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WIEN/ Die Met im Kino: COSÌ FAN TUTTE

26.04.2014 | KRITIKEN, Oper

WIEN/ NEW YORK / Die Met im Kino:  COSÌ FAN TUTTE – 26.4.2014

Ein weiterer Höhepunkt der MET-Saison fand gestern statt. Chefdirigent James Levine dirigierte eine seiner Lieblingsopern mit großem Einsatz und viel Gespür für diese kostbare Musik. Das Orchester blühte – wie fast immer – unter seiner Leitung auf und zeigte sich von seiner besten Seite. Der Mozartklang war zwar durch die technischen Gegebenheiten nicht hör- aber doch fühlbar. Die Inszenierung von Leslie Koenig und das Bühnenbild und die Kostüme von Michael Yeargan boten einen sehr passenden Rahmen für diese kammerspielartige Oper. Auch die Personenführung war gut und die Akteure konnten großteils auch als Schauspieler reüssieren.

Mit Susanna Phillips stand eine Fiordiligi der Sonderklasse auf der Bühne. Ihr kräftiger und klangschöner Sopran konnte in allen Registern vollauf überzeugen. Auch Isabel Leonard konnte als Dorabella sehr gut gefallen, in den tieferen Lagen besser als in der Höhe. Die quirlige Danielle de Niese erinnerte in Gestik und Gesang der legendären Reri Grist, viel lebendiger kann man diese Rolle wohl nicht interpretieren. Erstaunlich mozartsicher präsentierte sich Matthew Polenzani als Ferrando. Man kennt ihn ja aus dem Belcanto-Fach Donizetti/Verdi als ausgezeichneten Interpreten, aber dass er mit seiner wunderbaren Stimme auch in dieser Rolle brillieren würde, war doch überraschend. Als Spezialist für junge Tolpatsche (Nemorino, Ernesto) passte in die Rolle aber ganz hervorragend. Nicht ganz so klangschön wurde der zweite Held, Gugliemo von Rodion Pogossov gesungen. Seine etwas raue Stimme entsprach nicht gerade dem Idealbild eines Mozart-Sängers. Dennoch war seine Darstellung recht gekonnt selbstironisch. Maurizio Muraro als Don Alfonso komplettierte das Sextett. Stimmlich nicht eben überwältigend, konnte er aber als komödiantischer Intrigant doch überzeugen.

Ein wunderbarer Mozart-Abend, der erstaunlicherweise nicht alle Plätze im Kino füllen konnte. Muss unbedingt ein Mega-Star in einer der Top-50-Opern zu sehen sein?  

Johannes Marksteiner

 

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