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WHO KILLED MARILYN?

01.08.2012 | FILM/TV

Ab 3. August 2012 in den österreichischen Kinos
WHO KILLED MARILYN?
Poupoupidou  /  Frankreich  /  2011
Regie: Gérald Hustache-Mathieu
Mit: Jean-Paul Rouve, Sophie Quinton u.a.

Wenn der Sommer gar zu heiß wird und man ins klimatisierte Kino flüchtet, legt der Film „Who killed Marilyn?“ noch eins drauf. Er spielt im angeblich kältesten Ort Frankreichs, im Jura-Gebirge, an der Schweizer Grenze, und es schneit den ganzen Film lang, man rutscht auf glatten Straßen mit dem Helden – und die Leiche der schönen Blondine wird unter dickem Eis gefunden. Krimi-Autor David Rousseau, dem es an einem Sujet für sein nächstes Buch mangelt, ist am Ort, um angesichts der Toten ein Marilyn-Parallel-Schicksal zu recherchieren. Für einen Krimi läuft der französische Film allerdings extrem langsam und nicht sehr spannungsreich, er ist eher Kleinstadtstory und Psychologie über einen Mythos, der sich in den Köpfen der Menschen festsetzt.

Man lernt also David Rousseau kennen, einen etwas trüben Helden. Er ist in das berüchtigt kalte Dorf  Mouthe gekommen, in der Hoffnung, etwas von einer verstorbenen Verwandten zu erben. Tatsächlich geht das Vermögen an die Gemeinde, und ihm bleibt ein ausgestopfter Hund, den er in die Mülltonne stopft. Dann wird die Leiche von „Candice Lecoeur“ gefunden (die einmal schlicht Martine Langevin hieß und braunhaarig an der Tankstelle arbeitete): Als Werbemodel für den lokalen Käse und dann als „Wetterfrosch“ des lokalen Fernsehsenders genießt sie Berühmtheit – die ortseigene Monroe, die sie in allen Details nachgeahmt hat. Als sich Rousseau auf die Spuren ihres rätselhaften Todes setzt, den alle im Ort (außer ein junger Polizist) für Unglück oder Selbstmord erachten wollen, entdeckt er mehr: Die junge Frau hat sich für eine Art von Inkarnation von Marilyn gehalten und deren Leben regelrecht nachgelebt. Bis zu dem Tod, an dem – hier zumindest – lokale Politiker nicht ganz unbeteiligt sind… ganz wie in der Realität? (Das würde man nicht zu behaupten wagen, die Arme der Kennedys reichen weit.)

Die tote Marilyn begegnet uns in Gestalt von Sophie Quinton sowohl in Rückblenden wie als „Stimme aus dem Jenseits“ (wie sie aus ihren Tagebüchern zu hören ist): Mit ihrem Katzengesicht sieht sie dem Original nicht wirklich ähnlich, aber man weiß ja, was blonde Haare plus richtige Frisur, das Makeup, vor allem aber charakteristische Körpersprache bewirken: Marilyn war so eigen, dass sie in diesen Eigenheiten natürlich auch ganz leicht nachzuahmen ist. Vor allem aber zeigt Sophie Quinton das normale schlichte Mädchen, das in dieser Folie steckt – und wie mit der Verwandlung in den Star sich auch das Unglück an die Fersen der nun anderen Frau heftet…

An ihr und ihrer durchaus feststellbaren Intensität liegt es nicht, dass der Film von Regisseur Gérald Hustache-Mathieu dennoch höchst erdenschwer wirkt: Wahrscheinlich ist Jean-Paul Rouve nicht der Typ für einen Helden, der das ganze Geschehen tragen sollte – dafür ist er einfach nicht interessant genug. Guillaume Gouix gibt den jungen Polizisten, der sich als einziger auf seine Seite stellt, wenn sich die verdächtigen Indizien rund um die Provinz-Marilyn puzzleartig zusammen setzen.

Ist der Fall gelöst (nicht sehr überraschend übrigens), darf der Autor wieder abreisen, mit einem Buch im Kopf, und der Zuschauer darf aus der Eiseskälte des französischen Winters zurück in den heimischen Sommer, ohne einen besonders tollen Film gesehen zu haben. Aber dank seines Titels wird der Streifen zweifellos sein Publikum finden – denn da waren die Deutschen einmal kreativ. Das französische Original, „Poupoupidou“, braucht einige Monroe-Kenntnis, und nicht jeder wird erkennen, dass Marilyn diese Phrase in ihrem Song „I wanna be loved by you“ haucht. Bringt man aber „Marilyn“ (es kann nur eine geben) und den Begriff „killen“ zusammen – das hat so zündende Initialwirkung, dass man zur Kinokasse strömt. Auch wenn’s eine Art Etikettenschwindel ist!

Renate Wagner

 

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