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WIEN / Armes Theater: DAS VERGNÜGEN, VERRÜCKT ZU SEIN

21.04.2013 | Theater

WIEN / Armes Theater im Novomatic Forum:
DAS VERGNÜGEN, VERRÜCKT ZU SEIN von Eduardo de Filippo
Premiere: 8. April 2013,
besucht wurde die Vorstellung am 21. April 2013 

Eduardo de Filippo (1900-1984) war ein Großmeister der italienischen Komödie, zu Recht grenzenlos bewundert – aber auch in unseren Breiten selten gespielt. Der Verschnitt von Goldoni und Pirandello kann sich für das Theater als solche Herausforderung erweisen, dass man am liebsten nach Giorgio Strehler rufen möchte (der ihn auch erfolgreich inszeniert hat). Es war also durchaus mutig vom „Armen Theater“, sich diesen Dramatiker der Pazzia e Follia herzunehmen…

„Das Vergnügen, verrückt zu sein“ stellt an das Publikum einige Ansprüche, weil der Autor an sich zwei Geschichten erzählt, für die aber Doppelbesetzungen der Rollen vorgesehen sind: Wenn man einerseits der schwangeren Schauspielerin Viola begegnet, die in ihrer Truppe da irgendwo in der Provinz ein paar Vorstellungen geben soll, wenn aber andererseits die ebenfalls schwangere, verheiratete Bice genau so aussieht – dann meint Don Alberto zu wissen, dass er mit Bice ein Verhältnis hatte und Vater ihres Kindes ist, aber im Hirn des Theaterbesuchers rattern eine zeitlang die Vermutungen herum, ob sich die Schauspielerin etwa als die andere ausgegeben hat… oder umgekehrt? Oder gar nicht?

Alberto hält die Handlungen zusammen, er ist Patron der Theaterleute, die das Publikum mit schmierenhaften Probenszenen entzücken, er ist aber auch der Mann, der bei Bice und ihrem Gatten mit einem Heiratsantrag einbricht – und dann meint, nur aus der Bredouille entkommen zu können, indem er sich verrückt stellt. Zu diesem Mittel greifen flugs auch andere, um sich unangenehmen Tatsachen zu entziehen –  und man hat schon lange nicht so viele „absurde Purzelbäume“ auf der Bühne gesehen.

Irgendwann gibt man als Zuschauer auf, man weiß, dass man diese absurde Verrücktheit mit Verstand und Vernunft nicht auflösen kann, dass es hier einfach um Theater geht und um das Vergnügen daran, was es einem Verrücktes vormachen kann…

Freilich, wenn hier eine Handvoll noch so temperamentvoller Schauspieler – eisern zum Wahnsinn entschlossen – in Alltagskleidung durch den Saal des Novomatic Forum laut und allzu derb fegt, ist die Machart vielleicht nicht ganz so souverän wie sonst oft in Inszenierungen von Erhard Pauer: Da hätte die Reinhardt’sche „Handbreit über dem Boden“ doch um einiges schwebender ausfallen müssen. Immerhin, Krista Pauer ist als Ehefrau ein raffiniertes, als Schauspielerin ein vergleichsweise schlichtes Frauenzimmer, Robert Herzl (der Junior) versteht die Welt nicht mehr (und tut dies als sehr guter Sprecher und drollige Persönlichkeit), Julian Looman erweist sich als Graf hier, als Schauspieler da (wo er noch als eine Art Musikclown agiert) als äußert wandlungsfähig, und die anderen (Dieter Hofinger, Isabella Fritdum, Andreas Peer, David Rodriguez) toben, wie es ihre Rollen verlangen, wenn auch ohne weiteren  Feinschliff.

Das Arme Theater wird im Mai spielplanmäßig seine Tschechow-Linie weiterpflegen (mit der Dramatisierung des tragischen Romans „Zimmer Nr. 6“) – und die Italiener auch: Im Sommer gibt es dann von de Filippo „Die Kunst der Komödie“. Neues Spiel, neues Glück.

Renate Wagner

 

 

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