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WIEN / Albertina: KAISER MAXIMILIAN I. UND DIE KUNST DER DÜRER-ZEIT

14.09.2012 | Allgemein, Ausstellungen

 

WIEN / Albertina: 
KAISER MAXIMILIAN I. UND DIE KUNST DER DÜRER-ZEIT
Vom 14. September 2012 bis zum 6. Januar 2013

Der Kaiser und die Künste

Es ist kein „Maximilian-Jahr“ (erst 2019 wird sich sein Todestag zum 500mal jähren), aber angesichts der Albertina-Ausstellung möchte man das glauben. So großartig ist es, was Klaus Albrecht Schröder und seine Mitarbeiter hier auf die Beine gestellt haben. Die Präsentation des „Triumphzugs“, den man noch nie in dieser Form – in der vollen erhaltenen Länge von 54 Metern (!) – betrachten konnte, ist nicht weniger als eine Sensation.

Von Heiner Wesemann

Das Haus Habsburg    Dass Kaiser Maximilian I. nicht nur (wie die meisten seiner Nachkommen übrigens! Und wie die Vorfahren seiner Gattin Maria von Burgund) ein ehrlicher und ausgewiesener Freund der Künste war, sondern diese auch zur „Imagepflege“ seines Hauses einsetzte, ist immer wieder analysiert worden. Die Ursachen dafür liegen auf der Hand. Habsburgs Macht vom 16. bis in den Beginn des 20. Jahrhunderts hinein war damals noch keine Selbstverständlichkeit, sie musste von Maximilian, den erst zweiten „Kaiser“ des Heiligen Römischen Reichs aus seiner Familie, überhaupt geschaffen werden. Er hatte von seinem Vater Friedrich III. nur geerbt, was das Amt an Mühen mit sich brachte, nämlich Ärger mit den Fürsten und den Finanzen. Er selbst baute durch seine Heiratspolitik über drei Generationen die „Hausmacht“ gewaltig aus. Und er schuf seinen eigenen Ruhm mit Hilfe der Künste.

 

„Wer in seinem Leben kein Gedächtnis macht…“   Am Ende der Albertina-Ausstellung hat man lapidar Aussagen von Maximilian gesammelt und an die Wand geschrieben, die ihn als elementar klugen Mann mit Weitsicht ausweisen. Er wusste, dass man, wenn man denn will, dass etwas geschieht, selbst dafür sorgen muss, und genau das hat er getan. Es ist nur eine farbige Federzeichnung, die in der Fülle kostbarster Objekte vielleicht gar nicht primär ins Auge fällt. Aber ihr Inhalt ist bezeichnend: Ein unbekannter Künstler stellte dar, wie Kaiser Maximilian diktiert. Und er diktierte, was er bestimmte – etwa den Inhalt seines Triumphzugs. Die Ausstellung zeigt auch, wie er geradezu besessen war von Stammbäumen und Wappen: So wie Julius Caesar darauf bestand, von Venus und Aeneas abzustammen (obwohl er natürlich wusste, dass das Blödsinn ist), so nahm Maximilian als fiktive „Vorfahren“ in sein Innsbrucker Grabmal auch König Artus oder Theoderich auf. Alles zur Erhöhung des eigenen Machtanspruchs. Der Kaiser hat auch anderes diktiert, eigene Bücher und zweifellos unendlich viele Aufträge an Künstler. Man sollte ihn als Jäger erleben, in der Martinswand, am Thron, im Festwagen. Wusste er doch: „Darum wird das Geld, das ich für mein Gedächtnis ausgebe, nicht verloren sein“ (und „Gedächtnis“ war ihm, was wir unter „Angedenken“ verstehen).   

   
Maria von Burgund, die erste Gattin / Margarete von Österreich, die Tochter

Die Familie   Herrscher-Ikonographie wurde noch nicht groß geschrieben, aber die Habsburger rund um Maximilian sind präsent – seine Frauen, sein Vater, seine Kinder, seine Enkel, die Familie eben. Und er selbst, immer wieder von Dürer gemalt und „gestochen“ – mit der gewaltigen Hakennase, der vorstehenden Unterlippe, der entschlossenen Miene. Jenes Bild, das den Besucher der Ausstellung aber am meisten ergreift, hat Maximilian selbst nicht mehr gesehen: Er selbst auf dem Totenbett, das schmale Gesicht (die Zähne wurden ihm auf eigenen Wunsch ausgebrochen) unter einer roten Haube… Die Familie blieb – die Habsburger in Gemälden, in Büsten: aus dem „Erzherzog Karl“, eine Terrakotta-Büste des Fünfzehnjährigen, wurde vier Jahre später nach dem Tod von Maximilian jener Karl V., der als voller Nutznießer der Bemühungen seines Großvaters der mächtigste Herrscher seiner Epoche werden sollte.

Von den Künsten bis zum Krieg    Maximilian I. wurde nur 60 Jahre alt, aber er hat nolens volens alles in dieses Leben gepresst, was möglich war. Volens seine Verbundenheit mit allen Künsten und Wissenschaften, wozu die Ausstellung vieles zum Thema der Humanisten beisteuert. Nolens zum Thema Kriege, die er immer führten musste. Mochte er sich selbst als „Letzten Ritter“ geradezu vermarkten, seine Kriegsführung blickte nicht zurück, sondern nach vorne, zu neuen Waffen, neuen Strategien – anders konnte ein Kaiser nicht überleben. Die Armbrust, die man sieht, diente allerdings der Jagd. Die Rüstung wohl der Repräsentation – so wie der silberne, vergoldete, höchst kunstvolle Maximilians-Pokal: Die Albertina-Ausstellung hat unendlich vieles zusammen getragen, und die Kollegen (das KHM vor allem) waren großzügig.

 

Der Triumphzug     Das Heilige Römische Reich verstand sich als Erbe des Weltreichs der Römer, und Triumphzüge siegreicher Feldherren gehörten dort zu den Macht-Ritualen des politischen Lebens. Maximilian hat selbst detailreich den Triumphzug bestimmt, den Albrecht Altdorfer und seine Werkstatt in dreijähriger Arbeit ausgeführt haben. Von den ursprünglichen über 100 Metern (!) sind in der Albertina 54 Meter erhalten. Großartig konserviert, werden sie als langes „Band“ gezeigt, ein Prunkstück einer Ausstellungsarchitektur (Martin Kohlbauer). Für den Betrachter ist es eine Kulturgeschichte ohnegleichen, wie man zu Beginn des 16. Jahrhunderts lebte. Man weiß, dass dieser Triumphzug in der Realität nie verwirklicht wurde (das konnte sich der Kaiser doch nicht leisten, wohl nicht einmal mit Hilfe der Fugger). Doch selbst wenn er stattgefunden hätte – er wäre vorbei. Nur die Kunst garantiert die Nachhaltigkeit über Jahrhunderte. Dabei wird man die Idee nicht los, dass in unserer Zeit die Computer doch imstande sein müssten, diesen Triumphzug digital in Bewegung zu setzen und damit Maximilians Traum zu erfüllen. Und besonders schön wäre, wenn die Albertina für weitere Nachhaltigkeit auf breitester Ebene sorgte und ein breitformatiges Buch herausbrächte, in dem die vorhandenen Blätter nicht nur kleinformatig, wie jetzt in dem übrigens herausragend prachtvollen Katalog, sondern großformatig und einzeln kommentiert publiziert würden.

Bis 6. Januar 2013, täglich 10 bis 18 Uhr, Mittwoch bis 21 Uhr

 

 

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