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VERBIER-Festival: CARMEN – konzertant

26.07.2016 | Oper

CARMEN (konzertant), Verbier Festival am 25. Juli 2016

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Kate Aldrich, Dmytro Popov, Sylvia Schwartz. Copyright: Nicolas Brodard

Charles Dutois halbszenisch-konzertante Carmen Aufführung am Verbier Festival war ein musikalischer wie auch ästhetischer Höhepunkt. Das Besondere; bei einer konzertanten Aufführung fehlen die visuell szenische Realisierung und der Zuhörer kann sich auf die Interpretation der Gesänge, auf die eingängigen Opernarien und auf das Spiel des Orchesters konzentrieren. Das disziplinierte Publikum unterbrach das Orchester und die sängerische Glanzleistungen nicht durch sofortigen Beifall nach jeder Arie, sondern dann, wenn der Maestro es zuliess.

 Bewundernswert war die Genauigkeit, in der das VERBIER FESTIVAL ORCHESTRA unter der profunden Leitung seines Maestros die Musik feinfühlig aufgriff und von zarter kammermusikalischer Begleitung bis hin zum stark dynamisch abgestuften Tempo auftrumpfen liess.

Die Musik, die sich immer wieder an Stierkampfarena, Militärmusik oder einfach an festlich geselligen Auftritten bis hin zu dramatischen und leidenschaftlichen Szenen anlehnt, gewann noch mehr an Brillanz und Temperament durch das hochmotivierte jugendlich frische Orchester. Die jungen Musiker engagierten sich gekonnt und voller Elan und schafften Leuchtkraft und Durchdringlichkeit zugleich.

Der dramatisch vibrierende Atem war dank den herausragenden Solisten Kate Aldrich als Carmen und Dmytro POPOV als Don José sichtlich spürbar. Sie besass schon vom ersten Moment an eine stolze Präsenz und in der “Habanera” und “Seguidilla” verführerische Leichtigkeit. Und er steigerte sich in Leidenschaftsausbrüche, trumpfte kraftvoll auf und sang eine elegante “Blumenarie”.

Kate Aldrich hat die Carmen schon sehr oft gesungen und doch hatte man nie den Eindruck es hätte sich Routine in ihrer Interpretation eingeschlichen. Im Gegenteil, sie zeigte Leidenschaft, Temperament und musikalische Kraft. Sie verfügt nicht wirklich über einen sehr tiefen Mezzosopran, für das ihr Kritiker eher eine zu leichte Stimme für die Carmen attestieren. Sie gefällt trotzdem, weil sie der Hauptfigur Präsenz und Ausdruckstärke verschaffte gepaart mit einer schön geführten Stimme.

Eine mindestens so grosse Bereicherung für die Aufführung waren der Escamillo von Laurent NAOURI und die glänzende Micaëla von Sylvia SCHWARTZ die durch stimmliche Perfektion und szenischer Zuverlässigkeit aufhorchen liessen.

Homogen wurden die Solisten von Julie PASTURAUD (Mercédès) Florie VALIQUETTE (Frasquita) Francis DUDZIAK (Le Dancaïre) François PIOLINO (Le Remendado) Jean-Luc BALLESTRA (Moralès) David SHIPLEY (Zuniga) ergänzt, die durch Einfühlvermögen und rhytmische Unbeschwertheit auffielen. Die bestens vorbereiteten Chöre „MASTERVOICES“ (musikalische Leitung Ted Sperling) und der „CANTIAMO“ DE L’ÉCOLE DE CHANT DU HAUT-VALAIS (musikalische Leitung, Hansruedi Kämpfen) fügten sich klangschön in diese sehr perfekte Aufführung ein.

Die konzertanten Opern sind beim Festival Verbier ein fester Bestandteil geworden und locken seit Jahren ein illustres Publikum in die Walliser Berge. Die Besucher goutierte die Aufführung mit begeisternden stehenden Ovationen.

Marcel Paolino

 

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