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UN BALLO IN MASCHERA – live Mitschnitt der Wiener Staatsoper 1986

24.02.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

Ballo Giuseppe Verdi: UN BALLO IN MASCHERA – live Mitschnitt der Wiener Staatsoper mit Pavarotti, Cappuccilli und Lechner unter Claudio Abbado – ORFEO 2 CD

Erinnerungen an die retrospektiv nur als golden zu bezeichnenden  Drese/Abbado Ära an der Wiener Staatsoper werden wach. Ich war selbst in dieser  Vorstellung von Verdis Maskenball vom 26. Oktober 1986. Und wahrlich: Der nun in klanglich exzellenter Form vorliegende Mitschnitt lehrt die (gute) Reminiszenz an einen außerordentlichen Opernabend  nicht strafen. Wiewohl die „monstres sacrés“ Pavarotti und Cappuccilli nicht mehr ganz in absoluter prime Verfassung sind (vgl. den Mitschnitt unter Claudio Abbado aus der Mailänder Scala 1978 mit den beiden und Mara Zampieri), ist die Vorstellung so aufregend und intensiv musiziert und auch von den beiden großartigen italienischen Sängern idiomatisch so optimal interpretiert, dass sich großes Opernglück einstellt. 

Aber nicht nur das: Orchester und das gesamte Stück-Ensemble sind auf  lichter Augenhöhe mit den beiden männlichen Superstars: Als erste möchte ich hier Gabriele Lechner nennen, eine junge Österreicherin aus dem damaligen Ensemble, die für Margaret Price eingesprungen ist und mit ihrem wilden, etwas breit geführten Sopran eine ganz tolle Leistung lieferte. Wie waren wir stolz am Stehplatz über diese einmalige Konstellation. Es ist ja wahrlich keine Kleinigkeit, neben Luciano P. als Sopran bestehen zu können, wie einmal Leonie Rysanek nach einer Tosca Serie in den USA mit Pavarotti anmerkte. Und Lechner bestand ganz vorzüglich, nicht nur in den beiden höllisch schweren  Arien der Amelia, sondern auch und vor allem in den Duetten und Ensembles. Das gilt auch in einem ein wenig geringeren Maß für die wunderschön gesungene Ulrica der Ludmilla Schemtschuk. Obgleich kein veritabler Kontraalt mit Höhe, gelingt ihr als Mezzo mit Tiefe ein dämonisch-einrdingliches Porträt der dunklen Wahrsagerin. Magda Nador singt einen quirlig perlenden, spielfreudigen Pagen Oscar in bester „Buffo-Manier“.  Piero Cappuccilli war als Renato den Phonstärken des Applauses nach der Publikumsliebling an diesem Abend. Ich finde aber auch, dass die Rolle des Gustavo III Luciano Pavarotti ganz außerordentlich gut lag und er an diesem Abend von Diktion, Phrasierung, Legato, Farbenreichtum der Stimme her eine dem Stadium der Karriere entsprechende Musterleistung an Verdi-Gesang lieferte. 

Die größte Ehrbezeugung ist aber dem Dirigenten und damaligen Musikdirektor der Wiener Staatsoper, Claudio Abbado, zu zollen. Was dieser Dirigent aus dem Orchester der Wiener Staatsoper herausholen konnte, ist meinem persönlichen Erleben nach nur noch Karajan oder Böhm gelungen (Carlos Kleiber einmal beiseite gelassen). In solcher Verfassung des Orchesters wie an jenem denkwürdigen 26. Oktober wusste jeder, der das Privileg hatte, dabei zu sein, dass Wien in diesen Stunden der Nabel der Opernwelt war. Ähnlich unglaublich spielten die Philharmoniker unter Abbados Stabführung u.a. bei Verdis Simon Boccanegra, Rossini Opern oder im russischen und französischen Repertoire. 

Der Anfang ist gemacht. Bitte um weitere offizielle Veröffentlichungen von Aufführungen aus dieser einzigartigen Ära, wie z. B der legendären Aufführungsserie des Viaggio à Reims mit Caballé, Ramey, Gasdia, Cuberli.

Dr. Ingobert Waltenberger 

 

 

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