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WIEN / Akzent: EINE PORNOGRAFISCHE BEZIEHUNG

09.04.2019 | KRITIKEN, Theater


Foto: Lalo Jodlbauer

WIEN / Akzent:
EINE PORNOGRAFISCHE BEZIEHUNG
Beziehungskomödie von Philippe Blasband
Eine Produktion von „HIN & WEG ON TOUR“ und den „Juggernauten“
Premiere: 21. März 2019,
besucht wurde die zweite Vorstellung am 9. April 2019  

Seit es Männer und Frauen gibt, basteln sie an ihrer Beziehung. Da ist die Liebe, da ist der Sex (oder beides gleichzeitig), da ist die Ehe möglich oder die offene Zweier-Beziehung (das eher nicht gleichzeitig) – und alles ist schon entsetzlich schief gegangen. Nun ist den Menschen immer wieder eingefallen, Sex einfach „abzukoppeln“ – ohne den Druck der Liebe, ohne die Belastung einer Beziehung. Sex eben. Darum geht es in der „Beziehungskomödie“ von Philippe Blasband, die sich so griffig „Eine pornografische Beziehung“ nennt.

Ganz neu ist das, was jetzt in einer Tournee-Aufführung auf die Bühne des Akzents gekommen ist (damit reist man leicht, zweimal Tisch und Sessel, einmal ein Schrank, der sich zum „stehenden“ Bett aufklappt), wirklich nicht. Das hat man vor zwei Jahrzehnten schon mit Nathalie Baye und Sergi López im Kino gesehen – und es hat schon damals nicht überzeugt. Im Film gab es noch ein paar Figuren mehr. Wann Drehbuchautor Philippe Blasband das zu einem Zwei-Personen-Stück eingedampft hat, ist schwer festzustellen und auch ziemlich unwichtig.

Worum geht es? Die Frau will „ihre Phantasien“ ausleben (aber nein, man erfährt absolut nicht, worin sie bestehen), gibt ein Sex-Inserat auf, ein Mann antwortet, sie gefallen sich im Kaffeehaus, er wäre an sich zögerlicher als sie, aber sie landen schnell im Hotel. Und haben Sex.

Immer wieder, obwohl – das ist der einzige interessante Aspekt – beide die Sache ziemlich nüchtern sehen. Unromantisch. Eigentlich würde man annehmen, dass sie es schnell wieder bleiben lassen. Aber dann leistet sich der Autor die unglaubwürdige Pointe: Sie verlieben sich. Beide. Und aus dem unsäglichen Missverständnis, dass keiner glaubt, dass der andere es so ernst meint wie man selbst, trennen sie sich. Das war’s.

Das dauert auf der Bühne eineinviertel Stunden, die nicht eben kurzweilig sind. Das „Keyfoto“ der Produktion zeigt Katharina Stemberger mit wehender Hexen-Haarpracht, die einiges Aufregende verspricht. Es wird nicht eingelöst, ebenso wenig wie der rätselhafte Blick von Andreas Patton. Beide sind gute Schauspieler und gute Sprecher, und dennoch gelingt es ihnen in der Regie von Hans-Peter Kellner nicht, Spannung und Stringenz in die Geschichte zu bringen. Sie plaudern sie herunter.

Sicher, höchstwahrscheinlich ist in dem Stück nicht mehr drin. Aber man muss es ja nicht spielen. Wenn man es genau nimmt, hat es nämlich zum allgemeinen Beziehungsexperiment, das sich „Mann & Frau“ nennt, rein gar nichts beizutragen.

Dem Wiener Publikum gefallen Schauspieler immer, also gab es bei der zweiten Vorstellung sehr herzlichen Applaus. Obwohl „Porno“ versprochen und Langweile geliefert wurde…

Renate Wagner

 

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