Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN / Burgtheater: DAS KÄTHCHEN VON HEILBRONN

25.01.2015 | KRITIKEN, Theater

Kaethchen_1_Lyssewski Krüger Polster x 
Fotos: Burgtheater / Reinhard Werner

WIEN / Burgtheater:
DAS KÄTHCHEN VON HEILBRONN von Heinrich von Kleist
Premiere: 24. Jänner 2015 

Langsam weiß man, was von Regisseur David Bösch zu erwarten ist. Wer Kleists seltsames, somnambules Käthchen nicht gut kennt, wird in dem großen Kasperltheater, das sich auf der Burgtheater-Bühne abspielt, wenig von dem vielleicht seltsamsten aller Kleist-Werke finden…

Man nehme einen großen grauen leeren Holzschuppen (Bühne: Patrick Bannwart), man lasse eine Kostümbildnerin (Meentje Nielsen) wild im Fundus herumwühlen und die Herrenriege großteils mit ritterlichen Accessoires  (Schulterklappen, gefütterte Wamse und Schwerter), die Damenriege hingegen mit zeitgenössischen Kostümen ausstatten (darunter ein silbermetallenes langes Abendkleid oder eine kurzrockige Zofenuniform). Und fertig ist die Spielwiese für heutiges Regietheater, das sich aus dem zugrunde legenden Stück nichts macht. Dieses wurde dann auch noch gnadenlos zusammengestrichen, und dass Bösch die Schauspieler wie manierierte Marionetten herumstapfen lässt, ist ja ohnedies seine persönliche Handschrift. und man bekommt langsam ein Gefühl für die Burgtheaterpremiere vom „Das Käthchen von Heilbronn“.

Wenn dann noch zwischendurch Kissen und Federn von der Bühne herunterregnen, das Ganze etwas später  in Rauch und Asche aufgeht und zum Schluss erst Großbuchstaben herunterbaumeln und sich  lange silberne Lamettastreifen wie bei einer Neujahrsfeier abseilen, kann man sich in etwa den optischen Rahmen  vorstellen. Halt, man sollte nicht auch noch die modernen roten Feuerlöscher vergessen, mit denen, ach so theaterwirksam, auch noch herumgespritzt wird. Angesichts dieser Bestandteile bekomme man

langsam ein Gefühl für die Burgtheaterpremiere vom „Das Käthchen von Heilbronn“. Übrigens: ein Stück, an dem man so viel interpretieren kann, interpretieren müsste, ertrinkt in Äußerlichkeiten.

Kaethchen_1_Krüger x

Wenn wir nun die armen Schauspieler hernehmen, die für den David Bösch herumhampeln müssen, so findet man kaum echte Menschen (geschweige denn eine Geschichte).. Lediglich Fabian Krüger als Graf von Strahl und Falk Rockstroh als Waffenschmied scheinen sich durchgesetzt zu haben und stellen teilweise halbwegs glaubwürdige Charaktere auf die Bühne. Martin Schwab im Smoking als deutscher Kaiser des Mittelalters darf dagegen nur eine Knallcharge abliefern, Hermann Scheidleder ist als Knecht Gottschalk nur als Witzfigur angelegt.

Die drei Damen machen nicht glücklich. Dörte Lyssewski als die Herrin Kunigunde spielt blankes Kasperletheater, vor allem wenn sie mit gespreizten Fingern und verkrampfter Gestalt quasi ihr wahres Wesen verkörpern will. Die hyperschlanke Frida-Lovisa Hamann darf als intrigante Kammerzofe Rosalia mit kurzem Röckchen und Stöckelschuhen herumstaksen, ohne irgendeinen Grund für ihre erstaunliche Loyalität ihrer Herrin gegenüber erkennen zu lassen.

Kaethchen_1_026 Frick x Kaethchen_1_Lyssewski x

Das Unglück des Abends ist aber  Sarah Viktoria Frick (wie man weiß, in Bösch-Premieren stets dabei) in der Hauptrolle des Käthchens. Eine totale Fehlbesetzung! Dieses Käthchen ist (auch von der Optik her) alles andere als ein Zaubergeschöpf und outriert die gesamte Skala von dumm-töricht bis grenzdebil. Wenn die tragende Rolle eines Theaterstückes überhaupt nicht passt, wird der ganze Abend zu einem Fiasko. Auch wenn wohlweislich keine Pause für die gut zweieinhalb quälenden Stunden angesetzt ist, so verließen  doch etliche Premierenbesucher während der Vorstellung den Raum.

Der obligate Jubel zum Schluss hielt sich diesmal in überschaubaren Grenzen.

Heiner Wesemann

 

Diese Seite drucken