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WIEN / Belvedere: GOLD

16.03.2012 | Ausstellungen

 

WIEN / Unteres Belvedere / Orangerie / Prunkstall:
GOLD
Vom 15. März 2012 bis zum 17. Juni 2012 


ZUM GOLDE DRÄNGT DOCH ALLES…

Um das Goldene Kalb hat man getanzt (und tut es im metaphorischen Sinn immer noch). Des Goldes wegen rüstete man Schiffe aus und suchte die Neue Welt. Um des Goldes willen, das man dort fand, richtete man gnadenlose Zerstörungen an. Um Gold zu finden, zogen zahllose Männer in die Neue Welt und wühlten sich durch Berge und Flüsse. Gold war unabdingbar als Machtsymbol (keine Krone ohne Gold), aber Gold als kompaktes Metall ist auch Handelsware, Wertanlage, orientalische Frauen tragen ihr Vermögen in Goldschmuck um den Hals. Gold ist aber auch eine „Farbe“, wenn man es auf Bilder aufträgt – und als solche ein entscheidendes Element in der Kunst. Das Belvedere richtet dem „Gold“ eine so reichhaltige Ausstellung aus, dass man sich erstens nicht satt sieht und zweitens in zahlreiche Richtungen weiter denken, forschen, überlegen kann.

Von Renate Wagner

 

Ein „goldenes“ Haus     Wenn sich das Belvedere dem „Golde“ weiht, hat man, wie Direktorin Agnes Husslein richtig vermerkt, aus eigenen Beständen vieles vorzuweisen – von dem berühmtesten „goldenen“ Gemälde der Moderne, dem „Kuss“ von Gustav Klimt (für den muss man allerdings ins Obere Belvedere wandern, was ohnedies immer sinnvoll ist) einmal abgesehen. Ein Raum wie das über und über vergoldete Spiegelzimmer, das man auf dem Weg zur Orangerie durchquert, wurde keinesfalls für diese Ausstellung gebaut, sondern befand sich schon immer in diesem Schloss des Prinzen Eugen. Und wenn man am Ende gar in den Prunkstall kommt, das Mittelalter-Museum des Hauses (üblicherweise wenig beachtet, hier glücklicherweise in die Ausstellung einbezogen), dann wird man vor lauter Gold geradezu „erschlagen“: Kein frommes Bildnis des Mittelalters, das sich der goldenen Farbe nicht in reichem Maße bedient hat.

In Mode, aus der Mode      Eines stellt man in dieser umfassenden Ausstellung fest, die rund  200 Exponate von über 100 Künstlern aus aller Welt zeigt, von einem ägyptisch-römischen Mumienbildnis bis zu Werken, die gerade erst entstanden sind: Zwischen dem Mittelalter und heute ist Gold immer wieder aus der Mode gekommen, vielfach als Kitsch betrachtet worden. Im Belvedere sieht man nun, dass Gold – echtes Blattgold als Bestandteil der Werke so wie andere Werkstoffe – gerade in der Gegenwart wieder überaus üppig verwendet wird. Selbst ein Haufen glänzender Schuhe, die wie Reliquien der „Sex in the City“-Frauenwelt  am Boden liegen, sind mit echtem Gold geschmückt (denn Ausstellungskurator Thomas Zaunschirm versichert, jedes Futzelchen Gold, das hier gezeigt wird, sei absolut „echt“).  

 
Milan Kunc                                                                             Richard Hamilton

Symbol der Wertsteigerung     Man merkt es selbst, wenn man durch die Ausstellung geht: Gold ist ein Blickfang, Gold scheint die Bedeutung des Gezeigten zu unterstreichen, selbst wenn die Künstler es komplett ironisch einsetzen: Aber auch eine Kuh (Thomas Brix), auch Gemüse (Milan Kunc) sieht, wenn man sie vor einem goldenen Hintergrund zeigt, gleich ganz anders aus… Und wenn der englische Pop-Künstler Richard Hamilton (der auch eine Variation des Staatsopern-Vorhangs geschaffen hat) das New Yorker Guggenheim-Museum als vergoldetes Relief an die Wand knallt – so scheint es ja doch etwas mit „Wert“ zu tun zu haben. (Es gibt übrigens auch einen Entwurf von Eisenmenger zu seinem originalen Staatsopern-Vorhang, der ja bekanntlich durch einen goldenen Hintergrund gekennzeichnet ist.)

Der religiöse Aspekt    Zweifellos ist der religiöse Aspekt einer der vordringlichsten, wenngleich man heute anders an das Thema herangeht als im nahezu ironie- und humorfreien Mittelalter (für Ausnahmen dort gilt die Unschuldsvermutung). Wenn der Brite Peter Murphy Jimi Hendrix und Kurt Cobain in mittelalterliche Altartafeln stellt und in der Pose der Heiligen präsentiert, dann darf natürlich der Heiligenschein nicht fehlen, den auch Sportler oder „Madonnas“, die nichts mehr mit der Gottesmutter zu tun haben, von dem afrikanisch-britischen Künstler Godfried Donkor erhalten… Die Pfarrkirche Hetzendorf hat sich für die Dauer dieser Ausstellung von einem Ziegenhaut-Bild von Ernst Fuchs getrennt, in dem nicht nur die heiligen Figuren, sondern auch der Drache ein bisschen Gold abbekommen hat… (Kollege Arik Brauer wiederum hat, in einer anderen Abteilung zu sehen, Pan vor goldenem Hintergrund gemalt.)

 Jan Fabre / Peter Murphy

Gold geht immer      Die Ausstellung zeigt, dass es keine Kunstform gibt, die sich dem Gold verweigert, Gemälde, Graphik, Plastik: Jan Fabre bereitet das menschliche Gehirn in 24 Karat Gold auf und verleiht ihm noch Flügelchen…  Nitsch und Staudinger haben Blut und Farbe auf Ölvergoldung geschüttet. Klassisch im Zusammenhang mit Gold ist der Bilderrahmen, der bekanntlich in hohem Ausmaß zur Wirkung eines Werks beitragen kann und hier vielfach thematisiert wird. Und auch ein Papierkorb kann aus Gold sein, ein Skelett mit Goldblumen geschmückt. Die Ausstellung kennt, wie es scheint, keine Grenzen. Der dazugehörige Katalog im Hirmer-Verlag ist ein Meisterstück für die thematische Aufbereitung eines Aspekts der Kunst.

Bis 17. Juni 2012, täglich 10 bis 18, Mittwoch bis 21 Uhr

 

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