Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN / Belvedere: 150 JAHRE GUSTAV KLIMT

12.07.2012 | Allgemein, Ausstellungen

 

WIEN / Oberes Belvedere:
JUBILÄUMSAUSSTELLUNG
150 JAHRE GUSTAV KLIMT
Vom 13. Juli 2012 bis zum 6. Jänner 2013

Dem Zeitgeist gehuldigt

Der 14. Juli ist ein magisches Datum, das allerdings einmal nicht an den Sturm auf die Bastille erinnern soll, sondern im Jahre 2012 für Österreich den 150. Geburtstag von Gustav Klimt markiert. Einen Tag davor meldete sich das Belvedere mit seiner Jubiläumsausstellung. Bei allen Werken, die dieses Haus besitzt – und der Bestand ist enorm an Quantität und Qualität -, bedeutet der „Kuss“ doch den Höhepunkt an Popularität und medialer Anziehungskraft. Im Ganzen sind dem Museum (die Klimt-Verluste durch Weitergabe, Tausch und zuletzt Restitution waren bedeutend) allerdings nur 24 Werke von ursprünglich 101 geblieben. Sie werden in der Jubiläumsausstellung zu optimaler Wirkung gebracht. Und wer sich mit konventionellem Ausstellungsangebot nicht zufrieden geben will, kann auch der zeitgeistigen  Gewohnheit huldigen, durch elektronische Geräte zu zappen – um noch mehr zu Klimt geliefert zu bekommen.

Von Heiner Wesemann

Original und iPad    Was man von dieser Klimt-Ausstellung mitnimmt, hängt wahrscheinlich vom Alter der Besucher ab. Wer in Museen geht, um das Wunder der Originale zu erleben, wird mit einer exquisiten Auswahl von Klimt-Gemälden und interessanten Dokumenten bedacht. Die Werke werden hervorragend gegliedert in einem schwarz-weißen Ambiente, das sich vor die barocke Ausstattung schieb, optimal präsentiert. Das Schriftangebot an den Wänden ist informativ und gut zu lesen. Dennoch empfinden Jugendliche, wie man weiß – Kurator Alfred Weidinger berichtete dies in derPressekonferenz von seiner eigenen 13jährigen Tochter – , Museen als „fad“. Ihnen wird nun per „Apps“ ihr gewohntes Zapp-Vergnügen geliefert: Auf iPads (eigenen oder geliehenen) kann man zu den Bildern an den Wänden nun zusätzlich Filme sehen, vordringlich über die Orte, wo die Werke entstanden sind (das Modewort lautet „Verortung“). Eine „geomediale Klimt-World Map“ lädt zu weiteren medialen Streifzügen ein. Vielleicht ist es aber sinnvoll, nicht auf Geräte zu starren, sondern die durchaus magischen Originale auf sich wirken zu lassen…

Immer weiterforschen      Direktorin Agnes Husslein-Arco und Alfred Weidinger haben den biographischen Aspekt Klimts in den Vordergrund gestellt, betonen aber, dass dies nur eine von vielen beabsichtigten Vermittlungsebenen sei. Vor allem geht es darum, zum scheinbar ausgelaugten Thema Klimt weiterzuforschen, wofür es im Haus auch ein Research Center für Klimt gibt. Das Thema sei, wie Weidinger betonte, noch lange nicht ausgelotet. Dass man immer Neues finden kann, zeigt die Ausstellung zumindest mit Briefen, von denen bisher kaum jemand wusste.

„Liebe Emilie! An meine Kleine…“      Der Klimt-Nachlass, der an dessen Lebensgefährtin Emilie Flöge und Klimts Geschwister ging, wurde nach dem Tod des Künstlers zum größten Teil verkauft. Aber offenbar hat Emilie Flöge, die ihre eigenen Briefe an Klimt vernichtet hat, jene sieben Liebesbriefe zurückgehalten, die er ihr zwischen 1895 und 1899 schrieb und die ihn – im Gegensatz zu seinen lapidaren Postkarten – als eloquenten Schreiber ausweisen. Man kann die Briefe ausgestellt sehen, will man sie lesen, muss man die technischen Hilfsmittel befragen oder den umfangreichen Katalog erwerben. Dieser listet auch alle 101 Werke auf, die das Belvedere je von Klimt besessen hat – der Großteil davon ist allerdings, wie erwähnt, Geschichte, denn das meiste davon befindet sich nicht mehr hier. Immerhin – viele von den wichtigsten Gemälden sind geblieben. Nebenbei bekommt man auch noch manche „g’schmackige“ Marginalie zu sehen, etwa den höchst luxuriösen Reisekoffer von Emilie Flöge, mit zahllosen Fächern ein Kunststück für sich…

Im Kontext zu den Zeitgenossen      Die Ausstellung gliedert ihr Klimt-Material chronologisch. Das Schwergewicht liegt auf der Präsentation der Ölgemälde aus dem Besitz des Hauses (wenige Leihgaben hat man dazu geholt, etwa Klimts „Salome“ aus Venedig, die als Ergänzung zu seiner „Judith“ gedacht ist). Allerdings steht der Künstler nie allein, immer im Kontext zu Zeitgenossen – in der Frühzeit zu seinem Bruder und dem Kollegen Franz Matsch, später etwa mit Claude Monet (in der Abteilung „Landschaften“), wenn es auf den Ersten Weltkrieg zugeht mit Werken von Boeckl, Kolig oder Kokoschka. Und einen Schwerpunkt setzt die Ausstellung in der Konfrontation Klimts mit Schiele, wobei besonders Ähnlichkeiten in der Thematik wie auch in den Gestaltungsprinzipien klar werden.

 

Weg durch die Entwicklung     Man erlebt Klimt in seiner Frühzeit als den in der akademischen Malerei geschulten brillanten Handwerker, der in vielen Stilen malen konnte (klassische Aktstudien, schwelgender Historismus, antikisierendes Pathos), aber vermutlich vergessen wäre, hätte er nicht seinen eigenen Stil gefunden. Es folgt das informative Kapitel „Familie“, in dem man beispielsweise erfährt, dass ein weiterer Klimt-Bruder, Georg, als Medailleur und Rahmenmacher tätig war und man auch Beispiele von dessen Arbeiten sieht. Im Bereich der „Secession“ lächelt das Bildnis der Sonja Knips in seiner ganzen Anmut herab und führt zu jenem Saal, der den Höhepunkt des „populären“ Klimt markiert – dort, wo er „golden“ war und der „Kuss“ im Mittelpunkt steht, dazu jene „Judith“, die die Züge von Adele Bloch-Bauer trägt. Die Landschaften zeigen Klimts Meisterwerke, die am Attersee entstanden sind, sowie die jüngst neu ins Haus gekommene „Sonnenblume“. Bei dem Thema „Frauen“ steht das Bildnis von Fritza Riedler im Zentrum, dem Klimt durch einen raffinierten Trick das Stilelement eines Velasquez-Gemäldes verliehen hat. Klimt hat den ganzen Ersten Weltkrieg (bei seinem Tod am 6. Februar 1918 allerdings nicht mehr dessen Ende!) erlebt, aber die Bilder, die diese Epoche reflektierten, malten andere. Klimt schuf nach wie vor seine eleganten Damenporträts und seine komplexen „Massen“-Gemälde – die unvollendete „Braut“, sein letztes großes Werk, nähert sich dem Surrealismus. Der Künstler hätte vermutlich noch vieles vorgehabt, als er erst 55jährig starb.

Oberes Belvedere. Bis 6. Jänner 2013, täglich 10 bis 18 Uhr, Mittwoch bis 21 Uhr (Spätöffnung bis 26. September)

 

Diese Seite drucken