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THE LADY – EIN GETEILTES HERZ

07.04.2012 | FILM/TV

Ab 6. April 2012 in den österreichischen Kinos
THE LADY – EIN GETEILTES HERZ
The Lady  /  Frankreich, GB  / 2011
Regie: Luc Besson
Mit: Michelle Yeoh, David Thewlis u.a.

Die Wirklichkeit hat den Film überrundet: Am Ende von „The Lady“ ist die – reale – Heldin Aung San Suu Kyi zwar aus ihrem jahrelangen Hausarrest erlöst und ungebrochen, aber ihre Zukunft gewissermaßen ungewiss: Aber in der Realität hat sie inzwischen in Burma (Myanmar) mit ihrer Nationalen Liga für Demokratie (NLD) einen Sieg errungen, der wie ein Fanal für die künftige Demokratisierung des Landes durch die Weltpresse ging. Und es scheint nicht unmöglich, dass der Film, den Regisseur Luc Besson dieser tapferen Frau widmete, etwas dazu beigetragen hat. Wenn man dieses Biopic an sich auch nicht wirklich als Meisterstück erachten will…

Es beginnt mit dem kleinen Mädchen, der Tochter des fortschrittlichen Generals Aung San, der für Burma die Demokratie anstrebt und dessen Ermordung man mit ansehen muss. Sprung: Aung San Suu Kyi in Oxford, Gattin des Professors Michael Aris, Mutter zweier halbwüchsiger Söhne. Als sie nach langer Abwesenheit wieder nach Burma kommt, weil ihre Mutter im Sterben liegt, wird sie von Anhängern ihres Märtyrer-Vaters für den Kampf gegen die brutale Militärregierung gewonnen…

Ja, und von da an verläuft der Film in schrecklicher und leider auch sentimentaler Gleichförmigkeit: Ihre Partei wird verfolgt, sie selbst, ihre Anhänger, schließlich stellt man sie jahrelange unter Hausarrest. Parallel erlebt man die Leiden ihres hingebungsvollen Gatten, den sie schließlich in England allein sterben lassen muss, denn, wie der deutsche Titel sagt, hat die Dame ein geteiltes Herz – entweder ihre Familie oder ihre Heimat. Man weiß, wie sie sich entschieden hat.

Als hätte Luc Besson, der doch sonst gerne harte Thriller dreht oder produziert, einen reinen „Frauen-Schinken“ im Sinn gehabt, muss man der fabelhaften Michelle Yeoh (die ziemliche Ähnlichkeit mit der originalen Aung San Suu Kyi erzielt, so weit man es von Fotos und Fernsehberichten beurteilen kann) vor allem beim Leiden und unterdrückten Weinen, beim Tapfersein und wieder Leiden zusehen. Und David Thewlis als ihrem Gatten (so very british!) geht es ebenso. Man hätte eigentlich lieber gewusst, wie sich die reale politische Arbeit dieser Frau inmitten ihrer Partei wirklich gestaltet hat, nicht nur in dekorativer, aber inhaltsloser Geschäftigkeit. Und die bösen Militärs – ja, die sehen wirklich kinoböse drein.

Wer ein wenig originales Burma erhofft, bekommt nicht allzu viel zu sehen – gelegentlich ein Blick über die Pagoden als dekorative Silhouetten (ein klassisches Foto), ein-, zweimal die goldene Shwedagon in Rangoon, und bei einer Wahlkampfreise drei der pittoresken Bergvölker, die im Sinn der Urlaubsbilder ins Zentrum gerückt werden. Mehr ist es nicht.

Aber sollte dieser überlange (zweieinviertel mühevolle, weil gar nicht abwechslungsreiche Stunden) wirklich politisch Gutes bewirkt haben – dann kann man ihn nicht hoch genug loben. Wenn nicht, dann besteht zumindest am „gut gemeint“ kein Zweifel.

Renate Wagner

 

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