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WIEN / Belvedere: KLIMT UND DIE RINGSTRASSE

Belvedere Plakat~1 
Fotos in der Ausstellung aufgenommen: Heiner Wesemann

WIEN / Belvedere / Unteres Belvedere: 
KLIMT UND DIE RINGSTRASSE
Vom 3. Juli 2015 bis zum 11. Oktober 2015 

 

Spielwiese der Künstler

Der Wiener Ausstellungs-Parcours zum Thema „Ringstraße“ führte bisher vom Prunksaal der Nationalbibliothek über das Jüdische Museum ins Wien Museum. Nun hat sich das Belvedere mit seinem Beitrag zum Thema dazu gesellt. Trotz der „verlorenen Adele“ ist man noch immer das führende Klimt-Haus der Welt, und es lag nahe, diesen so populären Namen in den Titel der Ausstellung zu nehmen – „Klimt und die Ringstraße“ laden nun ein, den Schwerpunkt der Betrachtung in großen Zügen auf die Interieurs der Ringstraße zu legen  – und was sich die Künstler zwischen Historismus und Secession dazu einfallen ließen.

Von Heiner Wesemann

Von außen nach innen     Eine mittelalterliche Stadtmauer abreißen und einen Prachtboulevard an deren Stelle errichten – die ungeheure Logistik, die hinter dem letztlich gelungenen Unternehmen steckte, hat man schon beleuchtet. Die Bauten, die errichtet wurden, der hier gefundene „Ringstraßen“-Stil – auch das war schon das Thema. Die Rolle, die das jüdische Großbürgertum dabei spielte, ist andernorts aufgearbeitet worden. Im Belvedere fragt man sich anhand der Galionsfigur Klimt (der ja nun weder Planer noch Architekt war), wie es um die Innenausstattung der staatlichen Repräsentations- und Regierungsbauten einerseits, der Privatpalais ambitionierter reicher Bürger andererseits stand. Ein Thema, das sich in Belvedere mit Glanz ausbreiten lässt.

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Talente umarmen       Es wurde oft festgestellt, dass nach „Es ist mein Wille“ von 1857 erst wenige Jahre vergangen waren, als man die Ringstraße vor 150 Jahren, 1865, feierlich eröffnete – ein kleines Teilstück. Gebaut werden sollte noch Jahrzehnte. Die jahrzehntelange Baustelle bildete  ein unerschöpfliches Reservoir an Aufträgen an Künstler, die hier eine regelrechte Spielwiese vorfanden. Von ihnen, den Modernen ihrer Zeit, verlangte man Originelles, Spektakuläres, Prächtiges. Und Gustav Klimt, Jahrgang 1862, also ein Kleinkind, als die Eröffnung stattfand, sein um zwei Jahre jüngerer Bruder Ernst und ihr Freund Franz Matsch konnten von früher Jugend an (heute würde man sagen: seit ihren Teenagerjahren) eines steten Flusses von Aufträgen sicher sein. So wie die älteren und bewährten ihrer Lehrer und Künstlerkollegen – wenige Epochen haben Talent dermaßen umarmt wie die „Ringstraßenzeit“.

Belvedere Klimt Musik~1

Gustav Klimt      Das Belvedere, das die Ausstellung im Unteren Belvedere mit seinem Klimt-„Star“-Gemälde, dem „Kuß“, im Oberen Belvedere in Ticket-Union anbietet, setzt auf seinen Star, kann von ihm Porträts (besonders die wunderschöne Unbekannte in Schwarz und im Profil), Entwürfe seiner Supraporten für Dumba (darunter die wundervolle “Musik”) und weiteres Material sonder Zahl zeigen, bekam er doch Aufträge für das Burgtheater und das Kunsthistorische Museen, und man kann auch Entwürfe für Theatervorhänge bewundern – allerdings nicht für das Burgtheater, da wetteiferten Makart und Carl Rahl in kleinteiligen, bedeutungsschweren Entwürfen.

Belvedere Stefanie~1

Makart und die anderen      Es gäbe wohl noch viel mehr Makart in den Ringstraßen-Interieurs, wäre er nicht schon 1884 (eine hohe Zeit des allgemeinen Schaffensrausches) gestorben. Dennoch ist er vielfach vertreten, u.a. maßgeblich beteiligt am Treppenhaus des Kunsthistorischen Museums, wenn auch sein Entwurf eines Deckengemäldes für dieses Haus („Der Sieg des Lichtes über die Finsternis“, als Entwurf zu sehen) infolge seines Todes nicht ausgeführt werden konnte. Seine Historiengemälde wie etwa eine sterbende Cleopatra hingen in Salons, und auch das Kaiserhaus „bestellte“ bei ihm: Nie hat die unliebenswürdige Kronprinzessin Stephanie (Rudolfs Gattin, die nie Kaiserin werden sollte) hübscher, zarter und eleganter ausgesehen als auf den Gemälde Makarts, das die  Ausstellungsgestalter zwischen zwei elegante Weiß-Gold-Stühle wie auf ein Piedestal gehoben haben… Ja, man denkt auch an die Möbel der Zeit. Eine Esszimmergruppe mit kostbaren Intarsien aus Makarts Besitz ist allerdings dazu da, die Welt des Nikolaus Dumba zu beschwören.

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Dumba und der Höhepunkt des Mäzenatentums    Dumba, „ausnahmsweise“, wenn man so sagen darf, kein Jude, sondern ein reicher Grieche mit Kunstverstand, dem Wiens Musikleben so viel verdankt wie das Kunstleben, ließ sich sein Palais am Parkring (dessen Innenausstattung dann Rudolf von Alt mehrfach gemalt hat) von Klimt und Makart ausstatten, und zwar punktgenau – Entwürfe der Supraporten von beiden Künstlern sind in der Ausstellung zu sehen und zeigen, dass der Hausherr für gewaltigen Historismus so viel Sinn hatte wie für die viel später, bereits im secessionistischen Stil geschaffenen Klimt-Werke.

Belvedere Deckelvasen~1

Sammeln mit Niveau – eine Leidenschaft    Zur Summe der Innenausstattungen, zu denen sich auch äußere Dekorelemente gesellen (eine reiche Sammlung von antikisierenden Gipsköpfen aus der Werkstatt Rudolfs von Weyr), gehören auch kostbare Sammlungen. Die dem Belvedere verloren gegangene „goldene Adele“ Klimts kommt auf Umwegen ins Geschehen – ihr Gatte. Ferdinand Bloch-Bauer, verfügte über eine Porzellansammlung des Klassizismus, von der erlesene Stücke (darunter Deckelvasen mit Porträts von Kaiser Franz I. und seiner zweiten Gattin Maria Theresia von Bourbon-Neapel) ausgestellt sind. Und die Silbersammlung von Otto Pick wurde dann später von dessen Schwiegersohn, Poldi Bloch-Bauer (Adeles Neffen) fortgeführt: Auch hier bietet die Ausstellung einen Glaskasten voll Kostbarkeiten, an denen man sich kaum sattsehen kann. Da Fragen nach der Provenienz heute unweigerlich auftauchen, vermerkt das Museum, dass sich die Werke – hier großzügig für die Ausstellung geliehen –  nach wie vor in Privatbesitz befinden.

Belvedere 2 x Franz Josef xxx~1

Der Kaiser im Hinterzimmer     Der letzte Raum im Unteren Belvedere, immer etwas abgeschlagen, immer für ein eigenes kleines Thema gut, landet am Ende beim Kaiser: Und es ist richtig das Bild des jungen Franz Joseph (gemalt von Carl von Blaas), das zuerst in den Blick kommt und daran erinnert, dass es ein ganz junger Mann war, der hier mutig, möglicherweise sogar unternehmungslustig, zu einer Rundumerneuerung „seiner“ Haupt- und Residenzstadt schritt. Der alte Kaiser, gemalt von John Quincey Adams, wurde bis kurz vor seinem Tod von den Bauarbeiten an „seiner“ Ringstraße begleitet. In diesem Zimmer stellt die Ausstellung übrigens fest, dass Wiens Maler kaum daran interessiert schienen, die Ringstraßengebäude zu malen oder gar auf Gemälden den Fortschritt zu dokumentieren. Immerhin, eine Naschmarkt-Szene von Julius Victor Berger zeigt im Hintergrund die Secession – aber den Vordergrund beherrscht ein fesches Wiener Mädel… Wien bleibt Wien?

Belvedere Berger am Naschmarkt hinten Secession~1

Unteres Belvedere. Bis 11. Oktober 2015, täglich 10 bis 18 Uhr, Mittwoch bis 21 Uhr

 

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