Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

TRIEST: L’AMICO FRITZ von Pietro Mascagni

24.05.2012 | KRITIKEN, Oper

Opernrarität in Triest: „L’amico Fritz“ von Pietro Mascagni (Vorstellung: 23. 5. 2012)


Alexia Voulgaridou als Suzel und Luciano Ganci als Fritz waren ein attraktives Liebespaar (Foto: Teatro Lirico Trieste)

Im Teatro Lirico Giuseppe Verdi in Triest wird zurzeit die nur selten szenisch gespielte Oper „L’amico Fritz“ von Pietro Mascagni aufgeführt, deren Uraufführung am 31. 10. 1891 in Rom stattfand. Die deutsche Erstaufführung dirigierte Gustav Mahler bereits am

16. 1. 1892 in Hamburg. Das Libretto verfasste Nicolò Daspuro nach der Novelle L’ami Fritz von Emile Erckmann und Pierre-Alexandre Chatrian.

Die Handlung der dreiaktigen Oper, die Ende des 19. Jahrhunderts im Elsass spielt, in einer kurzen Zusammenfassung: Während des Geburtstagsfests des eingefleischten Junggesellen und reichen Gutsbesitzers Fritz Kobus prophezeit ihm sein bester Freund, der Rabbiner David, dass auch er eines Tages des Junggesellendaseins überdrüssig sein werde. Fritz verneint und bietet ihm eine Wette an: Sollte er tatsächlich einmal heiraten, werde er David seinen Weinberg abtreten. Als David bemerkt, dass sich Suzel, die Tochter eines Pächters von Fritz, in diesen verliebt hat, beschließt er, Fritz eifersüchtig zu machen und erzählt ihm von der bevorstehenden Hochzeit Suzels. Sie habe bereits den richtigen Mann gefunden. Fritz fühlt sich von Hochzeiten und glücklichen Paaren regelrecht verfolgt und wird tatsächlich eifersüchtig. Schließlich bekennt er Suzel seine Liebe und bittet sie um ihre Hand. David gewinnt die Wette und den Weinberg, tritt diesen aber als Hochzeitsgeschenk an Suzel ab.

Daniele Salvo bot eine klassische, atmosphärisch dichte Inszenierung und ließ die Oper in einem elegant eingerichteten Palais mit Ausblick von der Terrasse auf eine nahegelegene Stadt spielen, in dem der Gutsbesitzer Fritz Kobus und seine Gäste von einer großen Schar Lakaien bedient werden. Das künstlerisch gestaltete Bühnenbild und die stilvollen zeitlosen Kostüme schuf Lorenzo Fonda. Für die stimmungsvollen Lichteffekte in den drei Akten war Nino Napoletano verantwortlich.


Foto: Teatro Lirico Trieste

Die Vorstellung fand in Premierenbesetzung statt, die stimmlich mit einer hohen Qualität aufwartete. In der Titelrolle brillierte der fesche Tenor Luciano Ganci, der auch darstellerisch zu gefallen wusste. Er gab den Gutsbesitzer Fritz Kobus als gelangweilten Neureichen, der an Nichts seine Freude zu haben schien, bis er in Liebe zu Suzel entbrennt.

In sein Liebesduett mit Alexia Voulgaridou legte er allerdings ein funkensprühendes südländisches Temperament, das in einem innigen Kuss mit der griechischen Sopranistin „mündete“, die gleichfalls stimmlich und darstellerisch eine beeindruckende Leistung bot.

Der Bariton Paolo Rumetz gab einen korpulenten und gerissen-schlauen Rabbi David, dem der Schalk in den Nacken zu sitzen schien, köstlich spielte die Mezzosopranistin Irini Karaianni die Hosenrolle des Zigeuners Beppe, wobei sie die Szenen stets mit kleinen Puppen auf witzige Weise „nachstellte“. Die beiden Freunde von Fritz, Federico und Hanezo, wurden vom Tenor Max Renè Cosotti und vom Bass Andrea Vincenzo Bonsignore ihrer Rollen entsprechend gegeben, Caterina, die Gouvernante von Fritz, von der Sopranistin Letizia Del Magro gesungen. Stimmkräftig agierte der Chor des Teatro Lirico (Einstudierung: Paolo Vero), der für die bäuerliche Atmosphäre zu sorgen hatte.

Das Orchester des Teatro Lirico, von Fabrizio Maria Carminati äußerst temperamentvoll geleitet,  gab sowohl die expressiven wie auch die lyrischen Passagen der Partitur Mascagnis exzellent wieder. Für die Ouvertüre zum dritten Akt gab es vom begeisterten Publikum spontan Beifall. Am Schluss applaudierten die Zuschauerinnen und Zuschauer minutenlang allen Mitwirkenden, wobei die Phonstärke des Beifalls für die beiden Hauptdarsteller Luciano Ganci und Alexia Voulgaridou besonders zunahm.

Udo Pacolt, Wien – München

 

Diese Seite drucken