani war Dame der Lady und 1. Hexe, ihr 9-jähriges Töchterchen Hanna ein bezauberndes 2. Hexlein (wo in der Regel Knaben zum Einsatz kommen). Und direkt von der Volksoper kam der Tenor Vincent Schirrmacher, der mit seinem interessanten Timbre und glänzender Höhe dem klagenden Macduff seine Stimme gab. Am Flügel: virtuos und hochdramatisch: Pavel Kachnov.      
 Sieglinde Pfabigan

 

 

Diese Seite drucken