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TRAPANI/ Luglio Musicale: NORMA

03.09.2020 | Oper international

TRAPANI/ Luglio Musicale: NORMA am 28.8.2920


Copyright : Luglio Musicale Trapanese

Es ist nicht alles schlecht, was Covid 19 mit sich bringt. Es ist aber auch nicht alles gut.

Das traditionsreiche sizilianische Festival Luglio Musicale wollte zu Recht auch heuer nicht die Flinte ins Korn werfen und beschloss daher, allen Widrigkeiten zum Trotz stattzufinden – wenn auch in reduzierter Form.

Zwei kleinere Produktionen – IL MAESTRO CIMAROSA und der Offenbachsche BA-TA-CLAN – im wunderschön renovierten, intimen Chiostro San Domenico vermochten sehr zu gefallen.

DIe einzige „grosse“ Neuinszenierung dieses Sommers (normalerweise sind es drei) im von jahrhundertealten Bäumen umstandenen Park der Villa Regina Margherita –  NORMA – geriet jedoch leider zum Totalfiasko.

Raffaele di Florio war für Regie, Bühnenbild und Licht verantwortlich. Und man könnte nicht sagen, in welcher seiner Funktionen er verhängnisvolleres anrichtete. Sein Bühnenbild (dunkles, düsteres, deprimierendes Pappmaché) war jedenfalls eines der scheußlichsten, das man seit langer Zeit gesehen hatte. LIchtdesign wurde (außer in raren Momenten) gar nicht erst versucht. Und Regie fand im eigentlichen Sinne auch nicht statt. Die Protagonisten fuchtelten und gestikulierten und sangen aneinander vorbei frontal ins Publikum, als ob man das Jahr 1950 schriebe. Ab und zu öffnete sich eine schwarze Rückwand und machte den Chor (den man in Corona-Zeiten doch besser weggelassen hätte) sichtbar, der auf Sesseln saß und es diesmal nicht einmal für notwendig gehalten hat, seine Partien auswendig zu lernen und stattdessen lieber mithilfe von Leselampen aus der Partitur „vortrug“. Unmöglich und skandalös.

Am traurigsten stimmte allerdings die Wieder – Begegnung mit Desirée Rancatore – als Norma. Es ist ja schon verständlich, dass die ehemalige Koloratur-Weltmeisterin aller Klassen nunmehr, da sie nicht mehr die Jüngste ist, ins lyrischere Fach wechseln will. Es ist nur keine besonders gute Idee, denn die wahrscheinlich beste Olympia aller Zeiten ist nun einmal jeden Zoll keine Norma. Es zerreißt einem das Herz, das mitansehen und mitanhören zu müssen. Ach !

Man kann wirklich nur hoffen, dass der Virus so schnell wie möglich verschwindet und der Luglio

Musicale Trapanese nächsten Sommer zu seiner alten, legendären Form zurückfindet und uns wieder unvergessliche Abende bescheren wird …

Robert Quitta, Trapani

 

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