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WIEN / Dommuseum: DAS KREUZ IN DER BILDHAUEREI

05.03.2012 | Ausstellungen

                                

Fotos: Wesemann

WIEN / Dommuseum:
DAS KREUZ IN DER BILDHAUEREI
Symbol Religion Mythos
Vom 6. März 2012 bis zum 25. Mai 2012  

Ein Symbol als künstlerische Herausforderung

Das Kreuz gilt als Symbol des Christentums, basierend auf einem römischen Hinrichtungsgerät. Das ist zumindest die simpelste Erklärung. Historisch kann man unendlich viel darüber hinaus interpretieren, aber in der Ausstellung des Dommuseums Wien geht es vor allem um die Herausforderung, die dieses weltweit bekannte (und vielfach abgewandelte) Symbol für Künstler unserer Zeit bedeutete. Vor der anstehenden Renovierungspause kann man sich noch ausführlich in dieses Thema vertiefen.

Von Heiner Wesemann

Das Dommuseum      Das Dommuseum (vollständig: das Erzbischöfliche Dom-und Diözesanmuseum Wien), tatsächlich direkt am Platz neben dem Stephansdom im Durchgang Wollzeile gelegen, zählt vielleicht nicht zu den berühmtesten und meist besuchten Wiens, ist aber eine wahre Schatzkammer. Bemerkenswert nicht nur wegen der „religiösen“ Schätze aus vielen Jahrhunderten: Hier findet sich auch eines der wichtigsten Objekte der österreichischen Geschichte, nämlich jenes Bildnis von Herzog Rudolf IV., jener Habsburger, der als „Rudolf der Stifter“ in die Geschichte einging, da er die Wiener Universität begründete. Er ist in jenem Stephansdom begraben, dessen Weiterbau er nach Kräften förderte. Sein Antlitz gilt als das älteste bekannte Porträt des Abendlandes. Es wird nach der Beendigung der gegenwärtigen „Kreuz“-Ausstellung für längere Zeit nicht zu sehen sein, da ab dem 26. Mai 2012 eine Schließung zwecks ausführlicher Renovierung des Museums ansteht (man hält bis zu eineinhalb Jahre für möglich).

Das Kreuz als Symbol        Das Kreuz, das ja nicht zuletzt eine elementare geometrische Form darstellt, die in die vier Himmelsrichtungen verweist, ist lange vor dem Christentum schon in Höhlenmalerei gefunden worden. Im 20. Jahrhundert hat es als Variation des „Hakenkreuzes“ eine politische Nachhaltigkeit erhalten, die es in der ursprünglichen „Swastika“-Funktion (die vor allem im Buddhismus eine große Rolle spielte) nicht erhielt. Jesus Christus starb auf einem Kreuz wie zahllose andere Opfer römischer „Gerichtsbarkeit“: Mit dem Konzil von Ephesos hat die katholische Kirche das Kreuz im Jahr 431 zum Emblem des Christentums gemacht.

Die Ausstellung      Nicht historische Darstellungen von Christus am Kreuz, von denen es wohl mehr gibt, als man zählen und erfassen könnte, stehen im Mittelpunkt der Ausstellung, die das Dommuseum von der NöART übernommen hat. Vielmehr beweist man mit rund 60 Stücken (vor allem Skulpturen, aber auch Aquarelle, Objekte und Fotos), wie sehr das Kreuz auch heute noch Anregung für künstlerische Darstellung bietet. Man hat vor allem österreichische Künstler gewählt. Dabei setzte Kuratorin Dagmar Chobot (Besitzerin einer Galerie in der Domgasse mit entsprechendem Schwerpunkt) gleicherweise auf große Namen wie auf junge Künstler (der jüngste ist 35). Dem Alphabet nach aufgezählt, sind Wander Bertoni, Gottfried Ecker, Joachim Lothar Gartner, Alfred Haberpointner, Anton Hanak, Oskar Höfinger, Alfred Hrdlicka, Talos Kedl, Vadim Kosmatschof, Ruudt Peters, Josef Pillhofer, Markus Redl, Johann Rindler, Martin Schrampf, Martin Seidenschwann und Robert Weber vertreten.

  

Martin Seidenschwann                                                      Markus Redl

 Materialien und Formen    Man staunt bei der Besichtigung der Ausstellung, in wie vielen Variationen das Thema „Kreuz“ sich darstellen lässt, wobei auch die Materialien mitspielen: verschiedene Holzsorten, Metalle aller Art, Kupfer, Bronze, Aluminium, aber auch Papiermaché – oder Marmor (ein wie bedrohlich wirkender Kopf von Markus Redl – so schwer, dass er liegen muss). Bei Anton Hanak ist der „Letzte Mensch“, der gebeugt, mit ausgebreiteten Armen da steht, das Kreuzessymbol schlechthin. Wander Bertoni schuf „Vortragekreuze“, die noch entfernt an klassische Stücke aus Schatzkammern erinnern. Besonders verblüffen die in Kreuzform geteilten Köpfe von Alfred Haberpointner. Martin Seidenschwann hat vielfach den berühmten „Berg der Kreuze“ in Litauen fotografiert, der ja – wie jeder weiß, der dort selbst herumspaziert ist – spektakuläre Ansichten sonder Zahl bietet.

 Schwerpunkt Hrdlicka    Alfred Hrdlicka (1928-2009), lange Zeit bekennender Kommunist und als lustvoller Bürgerschreck gewiss nicht unter die braven Katholiken einzuordnen, hat sich immer wieder mit religiöser Problematik auseinander gesetzt. Er schuf für das Grab seiner Eltern selbst ein Kreuz, desgleichen für eine Gedenkbüste für die im Nationalsozialismus hingerichtete Schwester Restituta, das er in Kreuzform hielt. Die Ausstellung zeigt von ihm ein Bronzekruzifix, in dem der Gekreuzigte selbst das Kreuz darstellt, sowie das suggestive Aquarell „Gekreuzigter mit roten Schuhen“, weiters – ebenfalls Aquarelle – einen Gekreuzigten in seitlicher Ansicht, eine Kreuzigungsgruppe in Rot und eine Golgatha-Radierung, die er als Hommage an Lucas Cranach gestaltete.

 Dommuseum Wien, Stephansplatz 6:
Das Kreuz in der Bildhauerei. Geöffnet Dienstag bis Samstag 10 bis 18 Uhr, (Di bis 20 Uhr).
An Feiertagen – einschließlich kirchlichen – geschlossen.

Kombiticket mit Klosterneuburg: Den Babenberger Markgrafen Leopold III. (1073 – 1136) und den Habsburger Herzog Rudolf IV. (1339 – 1365) verbinden das Stift Klosterneuburg und das Dommuseum in Wien. Ab sofort gibt es daher eine spezielle Eintrittskarte, die den Besuch beider Häuser ermöglicht.

 

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