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VIVA VERDI. Ein biographischer Opernführer

30.12.2012 | buch

Georg Titscher:
VIVA VERDI
Ein biographischer Opernführer
352 Seiten. Amalthea Verlag, 2012 

Die Buch-Ernte des Verdi- und Wagner-Jahres wird so reich sein (sie ist es bereits), dass Autoren und Verlage gut daran tun, sich einen speziellen Aspekt der Betrachtung einfallen zu lassen. Dr. Georg Titscher, im Hauptberuf Arzt, daneben mit Leidenschaft für Musiktheater gesegnet, entschied sich für einen „biographischen Opernführer“ über Giuseppe Verdi.

Das macht aus doppeltem Grund Sinn. Einerseits ist die Opernwelt so reich bestückt, dass große Opernführer schon aus Platzgründen immer nur die Hauptwerke berücksichtigen – zumal bei einem Mann wie Verdi mit seinem reichen Schaffen (Vielschreibern wie etwa Donizetti geht es noch schlechter). Das heißt, dass Frühwerke oder weniger erfolgreiche Werke – wenn überhaupt – mit ein paar Sätzen abgefeiert werden.

Andererseits aber ist es nicht nur dem Publikum, sondern glücklicherweise auch den Opernschaffenden mittlerweile langweilig geworden, immer dasselbe Populäre zu produzieren bzw. vorgesetzt zu bekommen. So wurde auch der frühe Verdi „entdeckt“ (wenn auch noch nicht so flächendeckend, dass er das Repertoire mitbestimmte). Und dazu gibt es im allgemeinen zu wenig Information.

Titscher behandelt nun Verdis Opernschaffen von Werk zu Werk chronologisch, aber ausführlicher als sonst: Indem er nach einer genauen, aktweisen Schilderung des Inhalts biographisch die „Entstehung“ schildert, im „Kommentar“ quasi Überlegungen zum jeweiligen Hintergrund des Werks anstellt und schließlich in „Interpretation und Analyse“ die Figuren sozusagen auf die Couch des Psychoanalytikers legt, was grundsätzlich sehr interessant ist. So versucht er beispielsweise anhand vieler Details zu begründen, warum – es ist eine ewige Frage der Opernfreunde! – Othello so schnell im Glauben an seine treue und liebenswerte Gattin wankend gemacht werden kann, dass er einfach mordet, statt nur einen Moment vorher nachzudenken, was er da tut und aufgrund welcher Indizien…Titscher erklärt, wie Jago die völlige Destabilierung Othellos gelingt, indem Eifersucht mit Verlustangst, Minderwertigkeitsgefühl und daraus resultierender Aggression zur tödlichen Mischung wird…

Sicher, der Versuch, Opernfiguren näher zu befragen, ist nicht neu (mittlerweile tun es ja, mit unterschiedlicher Geschicklichkeit, auch die meisten Regisseure), aber Fans interessieren sich immer dafür, möglicherweise auf neue Ideen gebracht zu werden.

Das Buch bietet die biographischen Daten zweispaltig, parallel zu Verdis Leben wird das Musikgeschehen aufgeführt, man erkennt solcherart auf einen Blick, dass die Uraufführung von „Falstaff“ mit der Geburt von Karl Mays „Winnetou“-Romanen zusammenfällt… Das Personenverzeichnis ist kommentiert, bringt mehr als nur die Namen. Das Verzeichnis von CDs und DVDs der einzelnen Werke ist allerdings nicht einmal annähernd vollständig, aber da dieser Markt immer in Bewegung ist, sind solche Verzeichnisse ja meist schon überholt, bevor sie in Druck erscheinen.

Renate Wagner

 

 

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