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WER’S GLAUBT, WIRD SELIG

14.08.2012 | FILM/TV

Ab 17. August 2012 in den österreichischen Kinos
WER’S GLAUBT, WIRD SELIG
Deutschland  /  2012 
Regie: Marcus H. Rosenmüller
Mit: Christian Ulmen, Nikolaus Paryla, Hannelore Elsner, Marie Leuenberger u.a.

Die Bayern, die Frömmigkeit und der Fremdenverkehr – das gibt einen überraschenden Komödienmix, der von Regisseur Marcus H. Rosenmüller mit so unverfrorener Frech-Fröhlichkeit auf die Leinwand gebracht wurde, dass man ihm seinen verfahrerenen Schikaneder-Flop („Sommer der Gaukler“) nur verzeihen kann. Bayern hier und jetzt ist wohl des Regisseurs unleugbare Stärke…

Man wird nach Hollerbach versetzt (gibt’s das? Vermutlich nicht – der Ort ist als Gleichnis zu nehmen), und ganz am Ende des Films wird man wissen, wen das etwas altmodische, aber herzige Riesenplakat bei der Ortseinfahrt zeigt, auf dem zwei Skihaserln verkünden, dass man es hier mit einer Perle des Wintertourismus zu tun hat. In der Gegenwart ist das längst nicht mehr so, inzwischen ist man von Gott verlassen, wie der Betreiber des Wirtshauses des Orts einem geistlichen Herren erzählt, den er bekocht und ihm dabei sein Leid klagt. Auch da ist man, wenn man sich durch ergötzliche Rückblenden durchgearbeitet hat, klüger als zuvor, aber es sei verraten – der Gast ist niemand anderer als seine Heiligkeit Papst Innozenz XIV. – und dass es keinen bayerischen Papst geben kann, wird ja wohl niemand behaupten… Am Ende würde der sich wirklich um die Nöte seiner Landsleute-Schäfchen kümmern, wenn er denn Zeit hätte. Aber in Drehbüchern ist ja glücklicherweise alles erlaubt.

Da legt der Wirt namens Georg also eine große Beichte ab, und man muss hier schon erwähnen, dass es sich bei dem Darsteller um den ganz und gar nicht bayerischen und auf seine bekannte Art flapsig-komischen Christian Ulmen handelt. Sein hinterfotziger,  trockener (und dabei im Grunde Kabarettisten- Intelligenz sprühender) Humor ist wieder einmal perfekt eingesetzt.  Georg hat einst hier eingeheiratet (in Marie Leuenberger hat er eine so liebenswerte wie persönlichkeitsstarke Gattin, die ihm das Leben nicht leicht macht), und er musste als neuer Einheimischer den Abstieg des Ortes mitansehen. Kein Schnee, kein Tourismus, kein gar nichts, nur eine Handvoll Dorfbewohner (Lehrer, Polizist, Fleischhauer – und der Bestatter ist hier unter den „üblichen Verdächtigen“ einer solchen Gemeinschaft ganz wichtig), die beim Bier große Reden führen…

Ja, und eine Schwiegermutter hat der Georg auch, vielmehr, er hatte sie, und man erlebt sie in Gestalt der überfrommen, überbigotten und überlästigen Hannelore Elsner noch ausführlich, bevor sie der Schlag trifft. Genau genommen ist es ja so, dass sie in ihrem mit Devotionalien gefüllten Zimmer direkt neben dem Schlafzimmer der Tochter haust, und als diese und ihr Gatte einmal – im Bett etwas beweglich sind, so dass die Wand wackelt, wird Schwiegermutter Daisy von einem ihrer Kreuze erschlagen. Und nun spinnt der Film die abenteuerliche Idee aus, Daisy für heilig erklären zu lassen und aus dem Skiort eben einen Wallfahrtsort zu machen, Hauptsache, die Touristen kommen…

Die bayerisch-dörfliche Schelmengeschichte setzt nicht nur aus Rom einen Priester in Gang, der sich von seinem Schauspieler-Bruder ersetzen lässt, der wiederum mit der Rolle des Vatikan-Gutachters ziemlich überfordert ist (Fahri Ögün Yardim bewältigt die Doppelrolle köstlich), sondern irgendwann auch seine Heiligkeit: Nikolaus Paryla bringt geradezu göttlichen Humor für seine Präsenz mit, und solcherart wird das Ganze nie blöd und peinlich, was ja – dergleichen ist ein Tanz auf dem Seil – jede Sekunde hätte passieren können .

Tatsächlich ist die Satire auf den Versuch, auf den „Heiligen“-Zug aufzuspringen, eine inszenatorisch bemerkenswert ausgewogene Sache, die ihre Geschichte über weite Strecken brüllend vergnüglich erzählt, ohne die bayerischen Kleinstädter oder die katholische Kirche dem Hohn preiszugeben oder im Niveau untergriffig zu werden.

Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott – dafür hat Gott (vielleicht dank hoher Fürsprache, jedenfalls als schöne, verdiente Drehbuch-Wende fürs Finale) noch eine Schlusspointe bereit, ohne dass der Fall von Daisys erfundener Heiligkeit weiter strapaziert werden muss.

Renate Wagner  

 

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