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WIEN / Burgtheater-Vestibül: YELLOW MOON

07.05.2012 | Theater

Sophie Christine Behnke  (Foto: Barbara Zeininger)

WIEN / Vestibül des Burgtheaters:
YELLOW MOON – DIE BALLADE VON LEILA UND LEE von David Greig
Premiere: 6. Mai 2012,
besucht wurde die Vorstellung vom 7. Mai 2012 

Schon einmal hat das Burgtheater ein Stück des in seiner Welt sehr erfolgreichen schottischen Autors David Greig in sein Vestibül verfrachtet, und schon damals, im Dezember 2012, erwies sich „Eine Sommernacht“ formal nach demselben Muster gestrickt wie nun „Yellow Moon“ des Autors (aus dem Jahre 2006). Er nennt sein Stück im Untertitel „Die Ballade von Leila und Lee“ und bezieht sich dabei auf die oft „besungene“ Geschichte des Messerstechers Stagger Lee, wobei er der Story eine ganz eigene Form gegeben hat, so dass man das Stück gerne zur schottischen „Bonnie & Clyde“-Story erklärt hat. Ganz so ist es wohl nicht.

Der formale Trick besteht darin, dass die Darsteller zwar gelegentlich in normale Dialoge verfallen, vordringlich jedoch in dritter Person von sich erzählen. Wenn das nicht sehr gut gemacht wird (in der Burg ist das glücklicherweise der Fall), könnte es nerven. Was tatsächlich nervt, ist nicht nur das vordergründige Pathos der Geschichte, sondern auch die höchst unebene Dramaturgie.

Um zwei Jugendliche geht es, den aggressiven Lee und die von der Realität weitgehend abgehobene Leila, wobei die Tatsache, dass sie Muslima ist, kaum eine Rolle spielt (sie lässt das Kopftuch, das sie anfangs trägt, auch bald weg). Vielmehr ist sie sich so entfremdet, dass sie nur zum Leben zu erwachen scheint, wenn sie unter die Ritzer geht und mit Rasierklingen ihr eigenes Blut fließen lässt (was unter Jugendlichen verbreiteter sein soll, als man glaubt). Sich Lee anzuschließen, der eben den Freund seiner Mutter in Wut ermordet hat und in die schottischen Highlands flüchtet, scheint ihr interessanterweise einen Lebenssinn zu verleihen.

Im Hochland, wo Lee seinen Vater sucht und in einem versoffenen Wildhüter findet, passieren dann die seltsamsten Dinge (inklusive dem Auftritt eines exzentrischen Stars namens Holly), und man hat keinesfalls das Gefühl, dass diese vage, ohne richtiges Ende verschwimmende Geschichte Hand und Fuß hat.

Aber sie wird im Vestibül des Burgtheaters so vorzüglich gespielt, dass sie ihre Berechtigung aus der Inszenierung von Peter Raffalt und den vier Darstellern bezieht, wobei das ältere Paar – die tatsächlichen Burgschauspieler – und das im Rahmen der „Jungen Burg“ engagierte junge Paar durchaus gleichwertig sind, vorzüglich ineinander greifen und das meist pathetische Gesülze mit einer Wahrhaftigkeit durchdringen, die bemerkenswert ist.

Sophie-Christine Behnke, schon einige Male in der „Jungen Burg“ zu sehen, schießt mit der wunderbar stillen Verschlossenheit der Leila den Vogel ab und kontrastiert perfekt zur Wut, die ihr jugendlicher Kollege Tino Hillebrand so lautstark, ja manchmal wirklich beängstigend  herauslässt.

Hervorragend Petra Morzé, wobei die Szenen, in denen sie in die Rolle eines überhitzten, hektischen Stars schlüpft, fast grenzgenial wirken. So gut wie selten ist hier Dirk Nocker, ob Widerling, der sich seinen Mord fast verdient zuzieht, ob Schwächling, der sich stark gibt. Sie alle spielen sich und erzählen von sich und retten, was von der Substanz her zwar dick aufgetragen, aber eigentlich bescheiden ist.

Das Publikum schien sich buchstäblich die Hände wund zu klatschen.

Renate Wagner  

 

 

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