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UND WENN WIR ALLE ZUSAMMENZIEHEN?

20.06.2012 | FILM/TV

Ab 22. Juni 2012 in den österreichischen Kinos
UND WENN WIR ALLE ZUSAMMENZIEHEN?
Et si on vivait tous ensemble?  /  Frankreich  / 2011
Drehbuch und Regie: Stephane Robelin
Mit: Jane Fonda, Pierre Richard, Daniel Brühl, Claude Rich, Geraldine Chaplin, Guy Bedos u.a.

Der entscheidende Augenblick ist jener, als Jeanne und Albert sowie Anne und Jean, zwei kultivierte, betuchte Paare jenseits der 70, ihren Freund Claude nach dessen Schlaganfall im Krankenhaus besuchen. Eben noch haben sie alle den 75er des Singles gefeiert, dann ist er in den Armen einer leichten Dame zusammengebrochen. Sein Sohn will seine Wohnung verkaufen und ihn endgültig ins Heim stecken. Bittere Realität für einen Großteil alter Menschen…

In diesem französischen Film von Stephane Robelin wird eine zweifellos erstrebenswerte Lösung angestrebt – wie wär’s, wenn sie alle zusammenzögen, die zwei Paare, der allein stehende Freund? Ja, im Drehbuch kann das klappen, weil Anne ein großes Haus besitzt, weil alle – kleine Spannungen ausgeklammert – doch höchst kultivierte Menschen sind, die auch finanzielle Fragen untereinander nobel regeln.

Und weil (wird sind im Kino) ihnen als „Hundsitter“ noch ein ungemein sympathischer, kluger junger Deutscher ins Haus schneit (eine Glanzrolle für Daniel Brühl, der übrigens ausgezeichnet Französisch spricht), der das Zusammensein mit den alten Herrschaften als soziologische Studie nützen kann… Das Drehbuch ist auch sehr nett zu ihm und beschert ihm, als sein Einsatz für die alten Leute ihn seine alte Freundin kostet, eine bildhübsche exotische neue… Er hat sich auch sehr bewährt, etwa, als er dem unbelehrbaren Claude auch noch Viagra besorgt hat, so peinlich ihm das auch war.

Es ist ein herzergreifender, wirklich nobler Film, den Stephane Robelin hier gemacht hat, und man dankt ihm, dass er von all den groben Überzeichnungen Abstand nimmt, mit denen die Schicksale der Alten üblicherweise auf die Leinwand gebracht werden (vor allem in unseren Landen). Die Frage der Beschönigung steht allerdings im Raum.

Der „Weichzeichner“ funktioniert vor allem wegen der Darsteller: Die großartige Jane Fonda (sie hat offenbar ihr Französisch aus den Ehejahren mit Roger Vadim revitalisiert) dramatisiert ihre letale Krebserkrankung nicht, sondern sucht sich schon einen rosa Sarg und ihren Platz am Friedhof auf – und erzählt dem jungen Deutschen von ihrem Liebhaber von vor 40 Jahren… Als Freundin Anne, die leicht sauertöpfische Geraldine Chaplin, darauf kommt, dass auch sie vor 40 Jahren ein Verhältnis mit Claude hatte (Claude Rich, noch immer ein Hauch von Strahlemann), lächeln die Damen in sich hinein, während es die Ehemänner nicht so lustig finden. Nicht Jean (Guy Bedos) und noch weniger Albert, der zur Glanzrolle für Pierre Richard wird: Der ehemalige Brachial-Komiker ist zu einer ganz in sich versunkenen, dem Alzheimer in die Arme laufende Gestalt geworden…

Das alles ist wunderbar und schön, es ist nur leider am Rande wahr: Die Lösung des „Zusammenziehens“ wird nur in glücklichen Ausnahmefällen so verlaufen. Aber warum darf nicht auch für die Franzosen das Kino eine „Traumfabrik“ sein?

Renate Wagner 

 

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