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Vesselina Kasarova: ICH SINGE MIT LEIB UND SEELE

27.06.2012 | buch

Vesselina Kasarova:
ICH SINGE MIT LEIB UND SEELE
Über die Kunst, Sängerin zu sein.
Gespräche mit Marianne Zelger-Vogt
217 Seiten,
Bärenreiter-Verlag / Henschel Verlag 2012

Hier scheint so etwas wie eine hoffnungsvolle Serie zu beginnen, die sich den großen Sängern der Gegenwart auf hohem Niveau widmet. Mit der bulgarischen Mezzosopranistin Vesselina Kasarova hat man begonnen, das zweite, in gleicher Weise ausgestattete Buch über Koloratursopranistin Edita Gruberova ist auch schon am Markt. Ist jenes über die Slowakin eine chronologische Biographie, so wählte Marianne Zelger-Vogt, Kulturredakteurin der Neuen Zürcher Zeitung, für den Hauptteil des Kasarova-Buches die Form des direkten Frage-und-Antwort-Gesprächs. Das ist natürlich auch eine legitime Möglichkeit, alle Probleme, die sich im Rahmen einer Künstlerkarriere stellen, anzuschneiden.

Kritikerin und Sängerin kamen übrigens, abgesehen von den üblichen Interviews im Lauf einer nun auch schon über zwei Jahrzehnte dauernden Karriere, auf seltsame Art zu ihrem Vertrauensverhältnis. Als Marianne Zelger-Vogt einmal durchaus kritisch über Vesselina Kasarova schrieb, rief diese sie an – nicht, um sich zu beschweren, sondern um sich zu bedanken, dass sie auf etwas Wichtiges aufmerksam gemacht worden sei.

Dahinter steht natürlich die jahrzehntelange Kompetenz der Kulturjournalistin, die weiß, was sie zu fragen und wie sie Gespräche zu lenken hat. Und die Kasarova gibt, das muss man schon sagen, einfach immer die richtige Antwort. Sie berichtet stets von ihren Erfahrungen und offenbart sich als souverän im Umgang mit Stimme, mit Umwelt, mit Karriere, mit Prioritäten des Lebens. Wahrscheinlich ist dieses Buch für junge Sängerinnen besonders interessant, die hier wirklich Richtlinien erhalten, wie man mit den Anforderungen und Problemen des Berufs am besten umgeht – und was man tunlichst vermeidet.

Die letzten 50 Seiten des Buchs widmet Marianne Zelger-Vogt dann einer chronologischen Aufzeichnung von Vesselina Kasarovas Karriere vom Beginn bis heute, da sie ins dramatische Fach einsteigt (mit Venus, schon gesungen, mit Eboli, mit der Amneris vor Augen). Damit die Aufzählung von Engagement zu Engagement nicht zu trocken wird, gibt es auch persönliche Einschübsel – es ist doch ein interessantes Detail eines Lebens, dass der Vater als Fernfahrer der Tochter ein Klavier aus dem Ausland mitgebracht hat, dass er später als Taxifahrer eine berühmte Gesangslehrerin ansprach und damit dem Leben der Tochter einen entscheidenden Anstoß gab: Ressa Koleva wurde die Lehrerin, die das Können der Kasarova in die richtigen Bahnen lenkte. Auch das Privatleben (Gatte und Sohn) ist so eingebracht, dass der Leser informiert wird, ohne dass man mit kitschigen Homestory-Details belästigt würde. Dieser Verlag geht das Thema „Sänger“ dankenswerterweise hoch solide an.

Das Buch, das bis in das Jahr 2011 reicht, bietet am Ende auch Verzeichnisse über Rollendebuts, Hausdebuts, Diskographie und DVD-Aufnahmen, genau, wie man es gerne mag.

Renate Wagner

 

 

 

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