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WIEN / Belvedere: HUNDERTWASSER, JAPAN UND DIE AVANTGARDE

15.03.2013 | Ausstellungen

 

WIEN / Orangerie im Belvedere:
HUNDERTWASSER, JAPAN UND DIE AVANTGARDE
Vom 6. März 2013 bis zum 30. Juni 2013   

Einmal anders betrachtet

In diesem Jahr wäre Friedrich Hundertwasser (1928-2000) 85 Jahre alt geworden. Sein Bild in der Kunstwelt ist längst fixiert, wie Agnes Husslein-Arco, die Direktorin des Belvedere, meint: eine Ikone der Pop-Kultur, weltweit bekannt, vom „Hundertwasserhaus“ als beliebtem Touristen-Stop bis zu den ihn unverwechselbar charakterisierenden „Spiralen“. Wegen dieser sp exzessiven wie simplen Popularisierung erscheint Hundertwasser „kunsthistorisch unterrepräsentiert“.  Ausstellungen können nicht dazu dienen, das Bekannte immer wieder zu zementieren, sondern müssen neue Aspekte liefern. „Hundertwasser, Japan und die Avantgarde“ leistet das.

Von Heiner Wesemann

 

Friedensreich Hundertwasser     Zu den sattsam bekannten Geschichten, die immer wieder über ihn erzählt werden, gehört, dass er eigentlich „Stowasser“ hieß. Und simpel nur „Friedrich“. Aber er konnte sich, siehe die 1949 erfolgte Namensgebung, wirkungsvoll inszenieren. Die Ausstellung in der Orangerie des Belvedere, die auch optisch schlicht „japanisch“ gehalten ist, bietet ein verblüffendes Foto: Hundertwasser 1961 (damals war er Anfang 30) durch japanische Straßen wandernd, ein eigenes „Spiralenbild“ schwenkend. Er war, was man heute möglicherweise vergessen hat, „ein komplexer Netzwerker in eigener Sache“, wie Agnes Husslein-Arco meint. Wie er der berühmte Hundertwasser wurde, nicht zuletzt mit seinen „Spiralbildern“, das hat seinen Ursprung teilweise in Japan.

 

Gelebter Japonismus     Japonismus ist von Van Gogh bis Klimt nachweisbar, damals als Einflüsse der Exotik durch Werke, die aus dem Fernen Osten kamen. Hundertwasser hatte in Mailand Holzschnitte von Hiroshige und Hokusei gesehen und war fasziniert. Als er in den fünfziger Jahren in Paris lebte, lernte er japanische Künstler live kennen. 1961 kam die Einladung nach Japan. Er hat dort nicht nur sieben Monate verbracht, sondern auch seine Gattin Yuko Ikewada von dort mitgebracht. Kurator Harald Krejci kann die Wichtigkeit dieser Zeit gar nicht genug betonen, sowohl was reale Einflüsse wie auch weltanschauliche Anstöße etwa durch den Zen-Buddhismus betrifft.

Kampf der geraden Linie       Japan beeinflusste Hundertwasser in seinem Protest gegen die „gerade Linie“, die ihm ein Inbegriff für starres westliches Denken zu sein schien. Seine „Spiralen“ bedeuten kämpferische Gegenposition, verweisen gewissermaßen auf die Natur, das Organische. Wenn man in der Ausstellung einen Holzschnitt des großen Hokusai sieht, dann gibt es dazu seine eigene „japanische“ Variation eines Wasserfalls von 1956, der dann auch noch als „Wasserfall – Wer es betrachtet soll froh werden“ titelmäßig seine ideologische Ausschmückung erfährt.

 

Esoterischer Kopf…   Das Ziel dieser Ausstellung ist, wie Kurator Axel Köhne formulierte, „einen esoterischen Kopf auf kunsthistorische Füße zu stellen“. In sieben Kapiteln (mit den Schwerpunkten Architektur, Garten, Japan, Linie, Reise-Weg-Prozess, Freiheit und Abstraktion) werden 50 eigene Hundertwasser-Werke präsentiert (davon einiges Unbekannte aus Privatbesitz), im Dialog sowohl mit den Japanern (Shinkichi Tajiri und Akira Kito), aber auch mit Künstlern wie Yves Klein, Lucio Fontana, Pierre Alechinsky, Constant, Corneille, Sam Francis oder Mark Tobey, an denen sich ebenfalls japanische Einflüsse festmachen lassen.

Neu und doch bekannt   Dazu bietet die Ausstellung Fotos und Dokumente (darunter viele Zeitungsausschnitte), auch Persönliches wie Briefe und Tagebücher, die seine damalige Entwicklung zeigen. Das Belvedere hat diese Arbeit an Hundertwasser als Forschungsprojekt angelegt, der aufwendige Katalog bietet die Ergebnisse. Der Besucher der Ausstellung sieht, erfährt viel Neues – aber das, was er von dem Künstler erwartet, die „bunten Spiralen“, die er mit unendlichem Variationsreichtum erfand, kommt keinesfalls zu kurz…

Unteres Belvedere, Orangerie: Hundertwasser, Japan und die Avantgarde
Bis 30. Juni 2013   Täglich 10 bis 18 Uhr,  Mittwoch 10 bis 21 Uhr

 

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