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WIEN / Akademietheater: HeltAUSSERDEM! Es ist immer jetzt

01.01.2012 | Theater



WIEN / Akademietheater: 
HeltAUSSERDEM! Es ist immer jetzt
Chansons und mehr
Michael Heltau und die Wiener Theatermusiker
Premiere: 31. Dezember 2011,

besucht wurde die Vorstellung am 1. Jänner 2012 

Immer wieder Heltau, immer wieder in reichem Maße Bekanntes, und immer wieder neu. Es liegt an der Interpretation, es liegt am Live-Erlebnis, das dieser Künstler (für den der Begriff „Entertainer“ zu kurz greift, weil er viel mehr ist) stets von neuem vermittelt.

Heltau trägt für sein jüngstes, „HeltAUSSERDEM! Es ist immer jetzt“ genanntes Programm diesmal nicht Zylinder oder einen eleganten Panamahut, sondern einen ganz weichen weißen Hut und Jeans, ist unglaublich schlank und einfach zeitlos, wie er da auf der Bühne steht und jedes technische Virtuosenstück (Schnellsprechen – wui!) ebenso abruft wie jede Stimmung. Nein, nicht abruft, auch nicht erzeugt, sondern einfach spürbar macht. Das ist natürlich auch Technik (können muss man es), vor allem aber ist es die Bereitschaft, alles zu geben.

Er beginnt mit Brecht, und weiß der Teufel, wie er von Bills Ballhaus in Bilbao innerhalb weniger Takte im „Kleinen Hotel auf der  Wieden“ ist, das schiere Wunder an Übergängen. Räumlich und stilistisch ist Heltau überall zuhause, seine Persönlichkeit bindet alles. Er singt von Liebe, er singt von Trennung und Verlust, er kann einem das Herz schwer machen und wiederum hellauf lachen lassen. Wenn er in einer „Leharmonie“ die tragischen Arien parliert und die Soubretten-Erkenntnisse wie Weisheiten klingen lässt, sind das unvergessliche Augenblicke – und eine rote Rose flog auf die Bühne. Ob er „Parlez moi d’amour“ singt oder den Zuschauer ins rasend drehende Karussell mitnimmt, Heltau ist der Magier, der jeden Abend das Publikum von neuem mit seinem Zauber belegen kann. Neben mir sagt eine Dame: „Da möchte man weinen, weil’s so schön ist.“ Ja, so geht es mir auch…

Man erwähne noch die Wiener Theatermusiker, dieses außerordentliche Septett, jeder einzelne von ihnen (mancher mit seinem Instrument mit Heltau regelrecht im Dialog) ein Meister. Was man weiß, aber nicht vordergründig bemerkt und auch nicht merken muss: Wie außerordentlich hoch das künstlerische Niveau des Gebotenen ist.

Am Ende hat man geseufzt und gelacht, und in manchem Zwischentext wurde man aufgefordert, einfach mitzudenken. Denn Heltau ist immer auch ein Philosoph: „Und was ist jetzt, meine Damen und Herren? Jetzt ist jetzt. Und was schließen wir daraus? Es ist immer jetzt. Es bleibt jetzt. Es wird nicht später.“

Das gilt für niemanden mehr als für Heltau, den ewig Neuen, selbst.

Renate Wagner

 

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