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WIEN / Albertina: IMPRESSIONISMUS

09.02.2012 | Ausstellungen

 

Edgar Degas, Frau in einer Badewanne, um 1883          Claude Monet, Waterloo Bridge 1901

 WIEN / Albertina:
IMPRESSIONISMUS – PASTELLE AQUARELLE ZEICHNUNGEN
Vom 10. Februar 2012 bis zum 13. Mai 2012

 Ein Stil und eine Weltanschauung

 Früher hätte er wahrscheinlich eine „Susanna im Bade“ gemalt, heute male er eine „Frau in einer Badewanne“, sagte Edgar Degas, und wahrscheinlich kann man das Prinzip der Impressionisten, das sie von der ganzen davor liegenden französischen Malerei abgrenzte, nicht kürzer und prägnanter ausdrücken. Denn der Impressionismus, der eine der populärsten Bewegungen in der gesamten Geschichte der Kunst ist, bezieht sich nicht nur auf eine Form des – verallgemeinert gesprochen – lockeren Pinselstrichs, der die glatten Flächen der akademischen Malerei aufhob. Er war auch eine Weltanschauung, die im üppigen Zweiten Kaiserreich der Franzosen den Pomp aufbrach zu Gunsten der Einfachheit, die Kunstmenschen durch echte Menschen ersetzte, arkadische Landschaften wegfegte und das hinstellte, was Maler im Freien sahen und aus dem direkten Eindruck heraus schufen. Dem „Impressionismus“ widmet die Albertina nun eine Großausstellung – aber eine der anderen Art.

 Von Renate Wagner

 Zurück zur Graphik     Die Albertina besinnt sich auf ihre Anfänge: Als Klaus Albrecht Schröder das Haus übernahm, war es noch – glanzvoll und als solche legendär –die „größte graphische Sammlung der Welt“. Mittlerweile reichlich mit Ölgemälden beschenkt und solcherart zu einem „normalen“ Museum ausgeweitet, ist dennoch die Graphik, ihre Eigengesetzlichkeit und die Behauptung ihres ersten Ranges unter den Kunstgenres immer eines der wesentlichen Anliegen des Direktors geblieben. 40 Prozent aller Werke, die unter dem Begriff des „Impressionismus“ entstanden sind, waren Pastelle, Aquarelle und Zeichnungen, erzählt Kurator Christopher Lloyd. Und unter diesem Motto wurden die hier versammelten Prunkstücke zusammengestellt.

 Zielführende Zusammenarbeit    Bereits zum dritten Mal arbeitet die Albertina mit dem Milwaukee Art Museum in den USA zusammen. Nach Rembrandt und Biedermeier ist die Graphik des Impressionismus die jüngste Schau, die gemeinsam entstand. Für die Albertina bedeutet das zweifellos, dass man einen Teil der Arbeit (Kurator Christopher Lloyd) auslagern und unter den rund 60 (!) Leihgebern extrem vieles aus den USA holen kann. Allerdings wurde die Ausstellung für Wien überarbeitet (Kuratorin Christine Ekelhart), und man hat schließlich gut 30 eigene Blätter zu den 200 Werken beigesteuert, die hier zu sehen sind. Sie wurden in besonders überzeugender Form in den Kellerräumen der Bastei- und Pfeilerhalle „angerichtet“, die durch ihre Intimität besonders für Ausstellungen geeignet sind, die sich nicht nach Riesenwerken orientieren.

 Der Zauber der Graphik    Die Ausstellung bietet nur ein einziges Ölgemälde: die „Waterloo Bridge“ von Claude Monet funkelt dem Besucher mit ihren Brechungen des Lichts in der Themse schon im ersten Raum entgegen. Aber es ist paradigmatisch für diese Ausstellung, dass links und rechts von diesem Monet in Öl zwei Versionen des Themas in Pastellfarben hängen. Die Zeichnung dominiert mit  Bleistift, Kreide, Rötel. Aquarelle entfalten ihren eigenen Zauber. Aber vor allem die Pastelle in ihrem Farbenrausch fangen die Besucher ein und scheinen noch leichtfüßiger vor den Augen zu tanzen als die legendären Ölgemälde des Impressionismus. Diese Pastelle sind, wie Schröder sagt, heller als die Ölfarben, und sie hatten, wie Lloyd erklärte, für die Künstler (und die Kunsthändler) einen entscheidenden Vorzug: Sie waren wesentlich schneller herzustellen – bei ähnlicher Wirksamkeit.

 

 Edouard Manet, Dame im Pelz, um 1880        Henri de Toulouse-Lautrec, Frau beim Anziehen eines Strumpfes, 1894

 Prominenten-Parade    Die Gliederung der Ausstellung erfolgt nicht nach thematischen Zusammenstellungen, sondern nach den Künstlern, was sinnvoll ist, denn jeder entfaltet hier seine eigene Welt und Persönlichkeit. Ob Edouard Manet zu Beginn, ob Claude Monet (dessen „Dame im Pelz“ als Pastell so leuchtet, wie es kein Ölgemälde intensiver vermöchte), ob Renoir, dessen Anmut in den Skizzen besonders herauskommt, oder Degas, dem für seine Tänzerinnen, seine Jockeys und seine schönen Nackten Schwerpunkte gewidmet sind, ob die Zeichnungen von Georges Seurat, die mit der Schwärze der Kohle enorme Wirkung erzielen, oder schließlich – als zu erwartender Höhepunkt – die Welt des Henri de Toulouse-Lautrec.

 Welt und Halbwelt   Nicht nur er hat sich in die „Halbwelt“ begeben, die im Leben eine so große Rolle spielte und doch in bürgerlicher Verlogenheit unter den Tisch gekehrt wurde: Das Aquarell „Der Kunde“ von Jean-Louis Forain fällt ins Auge, wo sich in einer demütigenden Szene die leichten Mädchen halbnackt dem prüfenden Blick eines feisten Alten darbieten müssen… Thematisch eindeutig aus dem Rahmen fallen hier die Werke von Odilon Redon, dessen düstere, schon surreale Graphiken weit mehr Verwandtschaft mit Kubin aufweisen als mit dem, was man gemeiniglich unter Impressionismus versteht.

    Jean-Louis Forain: „Der Kunde“

 Schatzkammer       Jedenfalls führen alle vertretenen Künstler in ihrer Stil- und Themenfülle die Besucher der Albertina in eine teilweise unbekannte Schatzkammer des Impressionismus ein, wie man sie sich nur erträumen kann. Mit einem einzigen Besuch allein ist die Ausstellung kaum zu bewältigen – für die Nachbereitung steht jedenfalls ein prachtvoller Katalog aus dem Dumont Verlag bereit.

 P.S. Bekessy     Hat man beim Abstieg in das Untergeschoß tatsächlich die Bezeichnung „Antal de Bekessy Galleries“ entdeckt? Bedeutet das, dass der berühmter New Yorker Mäzen, der sich schon beim Belvedere bei verschiedener Gelegenheit hilfreich eingestellt hat, nun auch für die Albertina gewonnen werden konnte? Klaus Albrecht Schröder wird es uns wissen lassen, wenn es „offiziell“ ist…

 Bis 13. Mai 2012, täglich 10 bis 18 Uhr, Mittwoch bis 21 Uhr

 

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