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THE RAID

13.08.2012 | FILM/TV

Ab 17. August 2012 in den österreichischen Kinos
THE RAID
Serbuan Maut / Indonesien /  2011
Regie: Gareth Evans
Mit: Ray Sahetapy, Yayan Ruhian, Iko Uwais u.a.

Die Martial Arts-Filme des Fernen Ostens sind eine riesige Industrie, und sie haben auch im Westen millionenfach ihre Fans – einerseits wohl auch aus ästhetischen Gründen, weil hier oft mit choreographischer Brillanz gekämpft und getötet wird, andererseits zweifellos, weil sie mit ihrer exzessiven Brutalität auf billige Art im Zuschauer niedrige Instinkte befriedigen.

Indonesien liefert nun einen Film zum „Thema“, der zwar die Bedürfnisse nach grausamen Kämpfen und Ritualen überreich erfüllt, aber dennoch eine Geschichte erzählt. Wenn es auch die alte Story von Verbrechen, Terror, Korruption und vergeblichem Ankämpfen dagegen ist.

Es ist ein riesiges, festungsgleiches, 20stöckiges Hochhaus in Jakarta, das eine schwer bewaffnete SWAT-Truppe in Angriff nimmt – allerdings ziemlich überzeugt, dass man keine großen Schwierigkeiten haben wird, das Gebäude zu erstürmen und Gangsterboß Tama Riyadi (Ray Sahetapy) gefangen zu nehmen. Aber der Boß (man lernt ihn kennen, als er genussvoll eigenhändig ein paar Gefangene hinrichtet) sitzt da nicht nur in einem Stockwerk mit seinen Getreuen, während in den Nebenräumen in Laboratorien Rauschgift verarbeitet wird. Er hat faktisch alle Mieter der zahllosen Wohnungen unter Kontrolle, und zahllose von ihnen werden auf die Soldaten losgehetzt, die sich dauernd schwerem Widerstand ausgesetzt sehen. Es ist überhaupt nicht einfach, sich von Stockwerk zu Stockwerk in die Nähe des Gesuchten hoch zu kämpfen, der den Eindringlingen unaufhörlich kampferprobtes  „Menschenmaterial“ und Waffen aller Art entgegen werfen kann.

Was den Film für europäische Zuschauer nicht ganz einfach macht, ist nicht das Gemetzel, das sich hier aufbaut – wer in solche Filme geht, darf nicht zimperlich sein bei Psychoterror oder zynischem Blutvergießen -, sondern die schlichte Tatsache, dass für uns die Gesichter der Asiaten nicht auf Anhieb zu unterscheiden sind, zumal wenn sie in denselben Uniformen stecken. Zwar schälen sich Einzelschicksale heraus: Rama (Iko Uwais), ein Soldat der Truppe, findet seinen Bruder Andi (Donny Alamsyah) unter den Gangstern, und da gibt es sogar ein paar „philosophische“ Dialoge über Gut und Böse, aber im Großen und Ganzen ist es nicht immer leicht, dem Geschehen zu folgen.

Einige Polizisten leisten Großen darin, ihre verwundeten Kollegen nicht im Stich zu lassen, aber dass nicht alle von ihnen eine saubere Weste haben, verwundert nicht, als es sich dies zweifelsfrei herausstellt (aber da gibt es sogar einen Hauch „Gerechtigkeit“ am Ende). Dass es auch unter den unterdrückten, verschreckten Hausbewohnern ein paar Anständige gibt, die verletzten Soldaten helfen, lässt die Blutorgie nicht so einförmig erscheinen, und ganz am Ende gibt es Kampfszenen der höheren Art mit einem Mann, der die Bezeichnung „Mad Dog“ wahrlich zurecht trägt und kaum zu töten ist: Yayan Ruhian möchte man nicht im wahren Leben begegnen.

Das alles ist von Gareth Evans brillant bis virtuos inszeniert und verliert dennoch nie den realen Boden des Geschehens unter den Füßen. „Empfehlen“ kann man diesen Film, wenn er im Rahmen seines Genres auch Qualitäten hat, nur Leuten mit starken Nerven.

Renate Wagner  

 

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