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WIEN / Akademietheater: DIE SCHNEEKÖNIGIN

17.11.2014 | Theater

Schneekönigin Szene 
Alle Fotos: Barbara Zeininger

WIEN / Akademietheater des Burgtheaters: 
DIE SCHNEEKÖNIGIN frei nach Hans Christian Andersen
Premiere: 15. November 2014,
besucht wurde die zweite Vorstellung am 16. November 2014 

Im Vorjahr gab es hier den „Gestiefelten Kater“, und der war wenigstens flott und lustig. Was die „Schneekönigin“ sein soll, die das Burgtheater heuer als Weihnachtsmärchen ins Akademietheater schickt, ist hingegen schwer auszumachen. Poetisch sicher nicht, lustig auch nicht, und die Moral von der Geschicht’ – kaltes Herz wird wieder warm oder dergleichen – offenbart sich auch nicht überzeugend. Selbst wenn zumindest die dicke Freundschaft, die Gerda und Kai verbindet, so dass sie ihm in die Eiseswelten der Schneekönigin nachfolgt, um ihn zu retten, den Kindern möglicherweise einsichtig ist – von der Machart kann man es kaum behaupten.

Annette Raffalt, Überbleibsel aus Hartmann-Zeiten (es ist ja sehr anständig, keine Sippenhaftung zu betreiben, aber für die Arbeit am Burgtheater sollten doch eher Qualitätskriterien zählen), hat die nicht sehr bekannte und nicht sehr überzeugende Geschichte von Hans Christian Andersen „frei“ bearbeitet. Das bezieht sich wohl auf das nervtötende Kobold-Trio Wolke, Alfons und Gogo, die wirklich nicht aus der Welt der herzlichen Komik, sondern aus jener der Kretzen zu kommen scheinen – ekelhaft schrille und ordinäre Geschöpfe, die eigentlich nur dazu beitragen, den Geschmack der Kinder schon von frühester Jugend an zum Ekligen zu verformen.

Wenn es dann um die Schneekönigin geht, dann fehlt dem Geschehen jeglicher poetischer Glanz (auch das Böse kann nämlich verführerisch sein) – aber die Reizlosigkeit der Bühne von Bernhard Kleber und der Kostüme von Ele Bleffert ist schwer zu unterbieten. Märchen? Was heißt das heute?

Schneekönigin Alina Fritsch  Schneeklönigin Stefanie Dvorak
 Alina Fritsch / Stefanie Dvorak

Alina Fritsch, auf die man einige Jahre lang in Reichenau positiv aufmerksam wurde, kann hier als leidenschaftlich liebendes Mädchen Gerda wenig vermelden, und warum sie dem tumben Kai (der tumbe Tino Hillebrand) nachläuft, versteht man ohnedies nicht. Die „Kretzen“ nerven, und so bleibt nur eine Überraschung: Dass Stefanie Dvorak, die ja meist nur ihren drastisch-wienerischen Charme zeigen darf, tatsächlich eine Schneekönigin von klirrender Würde sein kann, mysteriös und bedrohlich, verführerisch und keinen Hauch lächerlich.

Schön für die Titelheldin, aber keine Rettung für den Abend. So darf ein Kindermärchen nicht ausfallen.

Renate Wagner

 

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