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WIEN / Belvedere: CARL SCHUCH

26.06.2012 | Allgemein, Ausstellungen

 

WIEN / Orangerie im Unteren Belvedere:
CARL SCHUCH
Ein europäischer Maler
Vom 26. Juni 2012 bis zum 14. Oktober 2012  

Eine veritable Entdeckung

Der Fall liegt ähnlich wie bei Rudolf Kalvach, den das Leopold Museum „ausgegraben“ hat und nun eindrucksvoll ausstellt: Auch Carl Schuch ist ein Künstler, der von der Nachwelt weitgehend vergessen wurde, sich aber nun, da das Belvedere sich die Mühe gemacht hat, ihn in vollem Umfang vorzustellen, als veritable Entdeckung herausstellt. Man muss wirklich anerkennen, wie viel Mühe sich die Museen machen, wenn sie nicht nur spektakuläre Großausstellungen aufstellen, deren Erfolg sie sich ausrechnen können, sondern auch die Pflicht erfüllen, ihre Welt der Kunst immer neu zu erforschen und zu befragen.

Von Renate Wagner

Carl Schuch      Der Maler, von dem man nichts wusste, wurde 1846 in Wien geboren und starb 1903 ebenda. Dennoch rechtfertigt sich der Untertitel der Ausstellung als einem „europäischen“ Künstler, denn nach erstem Unterricht (u.a. bei dem als Landschaftsmaler damals geschätzten Ludwig Halauska) brach er bald von seiner Heimat nach Europa auf – zuerst nach Italien (das war nur der Beginn lebenslanger Studienreisen), dann ließ er sich ab 1871 in München im Kreis um Wilhelm Leibl nieder, lebte ab 1876 in Venedig, dann ab 1882 in Paris. Als er 1894 nach Wien zurückkehrte, litt er bereits an jenem „Rückenmarksleiden“, das die euphemistische Bezeichnung für Syphilis ist, an welcher er im Irrenhaus starb, nur 57 Jahre alt.

Kunst vor Kommerz     Es war ein zweischneidiges Schwert, dass Carl Schuch lebenslang wohlhabend genug war, um nicht gezwungen zu sein, von seiner künstlerischen Arbeit zu leben. Man weiß, welchen Druck Geldnot, die Forderungen von Agenten und Händlern, die Notwendigkeit, zu Ausstellungen zu drängen und gute „Kritiken“ zu erhalten, auf viele Künstler ausübten und ausüben und sie einen Teil ihrer Kraft kosten. Sicherlich litt auch Schuch darunter, wenn er etwa in München keine direkte Förderung fand, aber er wurde von keinen existenziellen Sorgen gequält. Wer aber nicht auf den Markt drängt, wird vermindert wahrgenommen, und das war bei ihm zu seinen Lebzeiten der Fall. Die Nachwelt entdeckte ihn zögernd, aber immerhin hat sich das Belvedere schon seit den zwanziger Jahren für Schuch interessiert, man besitzt 17 seiner Werke, und für die derzeitige Direktorin Agnes Husslein-Arco war diese Ausstellung „lange ersehnt“ – und sie wurde von Kurator Stephan Koja mit sichtlicher Liebe gestaltet. Dafür hat man den langen Raum der Orangerie im Unteren Belvedere mit einem biographischen Schwerpunkt beginnend in einzelne Schwerpunkte von Schuchs Schaffen untergeteilt.

Stilleben wie die Franzosen    Carl Schuch selbst blickt, gemalt von Wilhelm Leibl, Wilhelm Trübner und auch sich selbst den Betrachter an, aber im übrigen spielten Porträts in seinem Schaffen eine absolut untergeordnete Rolle. Was ihn interessierte, waren Landschaften und Stilleben, und in beiden Genres hat er es zu höchster Meisterschaft gebracht. Das Belvedere, das viele Leihgeber herangezogen hat, stellt Stilleben von Schuch neben solche von Courbet oder Cezanne und erweist damit nicht nur stilistische Nähe, sondern auch gleichwertige künstlerische Ausdruckskraft. Auch Blumen haben ihn immer wieder herausgefordert.

Der Zauber von Purkersdorf    Landschaften hat Schuch überall gemalt, wo es ihn im Lauf seines Wanderlebens hin verschlug – und für seine Landsleute ist es faszinierend, wenn er in seinen frühen Jahren Naturansichten von Purkersdorf, das man nur als eher reizlosen Vorort der Stadt Wien im Bewusstsein hat, mit unglaublicher poetischen Kraft malte. Gegen Ende seines Schaffens waren die Täler und Wälder von Saut du Doubs an der schweizer / französischen Grenze sein Hauptmotiv, und hier – wo das Belvedere eines seiner großformatigen Hauptwerke besitzt – scheint sich der Realismus der Werke, der letztendlich doch gewahrt wird, immer wieder in abstrakte Farbkompositionen aufzulösen.

Das Ringen um künstlerische Vollendung    Carl Schuch war der Künstler, der es sich leisten konnte, der Herausforderung zu leben, die die Malerei darstellte. So hat er beispielsweise gleiche Motive mit immer anderen Paletten gemalt, um die verschiedenen Wirkungsmöglichkeiten zu erproben. Er übte und übte an Details, hörte nie auf zu lernen, wobei noch vor der Form der Farbe für ihn ein ewiges Faszinosum darstellte. Wie unermüdlich er arbeitete, zeigen seine Notizhefte –das Belvedere besitzt eines davon und hat dem prachtvollen, umfangreichen Katalog zur Ausstellung auch ein komplettes Faksimile dieses Heftes in Originalgröße beigegeben.

Bis 14. Oktober 2012, täglich von 10 bis 18 Uhr, Mittwoch bis 21 Uhr

 

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