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TOKYO / Suntory-Hall: DAS RHEINGOLD

21.11.2016 | Oper

TOKYO/ SUNTORY HALL: RHEINGOLD am 18.11.2016

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Copyright: Matthias Creutziger

 Die Suntory-Hall in Tokyo gilt als einer der schönsten und besten Konzertsäle der Welt. Errichtet noch mit der Expertise Herbert von Karajans (nach dem auch der Platz davor benannt ist), feiert sie heuer ihr 30jähriges Jubiläum. Und dazu haben sich die Verantwortlichen einige besondere Geschenke für ihr treues Publikum ausgedacht; z.B. ein Galakonzert mit den Wiener Philharmonikern unter gleich zwei Dirigenten(Zubin Mehta und Seji Ozawa). Und als weiteren Höhepunkt eine gleich einwöchige „Residenz“ der Sächsischen Staatskappelle Dresden unter Christian Thielemann.

Den Auftakt bildete eine halbszenische Aufführung des „Rheingolds“. Thielemann ist ja mittlerweile fast schon zum Synonym für Wagner geworden, und insofern war man nicht besonders überrascht, die hohen Erwartungen, die man an seine Interpretation stellte, erfüllt zu sehen. Überraschter war man da schon von der durchgängigen Spitzenqualität des Sängerensembles, das der Chef der Suntory-Hall nicht zu Unrecht mit einer Rolls Royce – Flotte verglich: der frühere Langzeit-Wotan Albert Dohmen machte seinen Alberich hier durch eine grossartig menschliche Gestaltung fast zur Hauptfigur, der wunderbare Kurt Streit sang und spielte sich als Loge seine flammende Seele aus dem Leib, Michael Volles souveräner Wotan liess sich stimmsatt in das verhängnisvolle Geschehen, vor dem ihn Christa Mayers faszinierende Erda eindrucksvoll warnte, immer weiter mit hinein- und hinunterziehen, und Mihoko Fujimura als Fricka erfreute das Publikum nicht nur dadurch, weil sie hier Heimvorteil hatte. Nicht minder sensationell Gerhard Siegel (Mime), Regine Hangler (Freia), Stephen Milling (Fasolt), Ain Anger (Fafner) sowie die Rheinnixen Christine Kohl, Sabrina Kögel und Simone Schröder.

Angesichts des Jubiläums erschien der Direktion der Suntory-Hall eine nur konzertante Aufführung als nicht ausreichend, und daher engagierte sie den französisch-italienischen Regisseur Denis Krief für eine halbszenische Aufbereitung. Krie f(der auch sein eigener Bühnen – und Kostümbildner ist) wird aufgrund seines Einfallsreichtums immer dann gerufen, wenn zu wenig Zeit und Budget vorhanden sind. Und auch diesmal erledigte er diesen genaugenommen unerfüllbaren und unzumutbaren Auftrag, diese „mission impossible“, äusserst überzeugend. Mit minimalsten Mitteln (ein rotes Hemd für Loge, Smoking und weisser Schal für Wotan, zwei Stellwände, die gelegentlich Goldsegmente freigeben, eine Kröte etc,) zaubert er auf das im Hintergrund des Konzertpodiums errichtete einstöckige Holzgerüst,  eigentlich alles, was für eine Rheingold-Aufführung vonnöten ist. Im Prinzip erinnerte diese Methode an die Art und Weise, wie Gustav Kuhn den Ring in Erl und auf Tournee zu präsentieren pflegt. Bei Krief war allerdings alles eindeutig traditioneller und geschmackvoller gestaltet.

DIe Produktion erregte jedenfalls soviel Wohlgefallen, dass sich viele Premierenzuschauer spontan auch zum Besuch der zweiten Vorstellung entschlossen…

 Robert Quitta, Tokyo

 

 

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