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THE GREY – UNTER WÖLFEN

10.04.2012 | FILM/TV

Ab 13. April 2012 in den österreichischen Kinos
THE GREY – UNTER WÖLFEN
The Grey  /  USA  /   2012
Regie: Joe Carnahan
Mit: Liam Neeson, Dermot Mulroney, Frank Grillo u.a.

Der Reiz, den Überlebens-Filme (die „Survival Movies“) ausüben, ist oft nicht nachzuvollziehen: Oder fühlt man sich besonders wohl im angenehmen Kinosessel, wenn man zusehen kann, wie andere um ihr Leben kämpfen? Liam Neeson tut in der Eiswüste von Alaska knapp zwei Kinostunden lang nichts anderes. Und wird – jetzt sagt man es einfach – am Ende doch von den Wölfen gefressen, weil es keine Rettung geben kann. Nein, es ist nicht gemütlich im Kinosessel. Man friert. Man fürchtet sich vor den Wölfen. Und man hat sich am Ende überhaupt nicht „unterhalten“: Ob im Guten oder im Bösen, darum geht es im Kino letztendlich.

Die einleitenden Szenen in den Baracken der Ölgesellschaft sind kurz. Dann steigt eine Handvoll Männer schon in ein Flugzeug. Und sie stürzen ab. Sieben von ihnen überleben, darunter Ottway als die klassische Führungspersönlichkeit  – um dann nach und nach (das Prinzip der „zehn kleinen Negerlein“) zugrunde zu gehen. Denn um sie herum ist nichts als gnadenloser Winter. Und in den Wäldern sind die ebenso gnadenlosen „Grauen“, die Wölfe. Die paar Menschen versuchen, mit ihrem Grips zu überleben, aber sie haben keine Chance. Sich weiterbewegen – aber wohin? Abends Feuer machen, um die Tiere abzuhalten – was nützt es? Die Wölfe sind immer da. Die Geschichte bleibt immer so einförmig wie die Waldlandschaft in Eis und Schnee.

Als Zuschauer hat man in diesem Film von Joe Carnahan das Problem, dass keine Figur jenseits von Hauptdarsteller Liam Neeson in der Rolle des Ottway sich profiliert. Die Gespräche untereinander sind uninteressant. Gelegentlich gibt es eine Rückblende – Ottway mit seiner wundervollen Frau im Bett, Wärme, Zärtlichkeit. Und dann wieder Kälte. Ottway ist der Letzte – am Ende sorgt die Kamera dafür, dass sein Gesicht dem des Wolfs, der ihn jagt, nicht unähnlich ist. Aber es ist wenigstens keine Supermann-Geschichte, wo der Held Unglaubliches vollbringt und die Bestien überlistet, austrickst oder killt: Hier weiß man, dass die Natur stärker ist als der Mensch. Und dass dieser unbewaffnet gegen die Kraft, Zähne und Klauen eines Wolfs keine Chance hat…

Aber warum muss man sich das antun? Nun, die Amerikaner fanden das nicht, denn schließlich war „The Grey“ am Startwochenende der erfolgreichste Film in den USA. Es scheint doch einen Reiz zu besitzen, Menschen beim hoffnungslosen Weg in den Tod zuzusehen.

Renate Wagner

 

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