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VALER SABADUS – The Oehms Classical Recordings / 4 CDs

17.01.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

4260034860117kl VALER SABADUS singt Hasse, Pergolesi, Dowland, Purcell und Mozart – The Oehms Classical Recordings 4 CDs

Es gibt Stimmen, die sind für das Aufnahmestudio wie geschaffen, und andere, die auf der Bühne ebenso beeindruckend sind, hinterlassen auf Tonträger oftmals einen zwiespältigen Eindruck bzw. enttäuschen nach einem live Erlebnis. Das gilt auch für die wundersame Spezies der Countertenöre. Die Stimme des in Rumänien (Arad im Banat an der ungarischen Grenze) geborenen und früh nach Deutschland emigrierten Valer Barna-Sabadus besitzt eine außerordentliche klangliche Schönheit und ist für die „Tonkonserve“ wie prädestiniert. Er selbst ist durch die Faszination der Stimme von Andreas Scholl auf seine vokalen Fähigkeiten aufmerksam geworden. Unterstützt von seiner Mutter, selbst Pianistin, ist er heute selbst sein Idol übertreffend auf absolutem Weltniveau mit einem Dutzend anderer Counters angelangt. 

Man kann Sabadus stundenlang mit ungetrübtem Vergnügen zuhören und ist neben seiner Befähigung zu einem farbig breit gefächertem vokalem Diskurs vor allem durch die große stilistische Vielfalt fasziniert. Ausdruck kommt bei diesem Sänger nie mit dem „Holzhammer“ verbunden mit gedrückten bzw. forcierten Tönen daher, sondern bleibt für Valer Sabadus als eine natürliche Erweiterung der Nuancen innerhalb des technischen und physischen Spektrums der Stimme. Das hat für den Hörer den Vorteil, einer Stimme zu lauschen, die stets bruchlos fließt und ohne (merkliche) Anstrengung selbst Grenztöne meistert. Wie überhaupt sein Countertenor höhenlastig ist, aber auch in den unteren Registern (noch) klangvoll trägt.

Die vier von Oehms Classics auf der neu erschienenen Box vereinten CDs liefern dafür beeindruckendes Zeugnis. Das Johann Adolf Hasse gewidmete Album enthält Arien aus der Oper „Didone Abbandonata“, die Kantate „La Gelosa“ sowie eine Einlagearie zur Oper „Artaserse“ von Nicola Porpora. Ich selbst habe Valer Sabadus auf der Bühne in Nancy in der legendären Produktion von Artaserse (Leo Vinci) mit Philippe Jaroussky, Max Emanuel Cencic und Franco Fagioli erlebt. Für mich eines der schönsten Erlebnisse barocker Opernmusik überhaupt. Wie selbstverständlich Valer Sabadus im italienischen Fach zu Hause ist, beweist er mit der großartig gelungenen Einspielung des Stabat Mater und des Laudate Pueri Dominum, Psalm 112 des Giovanni Battista Pergolesi. Assistiert wird er hier vom hochinteressanten sopranlastigen Counterkollegen Terry Wey, dem Ensemble Barock Vocal Mainz und dem Neumeyer Consort unter Michael Hofstetter. 

Aufnahmen englischer Songs stellen immer höchste Anforderungen an den Solisten, besteht doch die Begleitung wie auf der vorliegenden Aufnahme nur aus einem Cembalo (Olga Watts), einer Laute (Axel Wolf) und einem Barockcello (Pavel Serbin). Darüber hinaus ist der Inhalt der Lieder von Purcell, Poole, Matteis oder Dowland meist elegisch-melancholisch und daher vom Affektengehalt eindimensional. Hier bedarf es besonderer interpretatorischer Delikatesse, um innerhalb eines engen Spektrums so zu differenzieren, dass der Hörer „bei der Stange bleibt.“ Selbst das gelingt Valer Sabadus spielerisch. Großartig. Den „Lackmustest“ bildeten für mich aber die den Kastratenarien von Mozart gewidmete CD. Die von Recreation – Großes Orchester Graz unter Michael Hofstetter begleiteten Arien aus „La finta giardiniera“, „Lucio Silla“, “La clemenza die Tito“, „Idomeneo, Ré di Creta“ und „Le nozze di Figaro“ (Voi che sapete) zeigen in jeder Sekunde die hohe Musikalität, das Einfühlungsvermögen und die stilistische Treffsicherheit des Valer Sabadus. Wann kann man heute schon Mozart aufregend neu hören? Hier bietet sich eine der raren Gelegenheiten.

Die große, abwechslungsreiche Diskographie von Valer Sabadus reicht von frühbarocken Werken Claudio Monteverdis und Francesco Cavallis über die italienische Sakral- und Opernmusik bis hin zu zeitgenössischen Werken Enjott Schneiders. Dafür wurde er mehrfach mit bedeutenden Schallplattenpreisen ausgezeichnet, u.a. mit dem ECHO Klassik 2012 und von der ICMA zum Young Artist of the Year – Vocal 2013 gekürt.

Da der Künstler jüngst zu Sony gewechselt ist, bietet die Zusammenstellung der vier Oehms-CDs eine ungeheuer preiswerte Gelegenheit, die Vielfalt eine der schönsten Stimmen in Repertoire der Alten Musik für sich zu entdecken.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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