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wien /Amtshaus Brigittenau. EIN WIENER IN AFRIKA – Melodien von Franz Zelwecker

23.10.2015 | Konzert/Liederabende

EIN WIENER IN AFRIKA! – MELODIEN VON FRANZ ZELWECKER. Amtshaus Brigittenau am 22.10.2015

Wieder einmal bewährten sich die populären Brigittenauer Operetten-Konzerte als Pflegestätte musikalischer Raritäten aus den Bereichen Operette und Wiener Musik. Diesmal standen im bis zum letzten Platz besetzten Festsaal „Operettenmelodien und mehr aus dem bewegten Leben von Franz Zelwecker“ auf dem Programm. Zelwecker (1911-1998), dessen Name allenfalls noch Radiohörern vergangener Tage etwas sagt, konnte in der Tat auf einen ungewöhnlichen Lebenslauf zurückblicken, war er doch – nach Anfangsjahren beim Vorkriegs-Rundfunk (RAVAG) und Militärdienst – von 1950 bis 1957 Hofkapellmeister bei Kaiser Haile Selassie I. in Addis Abeba/Äthiopien. Nach seiner Rückkehr nach Wien arbeitete er von 1957 bis 1976 beim ORF-Hörfunk als Dirigent und Programmgestalter in der Sparte „Unterhaltungsmusik“.
Sein umfangreiches, qualitätvolles kompositorisches Schaffen umfaßt zwei Operetten, Konzertmusik, Chansons und Wienerlieder, die an Hörer wie an Sänger/Musiker gehobene Ansprüche stellen und sich erfreulich von der musikalischen Dutzendware der Nachkriegszeit abheben.

Im Brigittenauer Konzertsaal wurden repräsentative Ausschnitte aus fast allen Bereichen seines Werkes vorgestellt. In Anwesenheit der Familie des Komponisten erklangen Melodien aus seinen Operetten „Wiener Bonbons“ (1943) und „Der Walzerkongreß“ (1968), typische Wiener Vortragslieder in klassischer „Brett’l“-Tradition sowie Instrumentalmusik. Mit großem Einsatz, Spielwitz und nicht zuletzt Gesangskultur wurde das Solistenquartett auf der Bühne den Anforderungen der so oft unterschätzten „leichten Muse“ gerecht. Die junge Mezzosopranist ELISABETH FELLNHOFER verfügt bereits über eine erstaunliche stimmliche Reife und stellte in ihren Wienerlied-Beiträgen auch ihr komödiantisches Talent unter Beweis. Die aus Georgien stammende RUSUDAN BARBAKADZE bewältigte mit ihrem Koloratursopran auch komplexe Kompositionen wie das großangelegte Walzer-Rondo „Ein Blumenstrauß aus Wien“. Nur gelegentlich erwies sich dabei die deutsche Sprache als Hemmschuh. Verblüffende Stilsicherheit und beeindruckende Bühnenpräsenz darf man dem Tenor THOMAS SCHMIDT bescheinigen. Als er mit tadelloser Stimmführung das „Lied vom kleinen Kino“ sang, folgte das Publikum gebannt jeder Nuance des Vortragenden. MANFRED SCHIEBEL kennt man als souveränen Pianisten und traumhaften Begleiter. Er gestaltete seine Klaviersoli – u.a. die „Äthiopische Rhapsodie“ im eigenen Arrangement – zu musikalischen Kostbarkeiten.

Das Publikum quittierte die gelungene Ensembleleistung aller Mitwirkenden, die ihre Musiknummern in Spielszenen eingebettet und mit Anmerkungen versehen hatten (Regie und Moderation: Thomas Schmidt), mit heftigem Beifall. Auch die zahlreichen Ehrengäste aus dem Wiener Kulturleben, darunter die Autorin MANUELA MIEBACH, die in der Pause ihre neu erschienene Beethoven-Biografie präsentierte, waren sich darüber einig, dass man sich beim nächsten Termin dieser Konzertreihe, am 10. Dezember 2015 (19:00 Uhr), wieder im Brigittenauer Amtshaus einfinden wird.
 
Manuela Miebach

Das neue Buch von Manuela Miebach „BEETHOVEN – GOTT, WELCH‘ DUNKEL HIER!  Aspekte zwischen Spekulation und Wahrheit“, erschienen im Novum-Verlag, ist im Musikhaus Doblinger (Dorotheergasse) sowie über jede Buchhandlung erhältlich.

 

 

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