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THE MASTER

20.02.2013 | FILM/TV

Ab 22. Februar 2013 in den österreichischen Kinos
THE MASTER
USA  /  2012 
Regie und Drehbuch: Paul Thomas Anderson
Mit: Philip Seymour Hoffman, Joaquin Phoenix, Amy Adams, Laura Dern u.a.

Der titelgebende „Master“ heißt zwar Lancaster Dodd, hat aber ein Vorbild in der Realität – jedenfalls haben amerikanische Kritiker in diesem gefährlichen und auch üblen Guru Züge von „Scientology“-Gründer L. Ron Hubbard erkannt. Bevor Dodd allerdings überhaupt auftaucht, erzählt dieser Film von Paul Thomas Anderson – an sich ein hoch geschätzter Regisseur (There Will Be Blood, 2007), der sich in der Szene rar macht– erst einmal von Freddie Quell.

Wir befinden uns in den späten vierziger Jahren, Freddie war bei der Marine und gehört zu jenen Leuten, die einigermaßen verhaltensgestört aus dem Krieg gekommen sind. Joaquin Phoenix genießt es, das Abnorme der Figur bis zum Abstoßenden auszuspielen – mit einem schräg verzerrten Mund, der auch seine Sprache verballhornt. Ein seltsamer Mann, der Angst macht und auch zu Gewalttaten neigt.

Freddies Abdriften in die Illegalität kann aber für Leute wie Lancaster Dood – er taucht nach einiger Zeit auf – auch seine nützliche Seiten haben, etwa dessen Fähigkeit, aus irgendwelchen verdächtigen Bestandteilen Alkoholisches zu pantschen. Es stellt sich heraus, dass Freddie für die seltsame Welt, in der Dodd wie ein Fürst herrscht, ein praktischer Mann für alles ist… etwa auch, um Gegner zu verprügeln.

  

In der Folge geht es darum, einen totalitären Guru nachzuzeichnen, dessen Sekte „die Sache“ genannt wird, wobei es zwar einmal eine Party gibt, in der sämtliche Damen nackt herumspazieren, der Regisseur aber die Situation nicht ausreizt. Es reicht, Philip Seymour Hoffman zuzusehen, mit welch abstoßender Selbstgefälligkeit er seine Theorien von sich gibt – und wie eitel und selbstverständlich er die Anbetung seiner Anhänger hinnimmt. Wird er, wie es in einer Szene geschieht, allerdings von einem männlichen Gegner in Frage gestellt, kann er auch schon einmal die Nerven verlieren… Wie sinnlos er mit seinen Psycho-Sitzungen, seinen vagen Theorien, seinen Büchern ins Leere schwätzt, erweist sich in einer starken Episode, wenn eine verwirrte Anbeterin wissen will, warum er nun das Gegenteil behaupte von früher…

Unendlich wichtig im Gefüge ist eine Nebenfigur, die grandiose Amy Adams als Dodds schwangere Gattin, die alles hinnimmt, was er ihr antut (auch die Anbetung einer reichen Gönnerin, gespielt von Laura Dern) und sich so weit demütigt, ihn vor einem Spiegel mit der Hand zu befriedigen – nur, um auch ihre Unterwürfigkeit zu beweisen.

Hat der Film, der immerhin zweieinviertel Stunden lang ist, allerdings die Situation rund um Dodd ausgemalt, passiert nicht mehr viel – es gibt einige Szenen, in denen Dodd den komischen Freddie zu manipulieren sucht, vielleicht mit (nur leise angedeuteten) homoerotischen Spannungen, aber was in der Folge eigentlich erzählt werden soll, wird absolut nicht klar. Es ist weder die stringente Geschichte des Gurus (zwischen Anbetung und Anfeindung), noch jene des seltsamen Freddie, dem gewissermaßen die Befreiung aus der zunehmenden Demütigung gelingt.

Am Ende ist man ziemlich ratlos, was man eigentlich gesehen hat – und vor allem: warum? Die große Auseinandersetzung mit Scientology ist es nicht geworden, dazu ist die Figur des Dodd in ihren Aktionen dann doch zu vage, auch in ihrer Gefährlichkeit nur angekratzt. Und was  man mit Freddie eigentlich anfangen soll, außer dass er einem – entschuldigen schon – herzlich zuwider ist, weiß man auch nicht. Da wurde viel Schauspielkunst sinnlos in ein Drehbuch-Nichts gepufft.

Renate Wagner

 

 

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