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TO THE WONDER

28.05.2013 | FILM/TV

Ab 31. Mai 2013 in den österreichischen Kinos
TO THE WONDER
USA  /  2012
Drehbuch und Regie: Terrence Malick
Mit: Ben Affleck, Olga Kurylenko, Rachel McAdams, Javier Bardem u.a.

Regisseur Terrence Malick, Jahrgang 1943, ist ein Fall für sich. Früher hat er in Hollywood so wenig gemacht, dass man ihn kaum wahrnahm, obwohl es nicht ganz unwichtige Filme waren. Dann kam 2011 „Tree of Life“, die „Goldene Palme“ in Cannes und weltweite Beachtung. Und das für einen Film, der irgendwo mit dem Urknall begann, auf die Dinosaurier nicht vergaß und am Ende bis ins Jenseits eilte, dazwischen eine extrem tragische Familiengeschichte in meist unverständlichen Bildern und fast ohne Worte abhandelnd, bis zum Extrem esoterisch aufgepumpt – für viele Kritiker ein Meisterwerk. 

Noch nie hat Malick so schnell einen weiteren Film nachgeschickt wie nun „To the Wonder“, und tatsächlich bedarf es jetzt keiner Vorbereitung des Publikums mehr: Wer ihn kennt, weiß, was er zu erwarten hat. Bilder, Bilder, Bilder so schwelgerisch in Farben und Formen, dass man sie jedem anderen als „Kitsch“ vorwerfen würde, viel Musik (darunter mehrfach zitiert: „Parsifal“, Wagner ist auch ideale Filmmusik), kaum Worte.

Psychologische Erklärungen für das Verhalten der Personen werden nicht gegeben – wenn ihr’s nicht fühlt, ihr werdet’s nicht erjagen, sagt Faust dem recht verständnislosen Wagner, und vielleicht sind hier auch Zuschauer „Wagner“, die nicht gerade so heißen… Dabei ist Malick, wenn man seine „Masche“ kennt, nicht allzu schwer zu interpretieren. Weil es eben um das Unsagbare, Unwägbare, Unbegreifliche gehen soll, stimmt alles, auch wenn man den Gesetzen normaler Kinodramaturgie nichts zusammen geht.

Da lernt man Neil kennen (Ben Affleck musste wahrscheinlich für diese Rolle keine drei Sätze Text lernen), Amerikaner, mit Marina, einer schönen jungen Frau (Olga Kurylenko) in Frankreich unterwegs, eine Ukrainerin mit 10jähriger Tochter und begierig, ihr Leben mit dem Amerikaner zu teilen. Als sie gemeinsam in die USA gehen, leben sie in einer Kleinstadt in Oklahoma – und sind nicht glücklich.

Der Mann lässt die Frau, die nach einiger Zeit keine Aufenthaltserlaubnis mehr hat, ohne ein Wort abreisen. Und geht eine gleichfalls unerklärte Beziehung zu einer früheren Freundin ein (Rachel McAdams, diesmal blond), was aber auch nicht hält, als Marina (praktischerweise ohne Tochter) zurückkehrt und er sie heiratet. Was bald in Scheidung endet. Welche Funktion Father Quintana (Javier Bardem) in der Geschichte hat, wird nicht klar, aber man erlebt ihn in Glaubenskämpfen.

Gedreht wurde alles in der jeweiligen Sprache – man hört Französisch, Englisch, das Spanisch des Paters, Italienisch, als Marina eine Freundin trifft. Aber von Realismus ist man Äonen weit entfernt. Das ist einzig und allein ein Film für Esoteriker oder Arthaus-Fans. Die sich von Bildern und Musik mittragen lassen. Nüchterne Zeitgenossen werden die Machart bewundern – und sich fragen, was das Ganze soll.

Renate Wagner

 

 

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