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TO ROME WITH LOVE

27.08.2012 | FILM/TV

Ab 31. August 2012 in den österreichischen Kinos
TO ROME WITH LOVE
USA  /  2012 
Drehbuch und Regie: Woody Allen
Mit: Woody Allen, Penélope Cruz, Judy Davis, Roberto Benigni, Fabio Armiliato, Jesse Eisenberg, Alec Baldwin u.a.

Rom ist zweifellos eine Traumstadt, aber man hat sich mit Woody Allen – filmisch in Europa unterwegs, wann kommt er nach Wien? –  in Paris wohler gefühlt: Als er seinen Helden von „Midnight in Paris“ in die Welt der Künstler und Literaten der zwanziger Jahre gleiten ließ, entfesselte er ultimativen Kinozauber und bekam verdient den Drehbuch-„Oscar“. Auf die Idee, ihm diesen für „To Rome with Love“ zu verleihen, wird wohl niemand kommen. Erstaunlich, wie konventionell die Geschichten sind, die Woody diesmal vor dem immer pittoresken Hintergrund der ewigen Stadt zusammenbastelt…

Aber sagen wir, was schön an dem Film ist: Woody Allen spielt wieder einmal selbst mit, was er ja seltener und seltener tut. Und seine Episode, die ihn als er selbst, als versponnenen amerikanischen Regisseur zeigt, ist die überzeugendste. Nicht nur, weil er in Gestalt von Judy Davis eine so herrlich nüchterne Ehefrau an der Seite hat, die genau weiß, wie sie mit diesem Neurotiker umgehen muss. Nein, das ist auch eine Geschichte für Opernfreunde. Woody Tochter heiratet einen Italiener, und dessen Papa ist nicht nur – leider – Bestattungsunternehmer, sondern auch leidenschaftlicher Tenor. Herrlich, wie der nicht nur in Wien best bekannte Fabio Armiliato hier sich selbst parodiert. Und weil dieser einfache Mann aus dem Volke einfach nur in der Dusche perfekt singen kann und Woody ihn unbedingt auf die Bühne bringen will – da zaubert er um ihn eine „Dusche“-Inszenierung des „Bajazzo“. Und wenn die Kritiker das „imbezil“ nennen, nimmt er’s für ein Kompliment… Ja, das ist wirklich schön.

 

Wundervoll ist natürlich auch, wenn Woody wieder einmal Penelope Cruz in ihrem ganzen überströmenden Reiz vor die Kamera stellt. Ja, sie ist eines jener Mädchen, die man mietet, um sie Freunden als „Geschenk“ aufs Hotelzimmer zu schicken. Natürlich platzt sie in das falsche. Natürlich kommen – während die Provinz-Ehefrau sich in Rom verlaufen hat – die Verwandten des Ehemanns bei der Tür herein. Wenn Penelope dann als Ehefrau vorgeführt wird (während sich die echte Ehefrau prompt auf ein Abenteuer bei Filmdreharbeiten einlässt) – ja, dann stellt sich heraus, dass so gut wie alle der vornehmen älteren Herren sie kennen… Ja, das ist auch schön, denn diese Penelope Cruz ist nun einmal zum Entzücken.

Nicht allzu viel ist Woody zum Abenteuer des amerikanischen Architekturstudenten (Jesse Eisenberg, der berühmt wurde, als er Facebook-Erfinder Mark Zuckerberg spielte) eingefallen, der die Erkenntnis, dass man nicht immer treu sein kann, auch außerhalb Roms hätte finden können. Und dass die Geschichte durch den Quasi-„Kommentator“ Alec Baldwin einen doppelten Boden gewinnt, macht sie auch nicht interessanter.

Überhaupt bringt Woody zwar Rom bei jeder Gelegenheit so schön wie möglich ins Bild, aber alle Geschichten könnten auch woanders spielen. Auch jene, die er vermutlich für „philosophisch“ hält und die wirklich eine Parodie auf die 15 Minuten sind, die laut Andy Warhol heutzutage jeder berühmt sein kann. Es trifft Roberto Benigni, ohne dass dieser Signore Nobody weiß, warum es geschieht (das ist auch gut so, denn das Phänomen, dass Menschen plötzlich in die Medien geschoben werden, ohne dass man recht weiß, was sie da sollen, ist bekannt) – und sehr bald kann er sich nur unter seiner Berühmtheit kokett winden. Woody lässt ihn aber auch den Rest des Bechers leeren: Als ihm die Aufmerksamkeit so plötzlich und unerklärlich entzogen wird, wie man sie ihm zuteil werden ließ, da herrscht plötzlich eine entsetzliche Leere… und unser unglückseliger Niemand gäbe etwas darum, wieder berühmt, umschwärmt und gefragt zu sein.

Nein, das ist kein Woody-Allen-Film der Spitzenklasse. Aber wer, der einmal sein Fan war und so lange durchgehalten hat, wird es mit ihm nicht immer wieder versuchen? Und wenn Armiliato unter der Dusche singt oder Penelope Cruz im roten Mini herumfegt, wenn Woody und Benigni um die Wette betropetzt dreinsehen – ja, das ist schon etwas für seine Fans.

Es gibt übrigens eine ganz interessante Theorie: Dass alle Woody-Allen-Filme seiner ganzen Karriere zusammen genommen nicht von so vielen Leuten gesehen wurden wie ein einziger Arnold-Schwarzenegger-Film von einst. Das ist doch ein guter Grund hineinzugehen…

Renate Wagner  

 

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