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WIEN / Amadeus International School: IGUDESMAN & JOO

Spass muss sein: Mitreißendes Konzert eines musikalischen Komödianten-Duos

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Hyung-ki Joo und Aleksey Igudesmann. Alle Fotos: Martina Schmid-Kammerlander

WIEN / Amadeus International School:  Igudesman und Joo mit A LITTLE NIGHTMARE MUSIC

9. Juli 2021

Von Manfred A. Schmid

Wien hat – von der interessierten Öffentlichkeit noch weitgehend unbemerkt – ein neues Musik-Festival bekommen: Das Amadeus Festival Vienna im Park der Amadeus International School in Währing, wo früher die Ignaz-Semmelweis-Frauenklinik beheimatet war. Schon die Eröffnungsgala mit Daniela Fally hatte aufhorchen lassen. Es folgten u.a.  Sunnyi Melles und der Geiger Yury Revich sowie das Cello-Quartett Die Kolophonistinnen. Bevor das Festival nach einer Woche mit einem Auftritt des Janoska Ensembles zu Ende geht, gastierte dort das international hochgeschätzte und überaus erfolgreiche Duo Igudesman & Joo: das Beste, was es in der musikalischen Unterhaltungsbranche derzeit zu erleben gibt.

Der Geiger Aleksey Igudesman und der Pianist Hyung-ki Joo verbinden in ihrer Show A Little Nightmare Music auf humorvolle und virtuose Art und Weise klassische Musik mit moderner Popkultur. Ihr Konzert beginnt mit einem heftigen Streit – Mozart! (Igudesman) oder James Bond! (Joo). Natürlich bekommt man dann beides serviert, genial kombiniert und geschickt ineinander verschachtelt. Perfekte, höchst unterhaltsame Musical Comedy, wie man sie seit den Tagen des großen Victor Borge nicht mehr so unterhaltsam dargeboten bekommen hat. Flugs verwandelt sich da ein Klavierkonzert von Rachmaninoff in Eric Carmens Hit „All By Myself“ aus dem Jahr 1975. Und wenn (wohl nicht zufällig) von irgendwo ein Handyton erklingt, wird die Melodie wie selbstverständlich aufgegriffen und geschickt in den Vortrag eingebaut.

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Wie auf Joos‘ Aufforderung hin, Mozarts „Türkischer Marsch“ doch etwas „orientalischer“ zu spielen, Igudesman eine Verwandlung des Ausgangsmaterials bis hin zu einer Klezmer-Version vollzieht, dabei eine Art Bauchtanz vorführt und so den Marsch allmählich in ein Schlängeln über die Bühne umdeutet, ist genussvoll mitzuverfolgen. Wenn dann der auch gesanglich imposant in Erscheinung tretende Joo, sich selbst am Bösendorfer begleitend, seine Lieblingskuh („My favorite cow“) besingt und seinen kongenialen Partner dazu bringt, seiner Violine ein „Muhen“ abzutrotzen, bleibt kein Auge trocken. Klar, dass beide es dann auch schaffen, das Publikum zum Mitsingen und Mitklatschen zu animieren.

Die beiden sympathischen Musiker könnten spielend im klassischen Musikbetrieb als Solisten oder als Duo reüssieren. Das wäre ihnen aber einfach zu langweilig. Als vielversprechende Talente haben sich Aleksey Igudesman und Hyung-ki Joo schon als Zwölfjährige an der Yehudi Menuhin School in London kennengelernt, sich musikalische Späße ausgedacht, diese ihren Mitschülern vorgeführt und Lachen, Begeisterung und Bewunderung geerntet. Ein paar Jahre später haben die unzertrennlichen Freunde angefangen, mit ihrer ansteckend fröhlichen Art, Musik zu machen, die Welt zu erobern. Mit den besten Orchestern habe sie bereits zusammengearbeitet, Freunden wie Joshua Bell, Gidon Kremer, Mischa Maisky, Viktoria Mullova und Julian Rachlin ist es eine Freude, mit ihnen zusammen zu musizieren. Diesmal aber ist es ein junger Cellist, Brendan Goh, Sohn der Festivalgründerin und Intendantin, und selbst Verantwortlicher für das zum Festival gehörenden Young Artists Programme, den sie dazu einladen und auf die Bühne bitten. Das passt auch dazu, dass der Erlös der Konzerte für Stipendien verwendet wird.

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Als Überraschungsgast von Aleksey Igudesman präsentiert: der Cellist Brendan Goh

Man hört sieht und spürt in jedem Augenblick: Igudesmann und Joo wollen beim gemeinsamen Musizieren noch immer Spaß haben. Den haben sie, und das Publikum auch.

 

 

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