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WIEN / Burgtheater: RED CLIFF (Gastspiel Peking Oper)

30.06.2012 | Oper

WIEN / Burgtheater: 
RED CLIFF
Gastspiel Beijing Opera Theatre
29. Juni 2012   

Das Burgtheater beendet seine Spielzeit, indem es dem Ensemble des Beijing Opera Theatre sein Haus öffnet: Hier hat man die Europa-Tournee nun mit der von 2008 stammenden Produktion „Red Cliff“ begonnen, besetzt mit den großen Stars des Hauses.

Und die Burg schickte Gert Voss, um dem Wiener Publikum so etwas wie eine Einführung in die hoch komplexe Struktur der Kunstform „Peking Oper“ zu geben, kann er doch als Fachmann gelten: In Shanghai geboren, hat er schon als Sechsjähriger seiner erste Aufführung der Peking Oper gesehen, sich in das Genre verliebt und war später, wie er erzählte, in Europa vom dortigen Theater schwer enttäuscht, weil es nicht so farbig und exzessiv war und die Darsteller nicht annähernd so viel zeigten…

Allerdings hat Voss, eher durch seinen Text segelnd, viele Versprechen gegeben, die ausgerechnet dieser Abend nur sehr bedingt eingelöst hat – vor allem die hohe Kunst der rein körpersprachlichen Umsetzung von Aktionen ohne die Hilfe von realen Objekten. Denn „Red Cliff“ erwies sich als Haupt- und Staatsaktion, die zumindest bis zur Pause (das waren dann vier der sechs Akte) vor allem in politischen Intrigen und Auseinandersetzungen bestand, die eher statisch dargeboten wurden.

Natürlich ist auch dergleichen immer noch „farbig“ genug, zumal diese von Zhang Jigang inszenierte Aufführung nicht mit der strengen Schlichtheit und Stilisierung vieler bühnenbildloser Aufführungen auf Tournee ging, sondern an üppiger Ausstattung nicht gespart hat (am schönsten gelang dem Ausstatter Gao Guangjian allerdings das eher schlichte letzte Bild, die Schluchten des Jangtse). Kostümprunk und die faszinierende Fülle von großartigen Schminkmasken gehören ohnedies integral zur Peking Oper, die immer ein optisches Fest ist.

Die Musik (Zhu Shaoyu) ist allerdings für europäische Ohren gewöhnungsbedürftig, das heißt, weniger die Musik an sich, deren farbiges östliches Kolorit sehr reizvoll wirkt. Nein, es geht um den Gesang, der von der Protagonisten mit äußerster Virtuosität betrieben wird, was allerdings bedeutet, sich in höchsten Höhen (oft in Trommelfell schädigendem Diskant) mit voller Lautstärke in die Ohren der Zuhörer zu bohren. Dass es sich dabei um Kunststücke handelt, die in lebenslangem Training erworben werden, steht außer Frage: Dass man sich in ein paar Aufführungsstunden nicht daran gewöhnen kann so wie das chinesische Publikum, das mit dieser Kunstform lebt, ist auch eine Tatsache.

Und so mancher zog Leine – Ioan Holender hielt es diesmal nicht einmal (wie in Baden) bis zur Pause aus, sondern floh schon demonstrativ nach eineinhalb Stunden. In der Pause warfen dann leider doch sehr viele Zuschauer ihre beanspruchten Nerven weg und kamen nicht wieder, was schade war. Denn dann erst zeigte das Ensemble in den großen Kampfszenen der „Schlacht am roten Felsen“ alles, was man im allgemeinen unter Peking Oper versteht – noch üppigere Kostüme und eine Beweglichkeit, die an Zirkuskunststücke erinnerte, ein virtuoses Wirbeln über die Bühne, das immer wieder sprachlos macht (auch wenn man es bei anderen Gelegenheiten schon gesehen hat).

Und doch ist es schön, dass man das Stück nicht mit diesem Virtuoso enden lässt, sondern mit einer am Yangtse spielenden besinnlichen Reflexion darüber, dass Frieden das höchste Gut ist, nachdem der ganze Abend nur von Krieg gehandelt hatte…

Die Peking Oper, die üblicherweise viele, viele Stunden dauert und in einer schonenden dreistündigen Fassung auf Tournee ist, hat ihre großen Stars mitgebracht – das Burgtheater belehrt uns auf seiner Website, dass Li Shengsu – bildschön in Rosa, eine hinreißende Leading Lady – als „Callas“ der Peking Oper bezeichnet wird und Yu Kuizhi in der zentralen Rolle des Militärberaters den Beinamen eines „chinesischen Pavarotti“ führt. Aber auch Li Hongtu als stimmlich „schneidender“ General und Wang Yue, mit weißem Gesicht als Bösewicht erkennbar, das rote Gewand allerdings verwies auf seine Tapferkeit, beeindruckten.

Man möge den Darstellern ruhig ein aufmunterndes „Hau“ zurufen, vermerkte Gert Voss, wenn man von ihnen angetan war. In diesem Sinne: Hau, Hau, Hau.

Renate Wagner

 

 

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